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📘 Anleitung Windows Server 17.06.2026 · 9 min Lesezeit

Windows LAPS mit Entra ID und Intune: Lokale Adminpasswörter sicher verwalten

Windows LAPS rotiert lokale Administratorpasswörter auf allen Windows-Clients automatisch und speichert sie sicher in Entra ID – ausrollbar via Intune ohne zusätzliche Software. Lateral-Movement-Angriffe verlieren damit ihre wichtigste Grundlage.

Moderne IT Grafik zu Windows LAPS mit Entra ID und Intune zur sicheren Verwaltung lokaler Administratorpasswörter auf Windows Geräten.

Jeder Windows-Client hat einen lokalen Administrator – und in vielen Umgebungen lautet das Passwort auf jedem Gerät gleich. Genau das machen sich Angreifer bei Lateral-Movement- und Pass-the-Hash-Angriffen zunutze: Ein kompromittiertes Gerät reicht, um sich im gesamten Netzwerk auszubreiten. Windows LAPS (Local Administrator Password Solution) löst dieses Problem, indem es jedem Gerät ein eigenes, zeitlich begrenztes Passwort verpasst und dieses sicher in Microsoft Entra ID speichert. Seit April 2023 ist LAPS nativ in Windows eingebaut – kein separates Tool, kein MSI-Paket, kein Schema-Update für reine Cloud-Umgebungen. Diese Anleitung zeigt dir, wie du Windows LAPS in einer Entra-ID- und Intune-Umgebung in rund 45 Minuten produktionsreif ausrollst.

Voraussetzungen

  1. Windows-Client: Windows 11 ab 21H2 mit April-2023-Kumulativupdate (KB5025224) oder Windows 11 23H2+ (LAPS nativ); Windows 10 ab April-2023-Update; Windows Server 2019/2022 mit April-2023-Patch oder Windows Server 2025 nativ
  2. Geräteverbindung: Geräte müssen vollständig Entra-joined oder Hybrid-joined sein – reine „Workplace Joined“ (Entra Registered) Geräte werden nicht unterstützt
  3. Microsoft Entra ID: Beliebige Lizenz (Free genügt) für die LAPS-Grundfunktion; Entra ID P1/P2 nur für Custom Roles und Administrative Units
  4. Microsoft Intune: Intune-Lizenz für das zentrale Management (alternativ GPO/Registry für Hybrid-Joined-Szenarien)
  5. Entra-ID-Rollen: Zum Einrichten: Global Administrator oder Intune Administrator; zum Passwort-Abruf: Cloud Device Administrator oder Intune Administrator
  6. PowerShell: Windows LAPS PowerShell-Modul ist nativ integriert (kein separater Download); Microsoft Graph PowerShell für API-basierten Abruf optional

Schritt 1: LAPS auf Tenant-Ebene in Entra ID aktivieren

Dieser Schritt muss genau einmal pro Tenant durchgeführt werden, bevor ein einziges Gerät sein Passwort hochladen kann. Ohne diese Aktivierung schlägt die Passwortübertragung vom Client mit einem Fehler fehl – ein häufiger Fallstrick beim ersten Rollout.

Öffne das Entra Admin Center unter https://entra.microsoft.com und navigiere zu:

Entra ID > Devices > Overview > Device settings

Setze die Einstellung „Enable Local Administrator Password Solution (LAPS)“ auf Yes und klicke auf Save.

Alternativ lässt sich die Aktivierung über die Microsoft Graph API durchführen:

PATCH https://graph.microsoft.com/beta/policies/deviceRegistrationPolicy

Body:
{
  "localAdminPassword": {
    "isEnabled": true
  }
}

Verifizieren: Lade die Device-Settings-Seite neu – die LAPS-Einstellung muss auf „Yes“ stehen. Erst dann kann mit der Richtlinienerstellung fortgefahren werden.

Schritt 2: Intune-Richtlinie erstellen

Die LAPS-Konfiguration wird in Intune unter „Endpoint Security“ gepflegt, nicht unter „Device Configuration“. Der verwendete Windows LAPS CSP hat die höchste Priorität und überschreibt GPO- sowie Legacy-LAPS-Konfigurationen.

Öffne das Intune Admin Center unter https://intune.microsoft.com und navigiere zu:

Endpoint security > Account protection > Create Policy

Wähle folgende Optionen:

  1. Platform: Windows
  2. Profile: Local admin password solution (Windows LAPS)

Die empfohlene Basiskonfiguration für reine Entra-ID-Umgebungen sieht wie folgt aus:

EinstellungEmpfohlener WertHinweis
Backup DirectoryMicrosoft Entra ID (1)Wert 2 = on-prem AD; nie beides gleichzeitig
Password Age Days30Min. 7 Tage bei Entra ID; Max. 365
Password Length14Min. 8; Max. 64; ignoriert wenn Passphrase aktiv
Password Complexity4 (Groß+Klein+Zahlen+Sonderz.)Werte 5–8 nur Win11 24H2+ / Server 2025
Administrator Account Name(leer)Leer = Built-in Admin per RID; Konto muss bereits existieren
Post-Auth Reset Delay24 Stunden0 = Post-Auth-Aktionen deaktiviert
Post-Auth Actions3 (Reset + Abmelden)Automatische Rotation nach Admin-Sitzung

Unter Assignments die Richtlinie ausschließlich an Gerätegruppen zuweisen – niemals an Benutzergruppen. Bei benutzergruppenbasierter Zuweisung ändert sich die LAPS-Konfiguration bei jedem Benutzerwechsel und kann zu Konflikten führen.

Verifizieren: Die Richtlinie erscheint unter „Endpoint security > Account protection“ mit Status „Enabled“. In der Zuweisungsübersicht sind ausschließlich Gerätegruppen sichtbar.

Schritt 3: Policy-Verarbeitung auf dem Client anstoßen

Nach dem Zuweisen der Richtlinie synchronisiert Intune die Einstellungen beim nächsten Check-in-Zyklus (normalerweise innerhalb von 8 Stunden). Für einen sofortigen Test kannst du die Policy-Verarbeitung auf dem Zielgerät manuell auslösen:

# PowerShell auf dem Zielgerät als Administrator ausführen:
Invoke-LapsPolicyProcessing

Den Erfolg prüfst du anschließend im Windows-Ereignisprotokoll:

# Letzte 10 LAPS-Ereignisse anzeigen:
Get-WinEvent -LogName "Microsoft-Windows-LAPS/Operational" | Select-Object -First 10

Relevante Event-IDs im Überblick:

Event IDBedeutung
10029Passwort erfolgreich in Entra ID gespeichert
10027Fehler beim Passwort-Upload (z. B. LAPS auf Tenant-Ebene nicht aktiviert)
20000CSP-Warnung (häufig bei Autopilot-Geräten in der Initialisierungsphase)

Verifizieren: Event ID 10029 im Protokoll „Microsoft-Windows-LAPS/Operational“ bestätigt, dass das Passwort erfolgreich in Entra ID hinterlegt wurde.

Schritt 4: Passwort abrufen

Es gibt drei Wege, das aktuelle LAPS-Passwort abzurufen. Welchen du wählst, hängt von deinem Workflow und den verfügbaren Berechtigungen ab.

Variante A: Intune Admin Center

Der einfachste Weg für den Helpdesk-Alltag:

Intune Admin Center:
Devices > All Devices > [Gerät auswählen] > Monitor > Local admin password > Show

Variante B: Entra Admin Center

Entra Admin Center:
Entra ID > Devices > Overview > Local administrator password recovery

Variante C: PowerShell via Microsoft Graph

# Microsoft Graph PowerShell installieren (einmalig):
Install-Module Microsoft.Graph -Scope AllUsers

# Anmelden:
Connect-MgGraph -TenantId "DEINE-TENANT-ID" -ClientId "DEINE-APP-ID"

# Passwort-Metadaten abrufen (benötigt: DeviceLocalCredential.ReadBasic.All):
Get-LapsAADPassword -DeviceIds "GeraeteName"

# Passwort im Klartext abrufen (benötigt: DeviceLocalCredential.Read.All):
Get-LapsAADPassword -DeviceIds "GeraeteName" -IncludePasswords -AsPlainText

Welche Entra-Rolle für den Passwort-Abruf benötigt wird, zeigt die folgende Übersicht:

Entra-RollePasswort (Klartext)Metadaten
Cloud Device AdministratorJaJa
Intune AdministratorJaJa
Helpdesk AdministratorNeinJa
Security AdministratorNeinJa
Security ReaderNeinJa
Custom Role (P1/P2)KonfigurierbarKonfigurierbar

Schritt 5: Passwort manuell rotieren

Nach einer administrativen Fernwartungssitzung oder einem Sicherheitsvorfall sollte das Passwort sofort rotiert werden. Dafür stehen zwei Wege bereit:

Variante A: PowerShell direkt auf dem Gerät

# Als lokaler Administrator auf dem Zielgerät:
Reset-LapsPassword

Variante B: Intune Admin Center (Remote)

Devices > All Devices > [Gerät] > ... (Ellipsis-Menü) > Rotate local admin password

Hinweis: Die Remote-Rotation über Intune schlägt fehl, wenn das Gerät zum Zeitpunkt der Anfrage offline ist. In diesem Fall führt das Gerät die Rotation beim nächsten Intune-Check-in automatisch durch.

Schritt 6: Audit-Logs auswerten

Jeder Passwort-Abruf und jede Rotation wird automatisch in den Entra-Audit-Logs protokolliert. Das ist wichtig für Compliance-Anforderungen und die Nachvollziehbarkeit im Sicherheitsvorfall.

Entra Admin Center:
Entra ID > Devices > Overview > Audit logs

Relevante Activity-Filter:
  "Update device local administrator password"   → Passwort wurde rotiert
  "Recover device local administrator password"  → Passwort wurde abgerufen

Die Logs enthalten den Zeitstempel, den Ausführenden (UPN) und das betroffene Gerät – ausreichend für ein vollständiges Aktivitätsprotokoll ohne zusätzliches SIEM.

Vollständige Policy-Einstellungen (Referenz)

Die folgende Tabelle zeigt alle konfigurierbaren LAPS-Parameter mit Standardwerten und Plattformbeschränkungen:

EinstellungStandardMinMaxPlattformbeschränkung
BackupDirectory0 (Deaktiviert)021=Entra, 2=AD
PasswordAgeDays30 Tage7 (Entra) / 1 (AD)365
PasswordLength14 Zeichen864Ignoriert bei Passphrase
PasswordComplexity418Werte 5–8 nur Win11 24H2+ / Server 2025
PassphraseLength6 Wörter310Nur Win11 24H2+ / Server 2025
PostAuthResetDelay24 Stunden024 h0 = PostAuthActions deaktiviert
PostAuthenticationActions3 (Reset+Abmelden)111Wert 11 nur Win11 24H2+ / Server 2025
AdministratorAccountNameBuilt-in Admin (RID)Konto muss bereits existieren
AutomaticAccountManagementFalseNur Win11 24H2+ / Server 2025

Die Registry-Pfade für die CSP-gesetzten Werte (zur Diagnose auf dem Client) lauten:

HKLM\Software\Microsoft\Policies\LAPS
  BackupDirectory    = 1   (DWORD)
  PasswordAgeDays    = 30  (DWORD)
  PasswordLength     = 14  (DWORD)
  PasswordComplexity = 4   (DWORD)

Troubleshooting / Typische Fehler

Event 10027: Passwort-Upload schlägt fehl

Der häufigste Fehler beim ersten Rollout. Ursache ist fast immer, dass LAPS auf Tenant-Ebene noch nicht aktiviert wurde. Prüfe im Entra Admin Center unter „Device settings“, ob die LAPS-Einstellung auf „Yes“ steht.

Richtlinie wird als „Conflict“ angezeigt

Erhält ein Gerät zwei konkurrierende LAPS-Richtlinien, werden beide als „Conflict“ markiert und keine davon angewendet – das Passwort wird in diesem Fall auch nicht gesichert. Lösung: Überschneidungen in den Gerätegruppenzuweisungen beseitigen und sicherstellen, dass jedes Gerät nur eine LAPS-Richtlinie erhält.

Benutzerdefiniertes Konto existiert nicht

Windows LAPS erstellt das verwaltete Konto nicht selbst. Wird ein benutzerdefinierter Kontoname konfiguriert, muss das Konto separat über den Accounts CSP (oder ein Intune-Skript) angelegt werden, bevor LAPS es verwalten kann.

PasswordComplexity 5–8 wird ignoriert

Werte für Passphrasen und erweiterte Komplexitätsstufen funktionieren ausschließlich auf Windows 11 24H2+ und Windows Server 2025. Ältere Systeme fallen ohne Fehlermeldung auf den Default-Wert 4 zurück. Empfehlung: Separate Richtlinien für ältere und neue Betriebssystemversionen erstellen.

Remote-Rotation schlägt fehl

Die manuelle Passwort-Rotation über das Intune-Portal funktioniert nur, wenn das Gerät online ist. Bei offline Geräten erfolgt die Rotation automatisch beim nächsten Intune-Check-in. Das Passwort im Portal bleibt bis dahin gültig und lesbar.

Gerät gelöscht – Passwort verloren

Nach der Löschung eines Geräts in Entra ID ist das gespeicherte LAPS-Passwort unwiederbringlich verloren. Es gibt keinen Recovery-Weg. Bei geplanter Geräteausmusterung das Passwort vorher notieren, falls noch lokaler Zugriff benötigt wird.

Legacy-LAPS-MSI blockiert

Ab Windows 11 23H2 ist das alte Legacy-Microsoft-LAPS-MSI-Paket blockiert. Falls noch Legacy-LAPS-Installationen im Einsatz sind, müssen diese vor dem Upgrade auf 23H2 auf Windows LAPS migriert werden.

Häufige Fragen

Brauche ich für Windows LAPS eine bezahlte Entra-Lizenz?

Nein. Für die reine LAPS-Funktion mit Entra-ID-Backup genügt Microsoft Entra ID Free. Entra ID P1 oder P2 ist nur erforderlich, wenn du Custom Roles für granulare Passwort-Zugriffsberechtigungen oder Administrative Units nutzen möchtest.

Muss ich Microsoft Intune verwenden?

Nein – Intune ist nicht zwingend erforderlich. Für Hybrid-Joined-Geräte kann LAPS auch über Gruppenrichtlinien konfiguriert werden (das ADMX-Template aus %windir%\PolicyDefinitions\LAPS.admx muss manuell in den SYSVOL Central Store kopiert werden). Intune bietet jedoch zentrales Management, Monitoring und die manuelle Passwort-Rotation direkt aus dem Portal.

Kann ich das Passwort gleichzeitig in Entra ID und Active Directory sichern?

Nein. Windows LAPS unterstützt nur ein Backup-Verzeichnis gleichzeitig. Bei Hybrid-Joined-Geräten muss zwischen Entra ID und on-premises AD gewählt werden.

Was passiert bei Richtlinien-Konflikten?

Erhält ein Gerät zwei LAPS-Richtlinien mit widersprüchlichen Einstellungen, werden beide als „Conflict“ markiert und keine angewendet. Das Passwort wird dann nicht gesichert. Abhilfe schafft das Bereinigen der Gruppenüberschneidungen in den Richtlinienzuweisungen.

Werden LAPS-Passwörter über Entra Connect synchronisiert?

Nein. Die Synchronisation von LAPS-Attributen aus on-premises AD nach Entra ID via Entra Connect ist kein unterstütztes Szenario. Entra-ID-basiertes LAPS kommuniziert vollständig direkt vom Gerät per HTTPS mit Entra ID – ohne Entra Connect.

Fazit

Windows LAPS ist eine der wirkungsvollsten Sicherheitsmaßnahmen, die du in einer Windows-Umgebung mit minimalem Aufwand einführen kannst. Der technische Rollout – Tenant-Aktivierung, Intune-Richtlinie, Zuweisung an Gerätegruppen – ist in unter einer Stunde erledigt. Was danach bleibt, ist ein erheblich kleineres Angriffsfenster für Lateral-Movement-Angriffe: Jedes Gerät hat ein einzigartiges, rotierendes lokales Adminpasswort, jeder Abruf wird protokolliert, und der Helpdesk kann Passwörter gezielt abrufen, ohne Domänen-Adminrechte zu benötigen.

Besonders für KMU, die bereits auf Intune und Entra ID setzen, ist der ROI enorm: Keine zusätzliche Lizenz, keine zusätzliche Software, kein Schema-Update – lediglich eine Richtlinie und ein Klick in den Device Settings. Wer noch Legacy-LAPS im Einsatz hat, sollte die Migration spätestens vor dem nächsten Upgrade auf Windows 11 23H2 abschließen, da das alte MSI-Paket dort blockiert wird.

Als logische Ergänzung zu LAPS empfehlen sich MFA und Conditional Access in Entra ID sowie das Absichern von Admin-Konten mit Pflicht-MFA und Break-Glass-Notfallkonten. Wer Privileged-Access-Management weiterdenken möchte, findet in Entra PIM für Just-in-Time-Adminrechte den nächsten konsequenten Schritt. Für BitLocker-Recovery-Keys gilt übrigens eine sehr ähnliche Logik – die Anleitung BitLocker Recovery-Keys sicher verwalten zeigt, wie beides zusammenspielt.

Weiterführende Anleitungen und Quellen

  1. Microsoft 365: MFA und Conditional Access in Entra ID einrichten
  2. Microsoft 365 Admin absichern: Pflicht-MFA 2026 und Break-Glass-Notfallkonten
  3. Entra Privileged Identity Management (PIM): Just-in-Time-Adminrechte für KMU
  4. BitLocker im Betrieb richtig ausrollen: Recovery-Keys sicher verwalten
  5. Windows LAPS Übersicht – Microsoft Learn (offizielle Dokumentation)
  6. Windows LAPS mit Microsoft Entra ID verwenden – Microsoft Entra Doku
  7. Intune-Richtlinien für Windows LAPS bereitstellen – Microsoft Intune Doku