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📘 Anleitung Windows Server 02.06.2026 · 9 min Lesezeit

Hyper-V: erste virtuelle Maschine erstellen und Checkpoints nutzen

So installieren Sie Hyper-V auf Windows Server 2022/2025, legen einen virtuellen Switch und eine VM der Generation 2 an, binden ein ISO ein und setzen Checkpoints sicher ein, jeweils im Hyper-V-Manager und per PowerShell.

Geprüft am 30.09.2026

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Hyper-V ist der in Windows Server 2022 und 2025 integrierte Hypervisor. Diese Anleitung zeigt, wie Sie die Hyper-V-Rolle installieren, einen virtuellen Switch und eine erste VM anlegen, ein ISO einbinden und Checkpoints gezielt für Rollbacks einsetzen, jeweils im Hyper-V-Manager und per PowerShell.

Voraussetzungen

  • Windows Server 2022 oder 2025 (Standard oder Datacenter) auf physischer Hardware
  • 64-Bit-Prozessor mit SLAT (Second Level Address Translation) und aktivierter Hardware-Virtualisierung im BIOS/UEFI (Intel VT-x oder AMD-V)
  • Mindestens 4 GB RAM auf dem Host; für mehrere VMs deutlich mehr (RAM aller VMs plus Reserve für den Host)
  • Lokales Administratorkonto oder Domänen-Admin
  • ISO-Datei des Gastbetriebssystems (z. B. Windows Server 2025 Evaluation)
  • Speicherplatz für VHDX-Dateien, empfohlen auf einem separaten Volume statt C:

Verifizieren: Führen Sie in einer PowerShell systeminfo aus. Unter „Hyper-V-Anforderungen“ müssen alle Einträge (u. a. Adressübersetzung der zweiten Ebene, Virtualisierung in Firmware aktiviert) „Ja“ zeigen. Steht dort „Es wurde ein Hypervisor erkannt“, ist Hyper-V bereits aktiv.

Schritt 1: Hyper-V-Rolle installieren

Beide Wege führen zum selben Ergebnis und erfordern einen Neustart.

GUI: Server-Manager

  1. Verwalten > Rollen und Features hinzufügen
  2. Installationstyp: Rollenbasierte oder featurebasierte Installation
  3. Zielserver: lokalen Server auswählen
  4. Rolle Hyper-V anhaken und im Dialog Features hinzufügen bestätigen (installiert die Verwaltungstools)
  5. Auf der Seite zu virtuellen Switches können Sie bereits einen physischen Adapter für einen externen Switch wählen, oder Sie legen ihn in Schritt 2 an
  6. Bis Installieren durchklicken; der Server startet neu

PowerShell

# Hyper-V-Rolle inkl. Verwaltungstools installieren (als Administrator, startet neu)
Install-WindowsFeature -Name Hyper-V -IncludeManagementTools -Restart

Verifizieren: Nach dem Neustart zeigt Get-WindowsFeature Hyper-V in der Spalte „Install State“ den Wert Installed.

Schritt 2: Virtuellen Switch anlegen

Virtuelle Switches steuern, wie VMs mit dem Netzwerk kommunizieren:

TypKommunikationTypischer Einsatz
ExternVM ↔ Host ↔ physisches NetzwerkProduktions-VMs mit LAN-Zugriff
InternVM ↔ Host (kein physisches LAN)Testumgebungen mit Host-Zugriff
PrivatNur VM ↔ VMIsolierte Lab-Netze

GUI: Hyper-V-Manager

  1. Hyper-V-Manager öffnen (Server-Manager > Tools oder virtmgmt.msc)
  2. Rechts: Manager für virtuelle Switches
  3. Typ Extern auswählen > Virtuellen Switch erstellen
  4. Name ExternalSwitch, physischen Adapter zuweisen und die Option anhaken, dass das Verwaltungsbetriebssystem den Adapter gemeinsam nutzen darf
  5. OK: Eine kurze Netzwerkunterbrechung auf dem Host ist normal. Arbeiten Sie per RDP, planen Sie diese Unterbrechung ein.

PowerShell

# Adapternamen ermitteln
Get-NetAdapter

# Externen Switch anlegen (Adapternamen anpassen)
New-VMSwitch -Name ExternalSwitch -NetAdapterName 'Ethernet' -AllowManagementOS $true

# Internen bzw. privaten Switch
New-VMSwitch -Name InternalSwitch -SwitchType Internal
New-VMSwitch -Name PrivateSwitch -SwitchType Private

Verifizieren: Get-VMSwitch listet den Switch mit dem richtigen SwitchType; der Host erreicht das Netzwerk weiterhin (z. B. Test-NetConnection 1.1.1.1).

Schritt 3: Erste VM erstellen

Für neue VMs empfiehlt Microsoft Generation 2: UEFI-Firmware, Secure Boot, kein Legacy-BIOS. Generation 1 brauchen Sie nur für Gastsysteme ohne UEFI-Unterstützung. Die Generation lässt sich nach dem Anlegen nicht mehr ändern.

GUI: Hyper-V-Manager

  1. Neu > Virtueller Computer
  2. Name, z. B. TestVM; Speicherort auf einem Datenvolume festlegen
  3. Generation: Generation 2
  4. Startspeicher, z. B. 4096 MB; dynamischen Arbeitsspeicher nach Bedarf aktivieren
  5. Netzwerk: ExternalSwitch
  6. Neue virtuelle Festplatte anlegen, z. B. 60 GB (die VHDX wird dynamisch erweiterbar angelegt)
  7. Installationsoptionen: Installation aus einer startfähigen Imagedatei wählen und das ISO angeben
  8. Fertig stellen

PowerShell

# VM Generation 2, 4 GB RAM, dynamische VHDX (60 GB), am externen Switch
New-VM -Name TestVM `
       -MemoryStartupBytes 4GB `
       -Generation 2 `
       -NewVHDPath D:\VMs\TestVM.vhdx `
       -NewVHDSizeBytes 60GB `
       -SwitchName ExternalSwitch

Dynamischen Arbeitsspeicher nachträglich konfigurieren (VM muss ausgeschaltet sein):

# Min 1 GB, Start 2 GB, Max 4 GB, Puffer 20 %
Set-VMMemory -VMName TestVM `
             -DynamicMemoryEnabled $true `
             -MinimumBytes 1GB `
             -StartupBytes 2GB `
             -MaximumBytes 4GB `
             -Buffer 20
Hinweis zu dynamischem Arbeitsspeicher: Exchange Server unterstützt keinen dynamischen Arbeitsspeicher. Bei Datenbankservern setzen Sie das Minimum so hoch, dass der Dienst unter Last nicht ausgebremst wird, oder nutzen festen Arbeitsspeicher.

Verifizieren: Get-VM -Name TestVM | Select-Object Name, Generation, State, MemoryStartup zeigt Generation 2 und den Zustand Off.

Schritt 4: ISO einbinden und Betriebssystem installieren

Haben Sie das ISO bereits im Assistenten angegeben, prüfen Sie nur die Startreihenfolge. Generation-2-VMs haben kein IDE-Laufwerk; das DVD-Laufwerk hängt am SCSI-Controller.

GUI

  1. VM auswählen > Einstellungen
  2. Unter SCSI-Controller ein DVD-Laufwerk hinzufügen
  3. Im DVD-Laufwerk Imagedatei wählen, Pfad zum ISO angeben, OK
  4. Unter Firmware das DVD-Laufwerk vor die Festplatte setzen
  5. Für Linux-Gäste unter Sicherheit die Secure-Boot-Vorlage „Microsoft UEFI-Zertifizierungsstelle“ wählen

PowerShell

# ISO als DVD-Laufwerk einbinden
Add-VMDvdDrive -VMName TestVM -Path D:\ISO\Server2025.iso

# DVD-Laufwerk als erstes Startgerät setzen
$DVDDrive = Get-VMDvdDrive -VMName TestVM
Set-VMFirmware -VMName TestVM -FirstBootDevice $DVDDrive

# Nur für Linux-Gäste: Secure-Boot-Vorlage umstellen
Set-VMFirmware -VMName TestVM -SecureBootTemplate MicrosoftUEFICertificateAuthority

# VM starten und Konsole öffnen
Start-VM -Name TestVM
vmconnect localhost TestVM

Drücken Sie in der Konsole sofort eine Taste, wenn „Press any key to boot from CD or DVD“ erscheint; sonst versucht die VM einen Netzwerkstart. Die Installation läuft danach wie auf physischer Hardware.

Verifizieren: Get-VMFirmware -VMName TestVM | Select-Object -ExpandProperty BootOrder zeigt das DVD-Laufwerk an erster Stelle, und die Konsole zeigt das Setup des Gastsystems.

Schritt 5: Checkpoints erstellen und verwalten

Checkpoints (früher „Snapshots“, im deutschen Hyper-V-Manager „Prüfpunkte“) speichern den Zustand einer VM zu einem Zeitpunkt. Hyper-V kennt zwei Typen:

TypDatenkonsistenzArbeitsspeicherzustandEinsatz
StandardNicht anwendungskonsistentJa (RAM wird gespeichert)Tests, Entwicklung
ProduktionAnwendungskonsistent (VSS im Windows-Gast, Dateisystem-Freeze im Linux-Gast)Nein (VM startet nach Wiederherstellung ausgeschaltet)Produktive VMs

Standardeinstellung neuer VMs ist Produktion mit Rückfall auf Standard, falls der Produktions-Checkpoint scheitert. Für Server mit Datenbanken oder Active Directory verwenden Sie ausschließlich Produktions-Checkpoints.

GUI: Checkpoint erstellen

  1. VM rechtsklicken > Prüfpunkt (in der VM-Konsole alternativ Strg+N)
  2. Der Checkpoint erscheint im mittleren Bereich unter Prüfpunkte
  3. Per Rechtsklick > Umbenennen einen sprechenden Namen vergeben

PowerShell: Checkpoint erstellen

# Checkpoint-Typ prüfen und auf Produktion setzen
Get-VM -Name TestVM | Select-Object Name, CheckpointType
Set-VM -Name TestVM -CheckpointType Production

# Checkpoint mit eigenem Namen erstellen
Checkpoint-VM -Name TestVM -SnapshotName 'BeforeUpdate'

# Vorhandene Checkpoints auflisten
Get-VMCheckpoint -VMName TestVM

Verifizieren: Get-VMCheckpoint -VMName TestVM listet den Checkpoint; die Spalte „SnapshotType“ zeigt bei Produktions-Checkpoints Production. Steht dort Standard, war der Rückfall aktiv (siehe Troubleshooting).

Schritt 6: Checkpoint wiederherstellen und löschen

GUI: Wiederherstellen

  1. Im Bereich Prüfpunkte den Checkpoint rechtsklicken > Anwenden
  2. Hyper-V bietet an, vorher einen Checkpoint des aktuellen Zustands zu erstellen. Wählen Sie diese Option, wenn Sie den aktuellen Zustand behalten wollen.

PowerShell: Wiederherstellen und löschen

# Checkpoint wiederherstellen (aktueller Zustand geht verloren)
Restore-VMCheckpoint -VMName TestVM -Name 'BeforeUpdate' -Confirm:$false

# Nach Produktions-Checkpoint ist die VM aus: wieder starten
Start-VM -Name TestVM

# Checkpoint löschen (Hyper-V führt die AVHDX im Hintergrund zusammen)
Remove-VMCheckpoint -VMName TestVM -Name 'BeforeUpdate'

# Alle Checkpoints einer VM löschen
Get-VMCheckpoint -VMName TestVM | Remove-VMCheckpoint
Wichtig: AVHDX-Dateien. Jeder Checkpoint erzeugt eine differenzierende Festplatte (.avhdx). Löschen Sie diese Dateien nie manuell im Dateisystem. Nur der Hyper-V-Manager bzw. Remove-VMCheckpoint führt sie in die übergeordnete VHDX zurück. Manuelles Löschen zerstört die Checkpoint-Kette und führt zu Datenverlust.

Verifizieren: Nach dem Löschen listet Get-VMCheckpoint -VMName TestVM nichts mehr, und Get-VMHardDiskDrive -VMName TestVM | Select-Object Path zeigt wieder auf die .vhdx statt auf eine .avhdx.

Checkpoint-Speicherort konfigurieren

Die AVHDX-Dateien liegen immer neben der VHDX der VM; legen Sie deshalb schon die VHDX auf ein Volume mit ausreichend Platz. Die Konfigurationsdateien der Checkpoints speichert Hyper-V standardmäßig unter C:\ProgramData\Microsoft\Windows\Hyper-V\Snapshots. Diesen Pfad ändern Sie in den VM-Einstellungen unter Verwaltung > Prüfpunkte, z. B. auf D:\VMs\TestVM.

Troubleshooting

  • VM startet nicht, Fehlermeldung zur Virtualisierung: Hardware-Virtualisierung im BIOS/UEFI aktivieren und mit systeminfo die Hyper-V-Anforderungen prüfen (siehe Voraussetzungen).
  • Install-WindowsFeature schlägt fehl: PowerShell als Administrator starten. Prüfen Sie mit whoami /groups | findstr /i admin, ob das Konto zur Administratorengruppe gehört.
  • Gen-2-VM zeigt „No operating system was loaded“ oder startet per PXE: Beim Start keine Taste gedrückt oder DVD nicht an erster Stelle. Startreihenfolge prüfen und beim Hinweis „Press any key“ sofort eine Taste drücken.
  • Linux-Gast startet nicht, Secure-Boot-Fehler: Secure-Boot-Vorlage auf „Microsoft UEFI-Zertifizierungsstelle“ umstellen (Schritt 4).
  • AVHDX wächst, Speicher läuft voll: Zu lange Checkpoint-Kette. Nicht mehr benötigte Checkpoints über Hyper-V-Manager oder Remove-VMCheckpoint löschen. Das Zusammenführen kann bei großen Disks lange dauern; Host dabei nicht neu starten.
  • Produktions-Checkpoint wird als Standard-Checkpoint erstellt: Der Rückfall ist aktiv, weil VSS im Gast gescheitert ist (Integrationsdienste, Dienst „Hyper-V-Volumeschattenkopie-Anforderer“ im Gast prüfen). Mit Set-VM -Name TestVM -CheckpointType ProductionOnly schlägt der Checkpoint stattdessen mit Fehlermeldung fehl.
  • VM hat kein Netzwerk: Get-VMNetworkAdapter -VMName TestVM zeigt den zugewiesenen Switch. Nachträglich verbinden mit Connect-VMNetworkAdapter -VMName TestVM -SwitchName ExternalSwitch.
  • VM-Dateien liegen auf C:, Systemlaufwerk fast voll: Nicht benötigte Checkpoints löschen, dann den gesamten VM-Speicher im laufenden Betrieb verschieben mit Move-VMStorage -VMName TestVM -DestinationStoragePath D:\VMs\TestVM. Dateien nie per Explorer verschieben.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Generation 1 und Generation 2?

Generation 1 nutzt Legacy-BIOS und emulierte IDE-Controller für ältere Gastsysteme. Generation 2 nutzt UEFI, unterstützt Secure Boot und startet schneller. Sie setzt ein 64-Bit-Gastsystem ab Windows Server 2012 bzw. Windows 8 oder eine aktuelle Linux-Distribution voraus.

Ersetzen Checkpoints ein Backup?

Nein. Checkpoints liegen auf demselben Speicher wie die VM und gehen bei einem Host- oder Speicherausfall mit ihr verloren. Für Sicherungen nutzen Sie Windows Server Backup oder eine Backup-Software, siehe Windows Server Backup einrichten und Wiederherstellung.

Wie viele Checkpoints sollten Sie aufbewahren?

So wenige wie möglich, idealerweise zwei bis drei in der Kette. Jede AVHDX wächst mit den Schreibvorgängen; lange Ketten verschlechtern die Leistung und verlängern das Zusammenführen.

Wann setzen Sie einen Checkpoint?

Vor Updates, Konfigurationsänderungen oder Softwaretests: Checkpoint setzen, Änderung durchführen, testen und bei Erfolg den Checkpoint löschen. Lassen Sie Checkpoints nicht dauerhaft bestehen.

Was passiert beim Löschen einer VM mit Checkpoints?

Hyper-V entfernt die VM aus der Verwaltung, die VHDX- und AVHDX-Dateien bleiben auf dem Datenträger liegen. Löschen Sie Checkpoints vor dem Entfernen der VM, wenn Sie die Festplatte weiterverwenden wollen, und räumen Sie danach den VM-Ordner auf.

Dynamisch erweiterbare oder feste VHDX?

Eine feste VHDX belegt sofort die volle Größe und liefert gleichmäßigere Leistung; eine dynamische wächst mit den Daten. Beide Typen lassen sich in einer VM mischen. AVHDX-Dateien von Checkpoints sind immer dynamisch und können bis zur Größe der virtuellen Festplatte wachsen; planen Sie diesen Platz ein.

Fazit

Hyper-V ist in Windows Server 2022/2025 ohne Zusatzsoftware nutzbar. Den Hyper-V-Manager nutzen Sie für Einzelaktionen, PowerShell für wiederholbare Abläufe. Halten Sie Checkpoint-Ketten kurz, legen Sie VHDX und AVHDX auf ein Datenvolume und verwenden Sie Checkpoints nur als kurzlebige Rollback-Punkte neben einem echten Backup.

Weiterführende Anleitungen und Quellen

Microsoft-Dokumentation auf learn.microsoft.com: Install Hyper-V on Windows Server, Should I create a generation 1 or 2 virtual machine in Hyper-V?, Choose between standard or production checkpoints in Hyper-V, New-VM.