WhatsApp VBScript-Kampagne: Fake-Dokumente installieren ManageEngine RMM-Tool
Kaspersky hat eine aktive Kampagne entdeckt, die kompromittierte WhatsApp-Konten nutzt, um VBScript-Dateien zu verbreiten. Die Malware installiert das legitime RMM-Tool ManageEngine RMM Central auf den Systemen der Opfer.

Kaspersky hat eine aktive Malware-Kampagne entdeckt, die kompromittierte WhatsApp-Kontos nutzt, um manipulierte VBScript-Dateien zu verbreiten. Ziel der Kampagne ist die Installation des legitimen Remote Monitoring & Management (RMM)-Tools ManageEngine RMM Central auf den Systemen der Opfer. Der folgende Artikel erklärt die technischen Details und gibt Admins konkrete Schutzmaßnahmen.
Meldung und Einordnung
Am 24. Juni 2026 veröffentlichten Sicherheitsforscher von Kaspersky einen detaillierten Bericht über eine aktive Kampagne, die WhatsApp-Nachrichten nutzt, um VBScript-Dateien zu verbreiten. Die Kampagne richtet sich gegen Nutzer von WhatsApp Desktop und WhatsApp Web in mehreren Ländern, darunter Malaysia, Brasilien, Indien, Mexiko, Singapur, Großbritannien, Spanien, Taiwan, Australien, Russland und Vietnam.
Die Angriffskette ist bemerkenswert, weil sie ein legitimes RMM-Tool als finale Payload nutzt. Statt klassischer Malware wird ManageEngine RMM Central installiert, ein legitimes Administrationswerkzeug. Die Verteilung über kompromittierte WhatsApp-Konten macht das Social Engineering besonders effektiv, da die Nachrichten von vertrauten Absendern stammen.
Technische Details für Admins
Die Angriffskette besteht aus mehreren Stufen. Zunächst kompromittieren die Angreifer WhatsApp-Konten (der genaue Mechanismus ist noch unklar). Von den gekaperten Konten werden VBScript-Dateien an die Kontakte gesendet. Die Dateien tarnen sich als Geschäfts- oder Finanzdokumente mit Namen wie Financial Reports.vbs oder Account Statement.vbs. Es gibt auch Varianten auf Portugiesisch, Französisch, Deutsch und Malaiisch.
| Stufe | Komponente | Funktion |
|---|---|---|
| 1 | WhatsApp-Nachricht | Social Engineering über kompromittiertes Konto |
| 2 | VBScript-Datei | Primärer Dropper, getarnt als Finanzdokument |
| 3 | WScript.exe | Führt das VBScript aus (WhatsApp Desktop: automatisch) |
| 4 | Payload 1 | Manipuliert Windows UAC-Einstellungen |
| 5 | Payload 2 | Lädt ZIP mit ManageEngine RMM Central |
Die VBScript-Dateien enthalten umfangreiche chinesischsprachige Kommentare, die Windows-Update-Komponenten imitieren sollen, darunter Zertifikatsvalidierung und Systemintegritätsprüfungen. Bei WhatsApp Web muss das Opfer die Datei manuell herunterladen und öffnen. Bei WhatsApp Desktop wird die Malware direkt innerhalb der App ausgeführt: WhatsApp.Root.exe startet WScript.exe.
Das primäre VBScript lädt zwei sekundäre VBScript-Payloads von einem Remote-Server nach. Der erste Payload manipuliert die Windows User Account Control (UAC)-Einstellungen, der zweite lädt ein ZIP-Archiv herunter und führt es aus. Dieses enthält das ManageEngine RMM Central-Installationspaket.
Die C2-Infrastruktur läuft über die IP-Adresse 202.61.160.201. Kaspersky hat Überschneidungen mit früheren, mit EagleEye in Verbindung gebrachten Aktivitäten festgestellt.
Risiko für KMU und Betrieb
Die Kampagne ist besonders gefährlich, weil sie die Vertrauensbeziehung innerhalb von WhatsApp-Kontakten ausnutzt. Mitarbeiter sind es gewohnt, Dateien und Dokumente über WhatsApp auszutauschen. Ein Angreifer, der sich Zugang zu einem Konto verschafft hat, kann von dort aus gezielt Kontakte in der Finanzabteilung oder Geschäftsführung ansprechen.
Die Verwendung von ManageEngine RMM Central als finale Payload ist ein weiterer gefährlicher Aspekt. RMM-Tools haben per Design weitreichende Zugriffsrechte auf dem System. Ein Angreifer mit Kontrolle über das RMM-Tool kann Remote-Befehle ausführen, Software installieren und auf sensible Daten zugreifen. Da es sich um ein legitimes Tool handelt, wird es von Sicherheitslösungen nicht als Malware erkannt.
Für KMU ist das Risiko besonders hoch, da sie oft über weniger ausgefeilte Sicherheitsmaßnahmen verfügen als große Unternehmen. Die Kampagne zielt gezielt auf Geschäftsanwender und Finanzabteilungen ab.
Was Admins jetzt prüfen sollten
- Mitarbeiter sensibilisieren: Informieren Sie Ihre Mitarbeiter darüber, keine Skript-Dateien (.vbs, .vbe, .exe, .bat, .cmd, .js, .ps1) aus WhatsApp zu öffnen. Geschäftsdokumente werden nie als .vbs versendet.
- Windows Script Host deaktivieren: Deaktivieren Sie WSH wo nicht benötigt. Gruppenrichtlinie: Computerkonfiguration > Administrative Vorlagen > Windows-Komponenten > Windows-Installer > Windows Script Host deaktivieren. Registry: HKEY_LOCAL_MACHINE\SOFTWARE\Microsoft\Windows Script Host\Settings\Enabled = 0.
- UAC auf höchster Stufe belassen: Stellen Sie sicher, dass UAC auf Stufe 3 (Standard) konfiguriert ist. Der Angriff versucht gezielt, UAC herunterzustufen.
- AppLocker oder WDAC konfigurieren: Blockieren Sie die Ausführung von Skripten aus dem Downloads-Ordner. Erlauben Sie nur signierte Skripte von vertrauenswürdigen Herausgebern.
- EDR auf Prozessketten überwachen: Überwachen Sie die Prozesskette WhatsApp.Root.exe > WScript.exe > Netzwerkverbindungen. Unautorisierte ManageEngine-Installationen als Alarm werten.
- C2-IP blockieren: Blockieren Sie 202.61.160.201 auf Firewall und Proxy. Überwachen Sie ausgehende Verbindungen zu dieser IP.
- WhatsApp 2FA aktivieren: Aktivieren Sie Zwei-Faktor-Authentifizierung für WhatsApp Business und WhatsApp Desktop. Prüfen Sie regelmäßig aktive WhatsApp-Web-Sitzungen.
Betriebscheck nach der Meldung
- Habe ich meine Mitarbeiter über die aktuelle WhatsApp-Kampagne informiert?
- Ist Windows Script Host auf allen Clients deaktiviert oder eingeschränkt?
- Sind AppLocker- oder WDAC-Richtlinien aktiv, die Skriptausführung aus dem Downloads-Ordner blockieren?
- Wird die Prozesskette WhatsApp.Root.exe > WScript.exe überwacht?
- Ist die C2-IP 202.61.160.201 auf der Firewall blockiert?
- Habe ich unautorisierte RMM-Installationen im Monitoring?
- Ist 2FA für WhatsApp Business aktiviert?
Admin-Einschätzung
Die WhatsApp VBScript-Kampagne ist ein weiteres Beispiel für die zunehmende Professionalisierung von Social-Engineering-Angriffen. Die Kombination aus kompromittierten WhatsApp-Konten, getarnten VBScript-Dateien und der Installation eines legitimen RMM-Tools zeigt, dass die Angreifer tiefgehende Kenntnisse der Windows-Sicherheitsarchitektur und der menschlichen Psychologie haben.
Besonders besorgniserregend ist die Verwendung von ManageEngine RMM Central als finale Payload. RMM-Tools sind per Design für Remote-Administration ausgelegt und haben weitreichende Zugriffsrechte. Ein Angreifer mit Kontrolle über ein RMM-Tool kann praktisch uneingeschränkt auf dem System agieren. Da das Tool legitim ist, wird es von den meisten Sicherheitslösungen nicht als Bedrohung erkannt. Admins sollten die Installation von RMM-Software aktiv überwachen und nur autorisierte Installationen zulassen.
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