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Künstliche Intelligenz 26.09.2026 · 7 min Lesezeit

Microsoft baut Copilot um: Autopilot-Agent und Abrechnung nach Verbrauch

Microsoft teilt die Copilot-App in Home, Code und den Dauer-Agenten Autopilot auf. Die Nutzerlizenz deckt nur noch Chat und Office-Integration ab, Cowork, Code und Autopilot laufen über Copilot Credits. Was Admins zu Budget, Datenzugriff und CSP-Lizenzen jetzt prüfen sollten.

Abstrakte leuchtende Agenten-Sphäre mit Credit-Symbolen und der Überschrift Copilot mit Autopilot, Agenten kosten extra KI-generiert

Microsoft hat am 25. September 2026 die Copilot-App für Unternehmen neu aufgeteilt: in die Bereiche Home, Code und Autopilot. Relevant ist das für alle Organisationen mit Microsoft 365 Copilot, denn mit dem Umbau ändert sich die Abrechnung. Die bisherige Lizenz pro Nutzer deckt künftig nur noch Chat und Copilot in Word, Excel, PowerPoint, Outlook und Teams ab. Cowork, Code und der neue Dauer-Agent Autopilot laufen über nutzungsbasierte Abrechnung mit Copilot Credits.

Akuter Handlungsbedarf besteht heute nicht. Home und Code kommen zunächst nur in Microsofts Frontier-Programm, Autopilot startet Ende September als private Vorschau. Laut Microsoft bleiben die nutzungsbasierten Dienste bei Enterprise-Kunden aus, bis ein Admin im Microsoft 365 Admin Center eine Ausgabenrichtlinie anlegt. Wer kein Microsoft 365 Copilot lizenziert hat und nicht am Frontier-Programm teilnimmt, ist vorerst nicht betroffen. Planen sollten Admins trotzdem jetzt, weil für neue Copilot-Business-Lizenzen aus dem CSP-Kanal ab dem 2. November 2026 eine andere Standardeinstellung gilt.

Was ist passiert?

In einem Beitrag im offiziellen Microsoft-Blog stellt Jared Spataro, Chief Marketing Officer für AI at Work, die neue Copilot-App mit drei Bereichen vor:

  • Home ist der neue Startpunkt. Dort laufen Chat und Cowork zusammen. Über Office in Copilot sind Word, Excel und PowerPoint direkt eingebettet, Copilot erstellt oder ändert echte, bearbeitbare Dokumente, die mit den Office-Apps synchron bleiben.
  • Code soll auch Nicht-Entwicklern erlauben, Apps, Tracker, Dashboards und Automatisierungen in natürlicher Sprache zu bauen. Code basiert laut Microsoft auf derselben Technik wie GitHub Copilot, läuft in einer Sandbox und kann im eigenen Tenant gehostet werden. Die Laufzeitumgebung dafür heißt Microsoft Copilot Managed Runtime und ist als Vorschau verfügbar.
  • Autopilot ist der umbenannte Agent Scout, den Microsoft im Juni vorgestellt hatte. Er arbeitet dauerhaft in der Cloud, beobachtet etwa Kanäle, fasst bei Threads nach und erledigt wiederkehrende Aufgaben, auch wenn der Nutzer offline ist.

Laut Microsoft lebt Autopilot im Tenant des Kunden, mit eigener Identität, eigenem Speicher, eigenem Cloud-Rechner und eigenem Arbeitsbereich. Angesprochen wird er per @-Erwähnung in Teams, Outlook, Chats, Kanälen und Dokumenten. Microsoft verspricht dafür Berechtigungen, Audit und Governance, nennt im Blog aber keine konkreten Einstellungen. Technische Basis ist das Open-Source-Agenten-Framework OpenClaw, wie das OpenClaw-Projekt und The Verge übereinstimmend berichten.

Parallel beschreibt Nicole Herskowitz im Microsoft Tech Community Blog das neue Preismodell. Zusätzlich kündigt Microsoft für Oktober die private Vorschau von Today an, einem Dashboard für Mails, Kalender, Teams-Threads und Aufgaben, sowie eine @Copilot-Funktion in Teams, die den Kontext eines ganzen Kanals nutzt.

Für wen ist das relevant?

Wichtig ist die Trennung zwischen den beiden Copilot-Welten. Laut ZDNET gibt es inzwischen einen gemeinsamen Copilot-Client für private und geschäftliche Konten, die Oberfläche ist gleich. Der Unterschied liegt im Datenzugriff: Mit einem Arbeitskonto greifen die Werkzeuge über die Work IQ APIs auf Daten in Outlook, SharePoint, OneDrive for Business und Dynamics 365 zu.

  • Microsoft 365 Copilot im Unternehmen: Hauptzielgruppe. Home und Code rollen in den kommenden Wochen im Frontier-Programm aus, Autopilot ab Ende September als private Vorschau.
  • Private Abos Microsoft 365 Premium und Pro: Code soll dort laut Microsoft später im Jahr als Vorschau erscheinen. Autopilot für Verbraucher ist laut THE DECODER nur als Perspektive von Satya Nadella genannt, ohne Termin.
  • Organisationen ohne Copilot-Lizenz: Nicht direkt betroffen. Laut Microsoft setzt die nutzungsbasierte Abrechnung eine Copilot-Nutzerlizenz voraus.

Zu Preisen in Euro, zur Höhe einzelner Credit-Verbräuche und zu regionalen Einschränkungen nennt Microsoft in den Ankündigungen keine Zahlen. Zum Vergleich: Microsoft 365 Copilot kostet laut CNBC bislang 30 US-Dollar pro Nutzer und Monat.

Wie kritisch ist das?

Sicherheitskritisch ist die Meldung nicht, es gibt keine Schwachstelle und keinen Patch. Betrieblich ist sie aber bedeutsam, aus zwei Gründen.

Erstens die Kosten. Laut Microsoft laufen Cowork, Code, Autopilot, neue lang laufende Agentenfunktionen und die Frontier-Modelle Astra und Fable über Copilot Credits. In der Lizenz enthalten bleiben die Modellwahl mit GPT-5.6 und Sonnet 5, Opus 5 kommt mit Limits dazu. Wer ein Nutzungslimit erreicht, bekommt eine Warnung und kann auf den automatischen Modus Auto wechseln oder Credits nutzen. Ein Agent, der rund um die Uhr läuft, verbraucht naturgemäß mehr als ein Chat. Belastbare Verbrauchszahlen dafür gibt es noch nicht.

Zweitens der Datenzugriff. Ein Agent mit eigener Identität, der Teams-Kanäle beobachtet und selbstständig Stakeholder anschreibt, ist ein neues Konto mit weitreichenden Leserechten und Schreibaktionen in Ihrem Tenant. Das Risiko liegt weniger im Agenten selbst als in überbreiten Berechtigungen und schlecht gepflegten Teams- und SharePoint-Freigaben, die ein solcher Agent systematisch ausliest. Copilot-Chef Jacob Andreou nennt autonome Agenten laut ZDNET selbst etwas, das für IT-Admins absolut beängstigend sei.

Unsicher bleibt: Welche Einstellungen es für Autopilot konkret gibt, wie er in Entra ID erscheint und wie die Protokollierung aussieht, hat Microsoft bisher nicht dokumentiert. Das sollte vor jeder Freigabe geklärt sein.

Was sollten Admins jetzt tun?

  • Inventar prüfen: Wie viele Microsoft 365 Copilot-Lizenzen sind zugewiesen, über welchen Kanal wurden sie gekauft (Enterprise-Vertrag oder CSP), und nimmt der Tenant am Frontier-Programm teil?
  • Im Microsoft 365 Admin Center prüfen, ob bereits Ausgabenrichtlinien für Copilot Credits existieren. Laut Microsoft bleiben nutzungsbasierte Dienste bei Enterprise-Kunden aus, bis eine solche Richtlinie angelegt ist.
  • CSP-Kunden mit Copilot Business: Microsoft kündigt an, dass die nutzungsbasierte Abrechnung für neue Lizenzen ab dem 2. November 2026 standardmäßig aktiv ist. Ein Bericht des Microsoft-Partners Stoneridge Software nennt ein voreingestelltes Limit von 10 US-Dollar pro Nutzer und Monat. Mit dem Partner klären, was bei Neukäufen gilt.
  • Budgets auf Tenant- und Gruppenebene festlegen, bei Bedarf mit Obergrenzen pro Nutzer, und Warnschwellen einrichten. Festlegen, ob Nutzer bei Erreichen eines Limits mehr anfordern dürfen.
  • Kosten zuordnen: Laut Microsoft lassen sich Verbräuche Azure-Abonnements oder Ressourcengruppen zuweisen. Das erleichtert die Verrechnung pro Abteilung.
  • Modellfamilien pro Gruppe einschränken, sobald die Funktion im Tenant verfügbar ist. Microsoft rollt sie zunächst für Cowork aus. Die Einstellung begrenzt auch, welche Modelle Auto wählen darf.
  • Vor einer Autopilot-Vorschau die Freigaben in Teams und SharePoint aufräumen: öffentliche Teams, Links für alle Personen im Unternehmen und verwaiste Kanäle prüfen.
  • Für Pilotgruppen festlegen, welche Kanäle ein Dauer-Agent beobachten darf und wer seine Aktionen verantwortet. Ohne dokumentierte Einstellungen von Microsoft Autopilot nicht breit freigeben.
  • Die neue Plugin-Registry im Blick behalten. Microsoft kündigt an, dass IT Plugins zentral freigeben und verwalten kann.

Einordnung für Unternehmen

Der Umbau ist vor allem ein Wechsel im Geschäftsmodell. Microsoft trennt Alltags-KI zum Festpreis von Agentenarbeit, die nach Verbrauch bezahlt wird. Für kleine und mittlere Unternehmen heißt das: Die Copilot-Lizenz allein beschreibt die KI-Kosten künftig nicht mehr vollständig. Wer Cowork, Code oder Autopilot nutzen will, braucht ein Budget, eine Freigaberegel und jemanden, der den Verbrauch regelmäßig ansieht.

Positiv ist, dass Microsoft die Kostenkontrolle von Anfang an mitliefert und die Dienste im Enterprise-Umfeld standardmäßig ausgeschaltet lässt. Laut CNBC hat Microsoft bisher weniger als 7 Prozent der über 450 Millionen kommerziellen Office-365-Plätze mit Copilot lizenziert, der Druck, die Agentenfunktionen in die Breite zu bringen, ist entsprechend hoch. Admins sollten sich davon nicht treiben lassen. Ein Dauer-Agent mit eigener Identität gehört wie ein neues Dienstkonto behandelt: mit klarem Zweck, minimalen Rechten, Budget und einem Verantwortlichen.

Offen ist, ob die Vorschau-Termine für Kunden in der EU gleich gelten. Microsoft nennt keine regionalen Einschränkungen, bestätigt aber auch keine.

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Quellen

Microsoft 365 CopilotCopilot AutopilotKI-AgentenCopilot CreditsFinOpsOpenClawMicrosoft 365