Zum Hauptinhalt springen
S-EDV news
← Alle News
Sicherheit & Datenschutz 27.07.2026 · 3 min Lesezeit

Certighost Exploit: Niedrig privilegierte AD-User können Domänen-Controller impersonieren

Der Certighost-Exploit (CVE-2026-54121) ermöglicht es einem gewöhnlichen AD-Benutzer, einen Domänen-Controller zu impersonieren. Öffentlicher PoC erhöht Druck auf Admins.

Certighost Exploit: Niedrig privilegierter Active Directory Nutzer imitiert einen Domänen Controller KI-generiert

Am 24. Juli 2026 veröffentlichten Sicherheitsforscher einen funktionierenden Proof-of-Concept-Exploit für eine Active-Directory-Schwachstelle, die jede Domäne gefährdet. Der Certighost-Exploit (CVE-2026-54121) erlaubt es einem beliebigen Domänen-Benutzer ohne Adminrechte, ein Domain-Controller-Zertifikat zu erlangen und die gesamte AD-Umgebung zu übernehmen. Ein vollständiges PoC ist öffentlich auf GitHub verfügbar.

Was ist passiert?

Die Forscher H0j3n und Aniq Fakhrul entdeckten eine Schwachstelle im Enrollment-Fallback-Mechanismus von Active Directory Certificate Services (AD CS). AD CS ist Microsofts eingebaute Public-Key-Infrastruktur, die X.509-Zertifikate für Verschlüsselung, Signatur und Authentifizierung in einer Domäne ausstellt.

Das Problem liegt in der sogenannten Chase-Funktion. Wenn eine Zertifikatsanfrage an einem Enrollment-Endpunkt fehlschlägt, kann AD CS auf alternative Endpunkte ausweichen. Certighost nutzt genau diese Fallback-Logik aus, um die Zertifizierungsstelle dazu zu bringen, ein Domain-Controller-Zertifikat an ein normales, nicht privillegiertes Benutzerkonto auszustellen.

Die Angriffskette im Detail

Der Angriff funktioniert in fünf Schritten:

  1. Schritt 1: Der Angreifer benötigt ein normales Domänen-Benutzerkonto. Keine Adminrechte, keine speziellen Gruppenmitgliedschaften, keine erhöhten Zugriffsrechte.
  2. Schritt 2: Der Angreifer sendet eine Zertifikatsanfrage an die AD CS-CA, die den Chase-Mechanismus auslöst.
  3. Schritt 3: AD CS prüft bei der Chase-Verarbeitung nicht ordnungsgemäß, ob das anfragende Konto mit dem Subjekt des ausgestellten Zertifikats übereinstimmt. Das Zertifikat wird mit Domain-Controller-Attributen ausgestellt.
  4. Schritt 4: Mit dem betrügerisch erlangten DC-Zertifikat authentifiziert sich der Angreifer über Kerberos PKINIT. Der KDC sieht ein gültiges DC-Zertifikat und stellt einen TGT mit Domain-Controller-Rechten aus.
  5. Schritt 5: Mit dem DC-TGT führt der Angreifer einen DCSync-Angriff durch, extrahiert die NTLM-Passwort-Hashes aller Konten einschließlich krbtgt und kann Golden Tickets fälschen.

Technische Details

Die Schwachstelle hat einen CVSS-Score von 8.8. Die technischen Details im Überblick:

  1. CVE-2026-54121, CVSS 8.8 (High)
  2. Betrifft die Chase-Verarbeitung in AD CS
  3. Der CA-Code vertraut dem im cdc-Attribut angegebenen Host, ohne zu prüfen, ob es sich um einen tatsächlichen Domain Controller handelt
  4. Ein Angreifer kann eigene SMB-, LDAP- und LSA-Dienste aufbauen und die CA darauf verweisen
  5. Über die Standard-Einstellung ms-DS-MachineAccountQuota kann jeder Benutzer bis zu 10 Maschinenkonten anlegen, die die Authentifizierungsprüfungen der CA bestehen
  6. Microsoft-Patch führt eine neue Validierungsfunktion _ValidateChaseTargetIsDC ein

Wer ist betroffen?

Betroffen sind alle Organisationen, die Active Directory Certificate Services einsetzen, insbesondere:

  1. Umgebungen mit aktivierten Chase-Fallback (EDITF_ENABLECHASECLIENTDC)
  2. Enterprise CAs, die Zertifikate für Domänen-Controller ausstellen
  3. Unternehmen mit Active Directory und PKI-Infrastruktur

Nicht betroffen: Umgebungen ohne AD CS oder mit deaktiviertem Chase-Mechanismus.

Was sollten Admins jetzt tun?

  1. Sofort patchen: Juli-2026-Sicherheitsupdates von Microsoft installieren (Patch Tuesday, 14. Juli 2026)
  2. Chase-Fallback deaktivieren: Als Überbrückungsmaßnahme: certutil -setreg policy\EditFlags -EDITF_ENABLECHASECLIENTDC und CertSvc-Dienst neu starten
  3. EDITF_ENABLECHASECLIENTDC auditieren: Prüfen, ob die Einstellung auf allen Enterprise CAs gesetzt ist
  4. AD CS auditieren: Mit Tools wie Certify oder Bloodhound nach potenziell missbräuchlichen Zertifikatsvorlagen suchen
  5. Logs prüfen: Nach unerwarteten Zertifikatsanfragen und Kerberos-PKINIT-Authentifizierungen suchen
  6. krbtgt-Hash zurücksetzen: Bei Verdacht auf Ausnutzung zweimal den krbtgt-Passwort-Hash zurücksetzen

Einordnung für Unternehmen

Certighost ist eine der gefährlichsten AD-CS-Schwachstellen seit Certified Pre-Owned (SpecterOps, 2021). Anders als ESC1 erfordert Certighost keine Fehlkonfiguration, sondern trifft korrekt konfigurierte AD-CS-Deployments. Jedes Unternehmen mit aktiver AD CS-Infrastruktur sollte den Juli-Patch sofort priorisieren.

Die Chase-Fallback-Deaktivierung ist ein schneller Workaround, unterbricht aber möglicherweise legitime Zertifikats-Workflows. Erst in einer Testumgebung validieren, dann produktiv ausspielen.

Passende Anleitungen auf S-EDV

  1. CISA KEV: Warum der Known Exploited Vulnerabilities Catalog für Admins Pflicht ist - Priorisierungshilfe für kritische Patches wie den Certighost-Fix.
  2. Microsoft Security Updates: Warum der monatliche Patch-Prozess sauber sein muss - Grundlagen für das Patch-Management beim monatlichen Patchday.

Quellen

  1. The Hacker News: Certighost Exploit (25.07.2026)
  2. SudoFlare: Certighost Exploit 2026 (24.07.2026)
  3. Dataminr: Public PoC Released for Certighost (24.07.2026)