netcup VPS-Snapshots: Offline- vs. Online-Snapshot, Export und Wiederherstellung
Nur Offline-Snapshots lassen sich bei netcup exportieren. Ohne Export gibt es kein echtes Offsite-Backup. Die Anleitung zeigt den Ablauf: Snapshot erstellen, als .raw.zst exportieren, dekomprimieren, in qcow2 konvertieren und wiederherstellen.
Geprüft am 29.09.2026
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Das netcup Server Control Panel bietet eine Snapshot-Funktion, die auf den ersten Blick unkompliziert wirkt. Der entscheidende Haken: Nur Offline-Snapshots lassen sich exportieren und damit wirklich extern sichern. Wer stattdessen Online-Snapshots erstellt, hat zwar eine Momentaufnahme auf dem Host, aber kein echtes Offsite-Backup. Diese Anleitung erklärt, warum das wichtig ist, wie Sie systematisch einen exportierbaren Offline-Snapshot erstellen, die exportierte Datei dekomprimieren, optional in qcow2 konvertieren und denselben Snapshot später auf einem beliebigen eigenen netcup-Server wiederherstellen.
Voraussetzungen
- Aktiver netcup VPS mit Zugang zum Server Control Panel (SCP)
- Zugang zum Customer Control Panel (CCP) für die Buchung zusätzlicher Exporte
- Linux-System (lokal, NAS oder anderer Server) mit ausreichend freiem Speicher für die Dekomprimierung – mindestens so viel wie die volle Disk-Größe des VPS (z. B. 256 GB bei einem 256-GB-VPS)
zstdauf dem Verarbeitungssystem installiert (apt install zstdbzw.dnf install zstd)qemu-utils/qemu-imgfür die qcow2-Konvertierung (nur bei Re-Import oder Archivierung nötig)- Stabiles Netzwerk; bei großen Dateien empfohlen:
tmux- oderscreen-Session - Kein ISO-Image als CD-ROM/DVD im SCP eingebunden – dieses muss vorher ausgeworfen werden
Schritt 1: Offline- vs. Online-Snapshot verstehen
Bevor Sie im SCP etwas anklicken, sollten Sie den zentralen Unterschied kennen. Die folgende Tabelle fasst zusammen, wann welcher Typ sinnvoll ist:
| Merkmal | Offline-Snapshot | Online-Snapshot |
|---|---|---|
| Server-Zustand | Ausgeschaltet | Laufend |
| Exportierbar | Ja | Nein |
| Datenkonsistenz | Garantiert | Nicht garantiert |
| Datenverlust-Risiko | Minimal | Möglich bei gleichzeitigen Schreibvorgängen |
| Downtime während Erstellung | Kein (bereits aus) | Server mehrere Minuten unerreichbar |
| Local Block Storage | Verfügbar | Nicht verfügbar |
| Empfohlen für Backups | Ja | Nein |
Die Konsequenz ist klar: Für ein echtes externes Backup kommt nur der Offline-Snapshot in Frage. Snapshots, die nicht exportiert wurden, liegen auf demselben Host-System wie der VPS. Bei einem Hardware- oder RAID-Ausfall auf dem netcup-Host können diese Snapshots zusammen mit dem VPS verloren gehen. Ein Snapshot ist kein RAID-Ersatz und kein Offsite-Backup, solange er nicht exportiert und extern aufbewahrt wird.
Verifizieren: Sie können für Ihren Server benennen, welchen Snapshot-Typ Sie brauchen: Für ein externes Backup oder einen Umzug ist es der Offline-Snapshot. Nutzt der Server Local Block Storage, steht ohnehin nur dieser zur Verfügung.
Schritt 2: Server herunterfahren und Offline-Snapshot erstellen
Melden Sie sich im SCP an und wählen Sie den gewünschten Server aus.
- Öffnen Sie die Server-Übersicht und klicken Sie auf „Shutdown“ (geordnetes Herunterfahren). Warten Sie, bis der Status „Offline“ anzeigt.
- Öffnen Sie im linken Menü Media → Snapshots.
- Vergeben Sie einen aussagekräftigen Namen, z. B.
backup-2026-06-13-vor-update, und eine Beschreibung. - Wählen Sie im Dropdown den Typ „Offline“.
- Klicken Sie auf „Create“ und warten Sie, bis der Snapshot den Status „Ready“ erreicht.
Wichtig: Ist ein ISO-Image als CD-ROM/DVD eingebunden, schlägt die Snapshot-Erstellung fehl. Werfen Sie das ISO-Image vorher unter Media → DVD Drive aus.
Verifizieren: Der neu erstellte Snapshot erscheint in der Liste unter Media → Snapshots mit dem Status „Ready“ und dem Typ „Offline“.
Schritt 3: Snapshot exportieren
Klicken Sie in der Snapshot-Liste auf „Export“ neben dem soeben erstellten Offline-Snapshot. Danach erscheint die Schaltfläche „Download“. Laden Sie die Datei direkt im Browser herunter oder kopieren Sie den Link (eine zeitlich begrenzte, vorab signierte Download-Adresse, „Pre-Signed URL“) und laden Sie die Datei damit auf Ihr externes System herunter.
# Download mit Fortschrittsanzeige (empfohlen bei großen Dateien)
curl --progress-bar -L "https://presigned-download-url-vom-scp..." -o snapshot.raw.zstDie heruntergeladene Datei hat die Endung .raw.zst – ein zstd-komprimiertes Raw-Disk-Image. Die komprimierte Datei ist trotz großer VPS-Disk oft überraschend klein:
| Phase | Format | Typische Größe (256-GB-VPS) | Hinweis |
|---|---|---|---|
| Export aus SCP | .raw.zst | ~4–5 GB | zstd-komprimiert |
| Nach Dekomprimierung | .raw | 256 GB | Volle Disk-Größe, unabhängig von Belegung |
| Nach qcow2-Konvertierung | .qcow2 | ~7 GB | Nur belegte Blöcke; ideal für Archivierung |
| Re-Import in SCP | .raw oder .qcow2 | beliebig | .raw.zst wird nicht akzeptiert |
Kontingent: Ein einmaliger Export pro Server ist inklusive. Ist er verbraucht, buchen Sie im CCP unter Produkte über die Lupe vor dem jeweiligen Server und den Punkt Snapshot weitere Exporte hinzu. Die aktuellen Konditionen nennt das CCP bei der Buchung.
Verifizieren: Der Download schließt ohne Fehlermeldung ab. ls -lh snapshot.raw.zst zeigt eine deutlich kleinere Datei als die VPS-Disk-Größe.
Schritt 4: Snapshot dekomprimieren
Bevor Sie die Datei weiterverarbeiten oder reimportieren können, müssen Sie sie dekomprimieren. Stellen Sie sicher, dass auf dem Verarbeitungssystem mindestens so viel freier Speicher vorhanden ist wie die volle Disk-Größe des VPS – die .raw-Datei wächst unabhängig von der tatsächlichen Belegung auf die volle Disk-Größe an.
# zstd installieren (Ubuntu/Debian)
apt install -y zstd
# zstd installieren (AlmaLinux/Rocky)
dnf install -y zstd
# Variante 1: Datei bereits heruntergeladen
zstd -d snapshot.raw.zst -o snapshot.raw
# Variante 2: Download und Dekomprimierung in einem Schritt (spart Zwischenspeicher)
curl --progress-bar -L "https://presigned-download-url-vom-scp..." | zstd -do snapshot.rawVerifizieren: ls -lh snapshot.raw zeigt die volle Disk-Größe des VPS (z. B. 256 GB). Mit file snapshot.raw sollte der Typ als „DOS/MBR boot sector“ oder ähnliches identifiziert werden.
Schritt 5: Optional – Raw-Image in qcow2 konvertieren
Für die Langzeitarchivierung oder den Re-Import bei netcup ist das qcow2-Format deutlich effizienter: Es speichert nur die tatsächlich belegten Blöcke und kann je nach Belegungsgrad von 256 GB auf wenige Gigabyte schrumpfen. Der Re-Import im SCP akzeptiert sowohl .raw als auch .qcow2 – aber niemals direkt .raw.zst.
# qemu-utils installieren (Ubuntu/Debian)
apt install -y qemu-utils
# qemu-img installieren (AlmaLinux/Rocky)
dnf install -y qemu-img
# Konvertierung raw -> qcow2 mit Fortschrittsanzeige
qemu-img convert -p -O qcow2 snapshot.raw snapshot.qcow2
# Ergebnis prüfen
qemu-img info snapshot.qcow2Verifizieren: qemu-img info snapshot.qcow2 gibt „format: qcow2“ aus. Die „disk size“ (tatsächlich belegt) ist deutlich kleiner als die „virtual size“ (volle Disk-Größe).
Hinweis für große Uploads: Bei qcow2-Dateien ab etwa 40 GB kann der Upload zurück zu netcup 12 Stunden und länger dauern. Führen Sie den Upload unbedingt in einer tmux- oder screen-Session aus.
Schritt 6: Snapshot als Custom Image reimportieren und Wiederherstellung
Exportierte Snapshots erscheinen automatisch unter Media → Images → Custom Images auf allen eigenen netcup-Servern. Falls Sie eine lokal bearbeitete oder externe Datei zurückspielen möchten, erzeugen Sie zunächst unter Media → Images → Custom image upload eine Upload-URL im SCP.
Option A: Snapshot-Datei per Pre-Signed URL hochladen
# Upload-URL erzeugen: SCP -> Media -> Images -> Custom image upload
# Dann:
curl --progress-bar '<presigned_upload_url>' --upload-file snapshot.qcow2 | catOption B: Bereits exportierter Snapshot direkt wiederherstellen
- Wechseln Sie im SCP zur Ziel-Server-Instanz (kann ein anderer eigener Server sein).
- Öffnen Sie Media → Images → Custom Images.
- Wählen Sie den gewünschten Snapshot aus und klicken Sie auf „Install“ bzw. „Reinstall“.
- Bestätigen Sie den Vorgang – der Server wird mit dem Snapshot-Image neu aufgesetzt.
- Passen Sie nach dem Neustart die Netzwerkkonfiguration an (IP-Adresse, Netzwerkinterfaces), falls der Snapshot von einem anderen Server stammt.
Voraussetzung: Die Disk des Ziel-Servers muss mindestens so groß sein wie die belegte Partition des Quell-Servers. Eine kleinere Disk führt zu einem fehlgeschlagenen Import.
Verifizieren: Der Server startet nach dem Reinstall und ist per SSH erreichbar. df -h und hostname bestätigen, dass das erwartete System wiederhergestellt wurde.
Troubleshooting / Typische Fehler
„Export“-Schaltfläche ist ausgegraut oder fehlt
Nur Offline-Snapshots können exportiert werden. Prüfen Sie, ob der Snapshot-Typ tatsächlich „Offline“ ist. Online-Snapshots haben keine Export-Funktion – es gibt keine Ausnahme.
Snapshot-Erstellung schlägt fehl
Häufige Ursache: Ein ISO-Image ist als CD-ROM/DVD eingebunden. Öffnen Sie Media → DVD Drive, werfen Sie das ISO aus und versuchen Sie es erneut. Die Online-Snapshot-Funktion steht für Volumes mit Local Block Storage grundsätzlich nicht zur Verfügung.
„No boot device found“ nach Re-Import
Das passiert fast immer, wenn die .raw.zst-Datei direkt hochgeladen wurde. netcup akzeptiert beim Upload nur raw, qcow und qcow2. Dekomprimieren Sie die Datei mit zstd -d und laden Sie dann .raw oder das konvertierte .qcow2 hoch.
Import schlägt fehl: Disk zu klein
Der Ziel-Server hat eine kleinere Disk als die belegte Partition des Quell-Servers. Verkleinern Sie entweder die Partition vor dem Snapshot oder wählen Sie einen Ziel-Server mit ausreichend großer Disk.
Kein freier Speicher beim Dekomprimieren
Die dekomprimierte .raw-Datei entspricht immer der vollen Disk-Größe des VPS. Verwenden Sie die Pipe-Variante (curl ... | zstd -do), wenn kein doppelter Speicherplatz vorhanden ist.
Netzwerk funktioniert nach Wiederherstellung nicht
Wenn Sie einen Snapshot auf einem anderen Server einspielen, sind Interface-Namen und IP-Adressen unter Umständen anders. Passen Sie /etc/network/interfaces bzw. die Netplan-Konfiguration (/etc/netplan/*.yaml) an die neue IP-Umgebung an.
Download-Link funktioniert nicht mehr
Die Pre-Signed-Download-URL ist zeitlich begrenzt. Erzeugen Sie im SCP einen neuen Export-Link, falls der ursprüngliche abgelaufen ist.
Häufige Fragen
Kann ich einen Online-Snapshot exportieren?
Nein. Online-Snapshots können bei netcup grundsätzlich nicht exportiert werden. Die Export-Schaltfläche erscheint nur bei Offline-Snapshots. Für ein externes Backup muss der Server heruntergefahren und ein Offline-Snapshot erstellt werden.
Wie oft kann ich kostenlos exportieren?
Pro Server ist ein einmaliger Export inklusive. Weitere Exporte buchen Sie im CCP unter Produkte (Lupe vor dem Server, Punkt Snapshot) hinzu. Wer regelmäßige Exporte plant, sollte die zusätzlichen Kosten laut CCP einkalkulieren.
Kann ich die .raw.zst-Datei direkt reimportieren?
Nein. netcup akzeptiert beim Image-Upload nur die Formate raw, qcow und qcow2. Die komprimierte .raw.zst-Datei muss zuerst mit zstd -d dekomprimiert werden; optional folgt die Konvertierung in qcow2 mit qemu-img convert.
Wie groß wird die exportierte Datei wirklich?
Die .raw.zst-Datei ist zstd-komprimiert und trotz großer VPS-Disk oft sehr klein – bei einem 256-GB-VPS mit geringer Belegung typischerweise 4–5 GB. Die dekomprimierte .raw-Datei belegt aber immer die volle Disk-Größe (256 GB). Nach der qcow2-Konvertierung schrumpft sie wieder auf den tatsächlich belegten Bereich (z. B. 7 GB).
Kann ich einen Snapshot auf einem anderen eigenen Server einspielen?
Ja. Exportierte Snapshots erscheinen automatisch als Custom Image auf allen eigenen netcup-Servern. Im SCP des Ziel-Servers unter Media → Images → Custom Images können Sie per „Install“ / „Reinstall“ jederzeit darauf zurückgreifen. Voraussetzung: Die Disk des Ziel-Servers muss mindestens so groß sein wie die belegte Partition des Quell-Servers.
Schützt ein Snapshot vor Hardware-Ausfall des netcup-Hosts?
Nein. Snapshots, die nicht exportiert wurden, liegen auf demselben Host-System wie der VPS. Bei einem Hardware- oder RAID-Defekt auf dem Host können sie mit verloren gehen. Nur exportierte und extern aufbewahrte Snapshots bieten echten Offsite-Schutz.
Fazit
Der wichtigste Grundsatz bei netcup VPS-Snapshots: Nur Offline-Snapshots sind exportierbar – und nur exportierte Snapshots sind echte Backups. Wer diesen Unterschied kennt und den dreiteiligen Workflow (Offline-Snapshot erstellen, exportieren, lokal dekomprimieren und bei Bedarf in qcow2 konvertieren) einmal eingerichtet hat, bekommt für sehr wenig Aufwand ein vollständiges Disk-Image, das auf jedem eigenen netcup-Server wiederhergestellt werden kann.
Für eine vollständige Backup-Strategie empfiehlt sich die Kombination aus regelmäßigen exportierten Snapshots und einer ergänzenden Datei-Sicherung per rsync oder restic auf ein externes System. Wenn Sie noch keinen VPS bei netcup haben oder den Einstieg neu aufsetzen möchten, hilft die Schwester-Anleitung zum ersten eigenen Cloud-Server bei Hetzner oder netcup weiter. Für die Absicherung des Servers im laufenden Betrieb empfiehlt sich außerdem die Anleitung zum VPS absichern und härten mit UFW, SSH-Keys und Fail2Ban.
Weiterführende Anleitungen und Quellen
- Das netcup SCP erklärt: Alle Funktionen im Überblick
- netcup Rescue-System: VPS retten, Passwort zurücksetzen, Dateisystem reparieren
- 3-2-1-Backup-Strategie umsetzen: Anleitung mit Restic, USB-Disk und S3-Cloud
- Restic Backup auf Linux und Windows einrichten und automatisieren
- netcup Helpcenter: Media / Snapshots (offizielle Dokumentation)
- netcup Helpcenter: Server Migration (offizielle Dokumentation)


