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📘 Anleitung Windows Server 02.06.2026 · 9 min Lesezeit

Hyper-V: erste virtuelle Maschine erstellen und Checkpoints nutzen

Hyper-V auf Windows Server 2022/2025 einrichten, erste VM anlegen und Checkpoints sicher einsetzen – mit GUI und PowerShell.

Serverraum im Rechenzentrum als Sinnbild fuer Docker-Container-Monitoring mit cAdvisor und Prometheus

Hyper-V ist die in Windows Server 2022 und 2025 integrierte Hypervisor-Plattform für On-Premises-Virtualisierung. Diese Anleitung zeigt dir, wie du die Hyper-V-Rolle aktivierst, virtuelle Switches und eine erste VM anlegst, ein Betriebssystem-ISO mountest und Checkpoints gezielt für Rollbacks einsetzt. Alle Schritte werden sowohl über den Hyper-V-Manager (GUI) als auch per PowerShell beschrieben, sodass du den für deine Umgebung passenden Weg wählen kannst.

Voraussetzungen

  • Windows Server 2022 oder 2025 (Standard oder Datacenter), installiert auf physischer Hardware
  • 64-Bit-Prozessor mit SLAT (Second Level Address Translation) – prüfen im Task-Manager unter Leistung > CPU > Virtualisierung (muss „Aktiviert” anzeigen)
  • Hardware-Virtualisierung im BIOS/UEFI aktiviert (Intel VT-x oder AMD-V)
  • Mindestens 4 GB RAM auf dem Host (empfohlen: 16 GB oder mehr für mehrere VMs)
  • Lokales Administrator-Konto oder Domänen-Admin mit entsprechenden Rechten
  • ISO-Datei des Gastbetriebssystems (z. B. Windows Server 2025 Evaluation)
  • Ausreichend Speicherplatz für VHDX-Dateien (empfohlen: separates Volume, nicht C:)

Schritt 1: Hyper-V-Rolle installieren

Du hast zwei gleichwertige Wege: Server Manager (GUI) oder PowerShell. Das Ergebnis ist identisch – beide erfordern einen Neustart.

GUI: Server Manager

Öffne den Server Manager und folge diesem Pfad:

  1. Verwalten > Rollen und Features hinzufügen
  2. Installationstyp: Rollenbasierte oder featurebasierte Installation
  3. Zielserver: lokalen Server auswählen
  4. Rollen: Haken bei Hyper-V setzen; im Dialog auf Features hinzufügen klicken (installiert automatisch die Verwaltungstools)
  5. Auf der Seite „Virtuelle Switches” kannst du bereits einen physischen Adapter für den externen Switch auswählen
  6. Durchklicken bis Installieren – Server startet danach neu

PowerShell

# Hyper-V-Rolle inkl. Verwaltungstools installieren (erfordert Admin, loest Neustart aus)
Install-WindowsFeature -Name Hyper-V -IncludeManagementTools -Restart

Nach dem Neustart Installation prüfen:

Get-WindowsFeature Hyper-V

Die Ausgabe sollte InstallState: Installed zeigen.

Schritt 2: Virtuellen Switch anlegen

Virtuelle Switches steuern, wie VMs mit dem Netzwerk kommunizieren. Es gibt drei Typen:

TypKommunikationTypischer Einsatz
ExternVM ↔ Host ↔ physisches NetzwerkProduktions-VMs mit LAN-Zugriff
InternVM ↔ Host (kein physisches LAN)Testumgebungen mit Host-Zugriff
PrivatNur VM ↔ VMIsolierte Lab-Netze

GUI: Hyper-V-Manager

  1. Hyper-V-Manager öffnen (über Server Manager oder virtmgmt.msc)
  2. Rechts: Manager für virtuelle Switches
  3. Typ Extern auswählen > Virtuellen Switch erstellen
  4. Name: ExternalSwitch; physischen Adapter (z. B. Ethernet) zuweisen; Haken bei Gemeinsame Nutzung dieses Netzwerkadapters für das Verwaltungsbetriebssystem zulassen
  5. OK – kurze Netzwerkunterbrechung auf dem Host ist normal

PowerShell

# Externen Switch anlegen (Adapter-Name anpassen)
New-VMSwitch -Name ExternalSwitch -NetAdapterName 'Ethernet' -AllowManagementOS $true

# Internen Switch
New-VMSwitch -Name InternalSwitch -SwitchType Internal

# Privaten Switch
New-VMSwitch -Name PrivateSwitch -SwitchType Private

Den genauen Adapternamen ermittelst du mit Get-NetAdapter.

Schritt 3: Erste VM erstellen

Für neue VMs empfiehlt Microsoft Generation 2: UEFI-Firmware, Secure Boot, kein Legacy-BIOS. Generation 1 nur für sehr alte Gastsysteme, die kein UEFI unterstützen.

GUI: Hyper-V-Manager

  1. Hyper-V-Manager > Neu > Virtueller Computer
  2. Name: z. B. TestVM; Speicherort festlegen (nicht C: empfohlen)
  3. Generation: Generation 2 auswählen
  4. Startspeicher: z. B. 4096 MB; optional Dynamischen Arbeitsspeicher aktivieren
  5. Netzwerk: ExternalSwitch auswählen
  6. Virtuelle Festplatte: neue VHDX anlegen, z. B. C:\VMs\TestVM.vhdx, Größe 60 GB (dynamisch)
  7. Installationsoptionen: Betriebssystem von einer startfähigen CD/DVD-ROM installieren > ISO-Datei auswählen
  8. Fertigstellen

PowerShell

# VM Generation 2 erstellen, 4 GB RAM, dynamische VHDX (60 GB), externen Switch verbinden
New-VM -Name TestVM `
       -MemoryStartupBytes 4GB `
       -Generation 2 `
       -NewVHDPath C:\VMs\TestVM.vhdx `
       -NewVHDSizeBytes 60GB `
       -SwitchName ExternalSwitch

Dynamischen Arbeitsspeicher nachträglich konfigurieren (wenn gewünscht):

# Dynamischer Speicher: Min 1 GB, Start 2 GB, Max 4 GB, Puffer 20 %
Set-VMMemory -VMName TestVM `
             -DynamicMemoryEnabled $true `
             -MinimumBytes 1GB `
             -StartupBytes 2GB `
             -MaximumBytes 4GB `
             -Buffer 20
Hinweis zu dynamischem Speicher: Für Dienste wie SQL Server, Exchange oder Domain Controller solltest du keinen dynamischen Speicher verwenden. Diese Anwendungen reagieren empfindlich auf Speicheränderungen zur Laufzeit und können dadurch instabil werden.

Schritt 4: ISO mounten und Betriebssystem installieren

Bei Generation-2-VMs gibt es kein IDE-Laufwerk – stattdessen ein SCSI-DVD-Laufwerk.

GUI

  1. VM in Hyper-V-Manager auswählen > Einstellungen
  2. Unter SCSI-Controller: DVD-Laufwerk hinzufügen
  3. Im DVD-Laufwerk: Imagedatei > Pfad zur ISO-Datei angeben > OK
  4. Startreihenfolge prüfen: unter Firmware sicherstellen, dass das DVD-Laufwerk vor der Festplatte steht

PowerShell

# ISO-Datei als DVD-Laufwerk einbinden
Add-VMDvdDrive -VMName TestVM -Path C:\ISO\Server2025.iso

# Startreihenfolge prüfen
Get-VMFirmware -VMName TestVM | Select-Object -ExpandProperty BootOrder

# DVD-Laufwerk an erste Stelle setzen
$DVDDrive = Get-VMDvdDrive -VMName TestVM
Set-VMFirmware -VMName TestVM -FirstBootDevice $DVDDrive

Jetzt die VM starten und im Hyper-V-Manager per Verbinden die Konsole öffnen. Die OS-Installation läuft wie auf physischer Hardware ab.

# VM starten
Start-VM -Name TestVM

# Konsole öffnen (startet vmconnect)
vmconnect localhost TestVM

Schritt 5: Checkpoints erstellen und verwalten

Checkpoints (früher „Snapshots”) speichern den Zustand einer VM zu einem bestimmten Zeitpunkt. Hyper-V kennt zwei Typen:

TypDatenkonsistenzMemory-StateVM-Zustand bei Erstellung
StandardCrash-konsistentJa (RAM gespeichert)VM läuft oder ist gestoppt
ProduktionVSS/Freeze (datenkonsistent)NeinVM muss laufen, Dienste werden eingefroren

Der Standardtyp in Hyper-V ist Produktions-Checkpoint. Für die meisten Workloads ist das die richtige Wahl. Standard-Checkpoints eignen sich nur für Testumgebungen ohne Anforderung an Datenkonsistenz.

GUI: Checkpoint erstellen

  1. Hyper-V-Manager > VM rechtsklicken > Prüfpunkt (oder Tastenkürzel Strg+N in der VM-Konsole)
  2. Der Checkpoint erscheint im unteren Bereich des Hyper-V-Managers unter Prüfpunkte
  3. Checkpoint umbenennen: rechtsklicken > Umbenennen

PowerShell: Checkpoint erstellen

# Checkpoint-Typ prüfen
Get-VM -Name TestVM | Select-Object Name, CheckpointType

# Checkpoint-Typ auf Produktion setzen (Standardwert, empfohlen)
Set-VM -Name TestVM -CheckpointType Production

# Checkpoint-Typ auf Standard setzen (nur fuer Testumgebungen)
Set-VM -Name TestVM -CheckpointType Standard

# Checkpoint erstellen
Checkpoint-VM -Name TestVM

# Checkpoint mit eigenem Namen erstellen
Checkpoint-VM -Name TestVM -SnapshotName 'BeforeUpdate-2026-06-02'

# Vorhandene Checkpoints auflisten
Get-VMCheckpoint -VMName TestVM

# Checkpoint umbenennen
Rename-VMCheckpoint -VMName TestVM -Name 'Checkpoint1' -NewName 'BeforeUpdate'

Schritt 6: Checkpoint wiederherstellen und löschen

GUI: Wiederherstellen

  1. Hyper-V-Manager > VM auswählen > im unteren Bereich den Checkpoint rechtsklicken
  2. Anwenden – Hyper-V fragt, ob du vor dem Anwenden einen neuen Checkpoint erstellen möchtest (empfohlen: Prüfpunkt erstellen und anwenden)
  3. Die VM wird auf den Zustand des gewählten Checkpoints zurückgesetzt

PowerShell: Wiederherstellen und Löschen

# VM stoppen (Produktions-Checkpoint kann auch im Betrieb angewendet werden,
# aber Neustart ist empfohlen)
Stop-VM -Name TestVM

# Checkpoint wiederherstellen
Restore-VMCheckpoint -Name 'BeforeUpdate' -VMName TestVM -Confirm:$false

# VM danach wieder starten
Start-VM -Name TestVM

# Checkpoint loeschen (Disk-Merge wird im Hintergrund ausgefuehrt)
Remove-VMCheckpoint -VMName TestVM -Name 'BeforeUpdate'

# Alle Checkpoints einer VM loeschen
Get-VMCheckpoint -VMName TestVM | Remove-VMCheckpoint
Wichtig – AVHDX-Dateien: Jeder Checkpoint erzeugt eine differenzielle Festplattendatei (.avhdx). Diese Dateien darf man niemals manuell aus dem Dateisystem löschen. Nur der Hyper-V-Manager bzw. Remove-VMCheckpoint führt den notwendigen Merge zurück in die Parent-VHDX durch. Manuelles Löschen beschädigt die Checkpoint-Kette und macht die VM unbrauchbar.

Checkpoint-Speicherort konfigurieren

Standardmäßig landen Checkpoints im selben Ordner wie die VHDX. Du solltest den Speicherort auf ein Volume mit ausreichend Kapazität legen – nicht auf C:.

  1. Hyper-V-Manager > VM-Einstellungen > Verwaltung > Prüfpunkte
  2. Speicherort anpassen, z. B. auf D:\Checkpoints\TestVM

Troubleshooting

  • Problem: VM startet nicht, Fehlermeldung zur Virtualisierung. Hardware-Virtualisierung im BIOS/UEFI prüfen. Im Task-Manager unter Leistung > CPU muss Virtualisierung: Aktiviert stehen. Außerdem SLAT prüfen: systeminfo in einer Admin-PowerShell ausführen und nach „Hyper-V-Anforderungen” suchen.
  • Problem: Install-WindowsFeature schlägt fehl. PowerShell-Konsole muss als Administrator ausgeführt werden. Fehlermeldung ohne Admin ist oft nichtssagend. Mit whoami /groups | findstr Admin prüfen.
  • Problem: AVHDX wächst unkontrolliert, Speicher voll. Zu viele Checkpoints in der Kette aufgebaut. Nicht mehr benötigte Checkpoints konsequent über den Hyper-V-Manager löschen. Der Merge-Prozess läuft automatisch, aber er kann bei großen Disks lang dauern – VM dabei nicht beenden.
  • Problem: Produktions-Checkpoint schlägt fehl und erstellt Standard-Snapshot. In den VM-Einstellungen unter Verwaltung > Prüfpunkte prüfen, ob der Fallback auf Standard aktiv ist. Mit Set-VM -Name TestVM -CheckpointType ProductionOnly erzwingst du, dass nur Produktions-Checkpoints erlaubt sind und kein stiller Fallback stattfindet.
  • Problem: VM hat nach Erstellung keine Netzwerkverbindung. Prüfen, ob ein virtueller Switch zugewiesen wurde: Get-VMNetworkAdapter -VMName TestVM. Switch nachträglich verbinden: Connect-VMNetworkAdapter -VMName TestVM -SwitchName ExternalSwitch.
  • Problem: OS-Installation startet nicht vom ISO. Startreihenfolge in den VM-Einstellungen unter Firmware prüfen – DVD-Laufwerk muss an erster Stelle stehen. Außerdem sicherstellen, dass das ISO tatsächlich eingebunden ist.
  • Problem: Checkpoint-Speicherort liegt auf C:, Systemlaufwerk ist fast voll. Checkpoint-Pfad in den VM-Einstellungen auf ein anderes Volume umstellen. Bestehende AVHDX-Dateien müssen dazu über den Hyper-V-Manager exportiert und neu eingebunden werden – niemals per Datei-Explorer verschieben.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Generation 1 und Generation 2?

Generation 1 nutzt Legacy-BIOS und emulierte IDE-Controller – gut für ältere Gastsysteme. Generation 2 verwendet UEFI-Firmware, unterstützt Secure Boot und ist erheblich schneller beim Boot. Für alle neuen Windows-Server-VMs ab Windows Server 2012 R2 sowie Windows 8.1 und neuer solltest du stets Generation 2 wählen.

Kann ich Checkpoints als Backup ersetzen?

Nein. Checkpoints sind kein Backup-Ersatz. Sie liegen auf denselben physischen Disks wie die VM. Bei einem Host-Ausfall oder Datenverlust auf dem Speicher gehen alle Checkpoints zusammen mit der VM verloren. Für echte Sicherungen nutze Windows Server Backup oder eine dedizierte Backup-Lösung. Mehr dazu in unserer Anleitung zum Windows Server Backup einrichten und Wiederherstellung.

Wie viele Checkpoints sollte ich aufbewahren?

So wenige wie möglich – idealerweise nicht mehr als 2–3 in der Kette. Jeder Checkpoint erzeugt eine AVHDX-Differencing-Disk, die bei weiteren Schreibvorgängen wächst. Eine lange Checkpoint-Kette degradiert die I/O-Performance erheblich und verlängert den Merge-Prozess beim Löschen auf mehrere Stunden.

Wann sollte ich einen Checkpoint setzen?

Typische Einsatzfälle: vor dem Einspielen von Updates, vor Konfigurationsänderungen, vor dem Testen neuer Software. Checkpoint kurz vorher setzen, Änderung durchführen, testen – bei Erfolg den Checkpoint löschen. Checkpoint nicht dauerhaft offen lassen.

Was passiert, wenn ich eine VM mit offenem Checkpoint löschen will?

Hyper-V lässt das Löschen einer VM zu, aber die AVHDX-Dateien und der Checkpoint-Ordner können Reste hinterlassen. Checkpoints vor dem Löschen der VM immer erst selbst entfernen, damit der Merge sauber abgeschlossen wird.

Kann ich dynamische und feste VHDX mischen?

Ja, aber bei festen VHDXs (Fixed Size) ist Vorsicht geboten: Die AVHDX-Differencing-Disk kann beim Checkpoint auf die volle Größe der Parent-VHDX anwachsen. Mit dynamischen VHDXs bleibt der tatsächliche Speicherbedarf geringer. In Produktionsumgebungen mit hohen I/O-Anforderungen werden feste VHDXs wegen besserer Performance bevorzugt – dann aber ausreichend Speicher für Checkpoints einplanen.

Fazit

Mit Hyper-V auf Windows Server 2022/2025 hast du eine vollständige Virtualisierungsplattform direkt im Betriebssystem integriert. Die Kombination aus Hyper-V-Manager und PowerShell ermöglicht flexible Verwaltung: GUI für schnelle Einzelaktionen, PowerShell für Automatisierung und Skripting. Halte die Checkpoint-Kette kurz, speichere VHDX und AVHDX auf einem dedizierten Volume und verwende Checkpoints ausschließlich als kurzlebige Rollback-Punkte – nicht als Backup. Mit diesen Grundregeln läuft deine Hyper-V-Umgebung stabil und wartungsarm.

Weiterführende Anleitungen und Quellen

Offizielle Microsoft-Dokumentation: Install Hyper-V in Windows and Windows Server, New-VM (Hyper-V) PowerShell, Using checkpoints in Hyper-V – alle auf learn.microsoft.com.