Windows Server Backup einrichten und Wiederherstellung testen
Windows Server Backup als Bordmittel installieren, geplante Sicherungen einrichten und die Wiederherstellung – Dateiebene und Bare-Metal – praxisnah testen.

Windows Server Backup ist das Bordmittel von Windows Server 2022 und 2025, mit dem du ohne Drittanbieter-Software vollständige Server-Sicherungen, System-State-Backups und Bare-Metal-Recovery-Images erstellen kannst. Diese Anleitung zeigt dir, wie du das Feature installierst, ein lokales Volume oder eine Netzwerkfreigabe als Sicherungsziel einrichtest, einmalige und geplante Sicherungen konfigurierst – jeweils per GUI und per wbadmin-Befehlszeile – und wie du die Wiederherstellung auf Dateiebene sowie einen vollständigen Bare-Metal-Restore sauber testest.
Voraussetzungen
- Windows Server 2022 oder 2025 (Standard oder Datacenter), on-premises
- Mitglied der Gruppe Administratoren oder Backup Operators auf dem zu sichernden Server
- Erhöhte Eingabeaufforderung bzw. PowerShell als Administrator (UAC-Pflicht)
- Sicherungsziel: dediziertes lokales Volume (empfohlen, z. B.
D:) oder Netzwerkfreigabe (UNC-Pfad, z. B.\\BACKUPSRV\Backup) - Für Bare-Metal-Recovery-Test: Windows-Server-Installationsmedium (ISO oder DVD) mit passendem Build
- Ausreichend freier Speicher auf dem Zielvolume (Faustregel: 1,5× Größe der zu sichernden Daten)
Schritt 1: Feature installieren
Das Feature ist standardmäßig nicht aktiv. Installiere es entweder per PowerShell oder über den Server Manager.
PowerShell (empfohlen)
Öffne eine PowerShell-Konsole als Administrator und führe aus:
Install-WindowsFeature Windows-Server-Backup -IncludeManagementTools
Nach Abschluss sollte der Status Success angezeigt werden. Ein Neustart ist in der Regel nicht erforderlich.
GUI: Server Manager
- Server Manager öffnen → Verwalten → Rollen und Features hinzufügen
- Installationstyp: Rollenbasierte oder featurebasierte Installation
- Server auswählen → weiter bis Features
- Haken bei Windows Server-Sicherung setzen
- Installieren klicken, Fortschritt abwarten
Schritt 2: Windows Server-Sicherung öffnen
Nach der Installation stehen dir zwei Einstiegspunkte zur Verfügung:
- GUI: Server Manager → Extras → Windows Server-Sicherung (oder
wbsui.mscdirekt ausführen) - CLI: Eingabeaufforderung als Administrator →
wbadmin-Befehle
Starte die Konsole stets als Administrator, sonst erscheint ein UAC-Fehler und die Sicherungsliste bleibt leer.
Schritt 3: Einmalige Sicherung erstellen
Bevor du einen Zeitplan einrichtest, ist es sinnvoll, eine erste manuelle Sicherung durchzuführen und zu prüfen, ob Ziel und Berechtigungen korrekt sind.
Auf lokales Volume sichern (CLI)
wbadmin start backup -backupTarget:d: -allCritical
Der Parameter -allCritical sichert alle Volumes, die für eine Bare-Metal-Recovery benötigt werden (Systemvolume, Bootvolume). Mit dem optionalen Zusatz -systemstate wird außerdem der System State explizit eingeschlossen:
wbadmin start backup -backupTarget:d: -allCritical -systemstate
Auf Netzwerkfreigabe sichern (CLI)
wbadmin start backup -backupTarget:\\BACKUPSRV\Backup -allCritical -user:DOMAIN\BackupUser -password:DEIN-PASSWORT -noInheritAcl
Wichtig: Auf Netzwerkzielen erstellt Windows Server Backup ausschließlich Vollsicherungen. Jeder neue Lauf überschreibt die vorherige Sicherung im selben Ordner. Lege daher für jeden Server einen eigenen Unterordner an (z. B. \\BACKUPSRV\Backup\SRV01), um versehentliches Überschreiben zu verhindern.
GUI-Weg: Einmalige Sicherung
- Windows Server-Sicherung öffnen
- Im rechten Bereich Einmalsicherung klicken
- Sicherungsoptionen: Vollständiger Server oder Benutzerdefiniert wählen
- Sicherungszieltyp: Lokale Laufwerke oder Freigegebener Remoteordner
- Ziel auswählen, Zusammenfassung prüfen, Sicherung klicken
Schritt 4: Geplante Sicherung einrichten
Für den produktiven Betrieb richtest du einen täglichen Sicherungszeitplan ein. Windows Server Backup unterstützt dabei mehrere Sicherungszeitpunkte pro Tag.
CLI: Tägliche Sicherung um 09:00 und 18:00 Uhr auf lokales Volume
wbadmin enable backup -addtarget:d: -schedule:09:00,18:00 -allCritical
CLI: Tägliche Sicherung auf Netzwerkfreigabe (nur Vollsicherungen)
wbadmin enable backup -addtarget:\\BACKUPSRV\Backup -schedule:22:00 -user:DOMAIN\BackupUser -password:* -systemstate
Hinweis: Das Sternchen * als Passwort-Platzhalter fordert dich zur interaktiven Eingabe auf. In Skripten gibst du das Passwort direkt an oder nutzt eine Scheduled-Task-Lösung mit hinterlegten Credentials.
GUI: Sicherungszeitplan-Assistent
- Windows Server-Sicherung → Sicherungszeitplan (rechter Bereich)
- Konfigurationsoptionen: Vollständiger Server wählen (entspricht
-allCritical) - Sicherungshäufigkeit: einmal täglich oder mehrmals täglich, Uhrzeiten festlegen
- Zieltyp: Auf einem Volume sichern (dediziertes Volume, wird für Backup formatiert) oder In einem freigegebenen Netzwerkordner sichern
- Ziel auswählen, Bestätigung lesen (Das Volume wird für die ausschließliche Verwendung als Sicherungsziel dediziert), Fertig stellen
Nach dem Einrichten kannst du den Zeitplan prüfen:
wbadmin get backup
Inkrementelle vs. vollständige Sicherung
Auf lokalen Zielen erstellt Windows Server Backup standardmäßig nach 6 inkrementellen Läufen oder nach 14 Tagen automatisch eine neue Vollsicherung. Auf Netzwerkzielen ist ausschließlich eine Vollsicherung möglich – eine Inkrementalkette wird nicht unterstützt.
Schritt 5: Verfügbare Sicherungsversionen auflisten
Bevor du eine Wiederherstellung durchführst, verschaffst du dir einen Überblick über vorhandene Sicherungsversionen:
wbadmin get versions
Die Ausgabe zeigt dir Datum, Uhrzeit und verfügbare Elemente jeder Version. Notiere dir den Versions-Identifier im Format MM/DD/YYYY-HH:MM – er wird für alle Wiederherstellungsbefehle benötigt.
Welche Elemente eine bestimmte Version enthält, zeigt:
wbadmin get items -version:03/31/2026-09:00 -backupTarget:d:
Schritt 6: Dateiwiederherstellung testen
Dateiwiederherstellungen kannst du im laufenden Betrieb testen, ohne den Server neu starten zu müssen. Dieser Test sollte regelmäßig stattfinden – mindestens einmal nach Einrichtung des Backups und danach monatlich.
CLI: Einzelnen Ordner wiederherstellen
wbadmin start recovery -version:03/31/2026-09:00 -itemtype:File -items:d:\TestOrdner -recursive
Ohne weitere Parameter werden die Dateien in ihr ursprüngliches Verzeichnis zurückgeschrieben (nur wenn noch vorhanden und beschreibbar). Mit -overwrite:Overwrite überschreibst du vorhandene Dateien:
wbadmin start recovery -version:03/31/2026-09:00 -itemtype:File -items:d:\TestOrdner -recursive -overwrite:Overwrite
CLI: Gesamtes Volume wiederherstellen
wbadmin start recovery -version:03/31/2026-09:00 -itemtype:Volume -items:d:
GUI: Dateiwiederherstellung
- Windows Server-Sicherung → Lokale Sicherung → Menü Aktion → Wiederherstellen
- Server wählen: Dieser Server oder anderer Server
- Sicherungsdatum im Kalender wählen
- Wiederherstellungstyp: Dateien und Ordner
- Im Verzeichnisbaum den gewünschten Ordner oder die Datei auswählen
- Zielordner und Sicherheitsoptionen (überschreiben / kopieren / überspringen) festlegen
- Wiederherstellen klicken, Protokoll prüfen
Überprüfe nach dem Test, ob die wiederhergestellten Dateien inhaltlich intakt sind und die Berechtigungen korrekt gesetzt wurden.
Schritt 7: Bare-Metal-Recovery testen
Der BMR-Test ist der kritischste Teil dieser Anleitung. Er zeigt, ob du im Ernstfall den Server vollständig wiederherstellen kannst. Führe diesen Test auf einem Testsystem oder einer Hyper-V-VM durch – nicht auf dem Produktivsystem.
Voraussetzung: BMR-fähige Sicherung
Nur Sicherungen, die mit -allCritical oder der GUI-Option Vollständiger Server erstellt wurden, unterstützen Bare-Metal-Recovery. Eine reine -systemstate-Sicherung enthält keine Partitionsinformationen und ist für BMR nicht geeignet.
BMR über WinRE (Installationsmedium)
- Testsystem vom Windows-Server-Installationsmedium (ISO / DVD) booten
- Sprache wählen → Weiter
- Computer reparieren (unten links, nicht Jetzt installieren)
- Problembehandlung → Systemimage-Wiederherstellung
- Windows-Version auswählen
- Assistent öffnet sich: Sicherungsimage automatisch erkennen lassen oder Pfad zur Sicherung manuell angeben (Netzwerkfreigabe oder lokales Laufwerk)
- Wiederherstellungspunkt im Kalender wählen
- Optionen: Datenträger formatieren und neu partitionieren (für echten BMR notwendig), Laufwerkzuordnung prüfen
- Fertig stellen → Wiederherstellung abwarten (je nach Datenmenge 20–90 Minuten)
- System neu starten, Funktion prüfen
BMR per wbadmin (in WinRE-Umgebung)
Alternativ kannst du in der WinRE-Eingabeaufforderung direkt wbadmin nutzen:
wbadmin start sysrecovery -version:03/31/2026-09:00 -backupTarget:d:
Wichtig: Dieser Befehl funktioniert ausschließlich in der WinRE-Umgebung, nicht im laufenden Windows-Betrieb.
System State enthält
Der System State umfasst: Boot-Dateien, Registry, SYSVOL, Active Directory / NTDS (auf Domain Controllern), IIS Metadirectory, Cluster-Informationen und den Zertifikat-Store. Für Domain Controller ist die Sicherung des System State daher essenziell.
Troubleshooting
- Problem: Sicherung schlägt mit Fehlercode Nicht genügend Speicher fehl. Das Sicherungszielvolume (z. B. D:) darf nicht gleichzeitig in
-includeenthalten sein. Prüfe, ob-allCriticalund das Zielvolume identisch sind. - Problem: Netzwerksicherung überschreibt die einzige vorhandene Sicherung. Windows Server Backup hält auf UNC-Zielen nur eine Version vor. Lösung: Pro Server einen eigenen Unterordner verwenden, z. B.
\\BACKUPSRV\Backup\SRV01. - Problem: Inkrementelle Sicherung funktioniert nicht auf Netzwerkfreigabe. Inkrementelle Sicherungen werden auf UNC-Zielen nicht unterstützt – nur auf lokalen Volumes oder dedizierten VHDs.
- Problem: BMR-Test schlägt fehl, weil das Sicherungsimage nicht gefunden wird. Prüfe, ob das ISO-Abbild dem gleichen Build des gesicherten Servers entspricht und ob WinRE auf dem Medium verfügbar ist.
- Problem:
wbadminmeldet Zugriff verweigert. Stelle sicher, dass die Eingabeaufforderung oder PowerShell als Administrator gestartet wurde. - Problem: VSS-Fehler bei gleichzeitigem Drittanbieter-Backup.
-vssFullkann die VSS-Historie anderer Backup-Tools überschreiben. Verwende-vssCopyfür einmalige Sicherungen, wenn andere Tools inkrementelle VSS-Snapshots nutzen. - Problem: Netzwerk-Authentifizierung schlägt fehl. Stelle sicher, dass
-userund-passwordimmer zusammen mit dem UNC-Pfad angegeben werden. Format:DOMAIN\Benutzername(doppelter Backslash in der Eingabeaufforderung).
Häufige Fragen
Kann ich Windows Server Backup parallel zu einem Drittanbieter-Backup-Tool betreiben?
Ja, mit Einschränkungen. Verwende in diesem Fall den Parameter -vssCopy statt -vssFull bei manuellen Sicherungen. -vssFull setzt die VSS-Archivbit-Historie zurück und kann inkrementelle oder differentielle Sicherungen anderer Tools beschädigen. Der GUI-Standardwert ist in der Regel sicher.
Wie viele Sicherungsversionen werden auf einem lokalen Volume aufbewahrt?
Windows Server Backup verwaltet auf dedizierten lokalen Volumes automatisch einen rollierenden Versionsspeicher: Es werden so viele Versionen vorgehalten, wie der verfügbare Speicherplatz erlaubt. Alte Versionen werden automatisch gelöscht, wenn der Platz knapp wird. Auf Netzwerkzielen wird immer nur eine Version vorgehalten.
Muss ich bei einem Domain Controller besonders vorgehen?
Ja. Auf einem Domain Controller solltest du immer -allCritical -systemstate kombinieren, damit NTDS und SYSVOL gesichert werden. Bei einer Wiederherstellung eines DCs in einer Active-Directory-Umgebung ist außerdem ein Authoritative Restore oder Non-Authoritative Restore zu beachten – das ist ein eigenes Thema. Als Einstieg empfiehlt sich unsere Anleitung zu Active Directory-Domäne einrichten und Benutzer verwalten.
Kann ich Windows Server Backup auf eine Hyper-V-VM sichern und wiederherstellen?
Windows Server Backup sichert den Host-Server inklusive aller lokal gespeicherten Hyper-V-VMs, wenn -allCritical verwendet wird und die VM-Daten auf dem Systemvolume oder einem eingeschlossenen Volume liegen. Für granulare VM-Sicherungen (einzelne Checkpoints, Online-Sicherung per VSS) ist ein dediziertes Hyper-V-Backup-Produkt oder Windows Server Backup mit explizit eingeschlossenem Hyper-V-Volume besser geeignet. Mehr dazu in unserer Anleitung zu Hyper-V: Virtuelle Maschinen erstellen und Checkpoints verwalten.
Was ist der Unterschied zwischen Bare-Metal-Recovery und System State?
Eine Bare-Metal-Recovery-Sicherung (-allCritical) enthält alle für den Systemstart und Betrieb erforderlichen Volumes einschließlich Partitionstabelle und MBR/GPT. Damit kann ein vollständig leerer Server oder eine leere VM wiederhergestellt werden. Der System State (-systemstate) enthält nur die Betriebssystem-Konfigurationsdaten (Registry, AD, Zertifikate usw.), aber keine Disk-Layout-Informationen – er eignet sich für Konfigurationswiederherstellungen, nicht für BMR.
Ist Windows Server Backup ein vollständiger Ersatz für eine Backup-Lösung wie Microsoft 365 Backup?
Nein. Windows Server Backup ist ein reines On-Premises-Bordmittel ohne Cloud-Anbindung, ohne Deduplizierung und ohne zentralisiertes Management für mehrere Server. Für Microsoft-365-Daten (Exchange Online, SharePoint, Teams) benötigst du eine separate Lösung. Einen Einstieg bietet unsere Übersicht zu Microsoft 365 Backup: Grundlagen und Einrichten. Weitere Backup-Anleitungen findest du in unserer Backup-Kategorie.
Fazit
Windows Server Backup ist ein solides, kostenloses Bordmittel für On-Premises-Windows-Server. Mit wenigen Befehlen richtest du eine tägliche Vollsicherung inkl. Bare-Metal-Recovery ein. Entscheidend ist, dass du die Wiederherstellung regelmäßig testest – sowohl auf Dateiebene (im laufenden Betrieb möglich) als auch als BMR-Test auf einer Hyper-V-VM oder einem Testsystem. Erst ein erfolgreich getesteter Restore ist ein echtes Backup.
Beachte die wesentlichen Einschränkungen: Netzwerkziele unterstützen nur Vollsicherungen mit einer einzigen gespeicherten Version, und eine reine System-State-Sicherung reicht für BMR nicht aus. Für erweiterte Anforderungen (mehrere Server, Cloud-Ziele, Deduplizierung) lohnt sich der Blick auf kommerzielle Lösungen oder Azure Backup.
Weiterführende Anleitungen und Quellen
- Hyper-V: Virtuelle Maschinen erstellen und Checkpoints verwalten
- Active Directory-Domäne einrichten, Benutzer und OUs verwalten
- Microsoft 365 Backup: Grundlagen und Einrichten
- Alle Backup-Anleitungen auf s-edv.com
Offizielle Microsoft-Dokumentation: wbadmin start backup, wbadmin enable backup, wbadmin start recovery, wbadmin start sysrecovery.