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📘 Anleitung Backup & Datensicherung 02.06.2026 · 10 min Lesezeit

Veeam Backup & Replication – Grundlagen und erster Backup-Job

Veeam Backup & Replication v13: Architektur mit Backup Server, Proxy und Repository, erster Backup-Job mit GFS-Aufbewahrung, Agent-Job für physische Server sowie Instant Recovery und File-Level-Restore Schritt für Schritt.

Geprüft am 30.09.2026

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Externe Backup-Festplattengehäuse und ein Tower-Server auf einem Regal im Serverraum

Mit Veeam Backup & Replication sichern Sie virtuelle Maschinen (VMware vSphere, Microsoft Hyper-V) sowie physische Server per Veeam Agent zentral. Diese Anleitung richtet sich an Admins, die das Werkzeug zum ersten Mal einrichten: Architektur, Backup-Repository, Quelle, erster Backup-Job mit GFS-Langzeitaufbewahrung und die Restore-Grundlagen Instant Recovery und File-Level-Restore. Der Schwerpunkt liegt auf der Konsole, PowerShell ergänzt.

Architektur in Kürze

In kleinen Umgebungen laufen die drei Kernrollen auf einer Maschine, in größeren verteilen Sie sie.

KomponenteAufgabe
Backup ServerZentrale Verwaltung, Konsole, Job-Steuerung; das Herzstück der Installation.
Backup ProxyLiest und verarbeitet die Daten (Komprimierung, Deduplizierung). Standardmäßig ist der Backup Server selbst der Proxy.
Backup RepositorySpeicherort der Backups: Windows-/Linux-Server, NAS-/SMB-Share, Dedup-Appliance oder Object Storage.
Gateway ServerOptional, vermittelt den Zugriff auf SMB-Shares und Dedup-Appliances.
Mount ServerWird für Restore-Vorgänge und File-Level-Restore gebraucht.

Diese Anleitung bezieht sich auf Veeam Backup & Replication v13 (Veeam Data Platform v13; die Windows-Version erschien im November 2025, aktueller Stand im September 2026 ist 13.1). Neben der klassischen Installation auf Windows Server gibt es die gehärtete Linux-basierte Veeam Software Appliance mit browserbasierter Web-Konsole und standardmäßig deaktiviertem SSH. Diese Anleitung zeigt die Windows-Variante mit der Desktop-Konsole.

Voraussetzungen

Prüfen Sie vor der Installation Betriebssystem, Datenbank, Ports und Speicher; sonst schlagen später Proxy- und Repository-Verbindungen oder Jobs fehl.

  • Betriebssystem: 64-Bit-Windows-Server für den Backup Server; unterstützte Versionen nennt die Systemanforderungsseite (siehe Quellen).
  • Datenbank: PostgreSQL wird mitgeliefert und ist für Neuinstallationen die Vorgabe. Microsoft SQL Server lokal oder remote bleibt nutzbar.
  • Quellen: VMware vSphere (vCenter/ESXi), Microsoft Hyper-V oder physische/Windows-Maschinen über den Veeam Agent.
  • Veeam Agent: mindestens 2 GB RAM und rund 200–700 MB Plattenplatz für die Installation.
  • Speicher: ein dediziertes Backup-Repository, das nicht auf demselben System oder Storage wie die Produktion liegt.
  • Firewall/Ports: siehe Tabelle unten – diese müssen erreichbar sein.
PortDienst
9392Veeam Backup Service
9393Catalog Service
9401Secure Connections
9419REST API Service
443 (TCP)Kommunikation u. a. mit vCenter/ESXi

Schritt 1: Installation und Konsole öffnen

Laden Sie das ISO von Veeam Backup & Replication v13 herunter und starten Sie die Installation auf dem Windows Server. Der Assistent prüft die Systemvoraussetzungen, installiert fehlende Komponenten und richtet die Konfigurationsdatenbank ein. Übernehmen Sie die mitgelieferte PostgreSQL-Instanz, wenn Sie keine bestehende SQL-Server-Instanz nutzen müssen.

Nach der Installation starten Sie die Veeam Backup & Replication Console und verbinden sich mit dem lokalen Backup Server (Server localhost, Ihr Windows-Konto). Die Konsole gliedert sich in die Bereiche Home, Inventory, Backup Infrastructure, Storage Infrastructure, Tape Infrastructure, Files und History.

Verifizieren: Die Konsole öffnet sich ohne Fehlermeldung; unter Backup Infrastructure > Backup Proxies erscheint der VMware- bzw. Hyper-V-Proxy des Backup Servers.

Schritt 2: Backup-Repository hinzufügen

Legen Sie das Repository getrennt von der Produktion an. So fügen Sie ein Windows-basiertes, direkt angeschlossenes Repository über die GUI hinzu:

Konsole > Backup Infrastructure > Backup Repositories
  > Rechtsklick > Add Backup Repository
  > Direct attached storage
  > Microsoft Windows   (alternativ: Linux)

Schritte im Assistenten:
  1. Name      -> Name des Repositorys angeben
  2. Server    -> Backup-Server/Host auswaehlen
  3. Repository-> Pfad zum Backup-Ordner angeben
  4. Mount Server -> Default belassen
  5. Summary   -> Finish

Für Repositories auf SMB-Shares wählen Sie im ersten Schritt stattdessen Network attached storage > SMB share und geben einen Gateway Server an. Reine SMB-Shares sind für Ransomware erreichbar; nutzen Sie für Ransomware-Schutz ein Hardened Repository (Linux mit Immutability) oder Object Storage mit Object Lock.

Verifizieren: Das Repository erscheint unter Backup Repositories mit Kapazität und freiem Speicher.

Schritt 3: Quelle anbinden

Registrieren Sie den Virtualisierungs-Server: für VMware vSphere den vCenter- oder ESXi-Host, für Hyper-V den Hyper-V-Host bzw. Cluster.

Konsole > Backup Infrastructure > Managed Servers
  > Add Server
  > VMware vSphere   (oder Microsoft Hyper-V)
  > DNS-Name/IP des vCenter bzw. ESXi-Hosts
  > Anmeldedaten (Credentials)
  > Summary > Finish

Port 443 zum vCenter/ESXi muss erreichbar sein, sonst scheitert die Anbindung. Physische Maschinen brauchen keine Host-Registrierung; diese sichern Sie in Schritt 6 per Veeam Agent.

Verifizieren: Unter Inventory sind die VMs des registrierten Hosts sichtbar.

Schritt 4: Ersten Backup-Job erstellen (VMware vSphere)

Starten Sie den New Backup Job Wizard:

Home > Inventory-Pane > Rechtsklick auf 'Jobs'
  > Backup > Virtual Machine > VMware vSphere

Die Seiten des Assistenten:

  1. Name: Jobname und Beschreibung vergeben.
  2. Virtual Machines: Über Add einzelne VMs oder ganze Container (Ordner, Cluster, Resource Pool, vApp, Datastore) auswählen. Neue VMs in einem Container werden automatisch mitgesichert.
  3. Storage: Backup-Repository aus der Liste wählen und die Retention-Policy festlegen (Anzahl Restore Points oder Anzahl Tage). Hier konfigurieren Sie auch GFS – siehe Schritt 5.
  4. Guest Processing: Defaults belassen. Für DB-, AD- und Exchange-Server aktivieren Sie hier Application-Aware Processing (VSS) und hinterlegen die Gast-Credentials – sonst sind diese Backups nur crash-consistent statt anwendungskonsistent.
  5. Schedule: Run the job automatically aktivieren und den Typ wählen (daily, monthly oder periodically). Retry failed VM processing bleibt aktiv. Mit Apply bestätigen.
  6. Summary: Run the job when I click Finish anhaken und mit Finish abschließen.

Verifizieren: Der Job erscheint unter Home > Jobs > Backup mit dem nächsten geplanten Lauf in der Spalte Next Run.

Schritt 5: GFS-Langzeitaufbewahrung konfigurieren

Die kurzfristige Retention legt fest, wie viele aktuelle Restore Points (oder Tage) erhalten bleiben. Für die Langzeitaufbewahrung dient GFS (Grandfather-Father-Son) mit Weekly-, Monthly- und Yearly-Vollbackups. GFS ist standardmäßig aus; ohne bewusste Konfiguration behält Veeam keine Langzeit-Vollbackups.

Im Storage-Schritt des Assistenten aktivieren Sie GFS so:

Storage-Schritt:
  [x] Keep certain full backups longer for archival purposes
  > Configure...
      [x] Keep weekly full backups for N weeks
          (If multiple full backups exist, use the one from <Wochentag>)
      [x] Keep monthly full backups for N months  (Woche im Monat waehlbar)
      [x] Keep yearly full backups for N years    (Monat im Jahr waehlbar)
  > Save as default  (optional als Vorgabe sichern)

Praxiswerte als Orientierung (keine festen Veeam-Vorgaben, an Aufbewahrungspflichten anpassen):

GFS-StufePraxiswert
Weekly4 Wochen
Monthly12 Monate
Yearly7 Jahre

GFS-Restore-Points löscht die kurzfristige Retention nicht; sie bleiben bis zum Ablauf ihrer GFS-Frist erhalten. Unveränderbar gegen manuelles Löschen oder Ransomware sind sie nur auf einem Repository mit Immutability. Zu hohe Werte binden Speicher für Monate oder Jahre.

Verifizieren: Nach dem ersten Vollbackup zeigt Home > Backups beim Restore Point die GFS-Markierung (W, M oder Y).

Schritt 6: Physische und Windows-Maschinen sichern

Server ohne Virtualisierung sichern Sie über einen Veeam Agent Backup Job, den der Backup Server zentral verwaltet. Veeam übernimmt dabei das Agent-Deployment und die Job-Steuerung remote:

Home > Jobs > Backup > Windows computer   (alternativ Linux/Mac)
  > Modus: Managed by backup server
  > Protection group / Computer hinzufuegen
  > Backup mode
  > Repository + Retention/GFS
  > Schedule
  > Finish

Verifizieren: Die Protection Group zeigt den Agent-Status Installed für jeden Rechner.

Schritt 7: Job ausführen und prüfen

Mit Run the job when I click Finish startet der Job sofort; andernfalls starten Sie ihn manuell in der Konsole und verfolgen den Fortschritt unter Home > Jobs bzw. History > Jobs. Für Skripte dient das PowerShell-Modul Veeam.Backup.PowerShell:

Connect-VBRServer -Server localhost
Get-VBRJob
Start-VBRJob -Job (Get-VBRJob -Name 'Mein-Job')

Über Cmdlets wie Add-VBRBackupRepository lassen sich auch Repository-Anlage und Job-Erstellung automatisieren.

Verifizieren: Die Job-Sitzung endet mit Status Success; Get-VBRJob -Name 'Mein-Job' | Select-Object Name, @{n='Result';e={$_.GetLastResult()}} liefert Success.

Schritt 8: Restore-Grundlagen

Veeam bietet zwei alltägliche Wiederherstellungswege. Testen Sie beide, bevor Sie sie im Ernstfall brauchen.

Instant Recovery (ganze VM in Minuten)

Instant Recovery nutzt die vPower-Technologie und mountet das Backup direkt aus dem Repository als laufende VM auf dem ESXi-/Hyper-V-Host – der Wiederanlauf dauert Minuten, ohne dass die Daten vorher extrahiert werden müssen.

Home > Backups > Backup expandieren > Workload(s) markieren
  > Ribbon 'Instant Recovery' > VMware vSphere
      Workloads > Restore Point > Restore Mode
      > Ziel (Host/Resource Pool/Folder)
      > Datastore fuer Disk-Updates
      > Helper Appliance
      > (optional) Secure Restore (Antivirus-Scan)
      > Finish

Abschluss: VM rechtsklicken > Migrate to production (Quick Migration)

Die VM läuft zunächst vom Backup-Storage (I/O-Last dort). Führen Sie abschließend Migrate to production aus, sonst bleibt die VM dauerhaft vom Backup-Repository abhängig.

File-Level-Restore (einzelne Dateien)

Für einzelne Dateien oder Ordner stellt der Guest OS File Restore sie wieder her, ohne die komplette VM zurückzuspielen. NTFS, FAT und ReFS werden direkt gelesen; für Linux/Unix/Mac kommt eine Helper-Appliance zum Einsatz.

Home > Backups > Backup expandieren > VM rechtsklicken
  > Restore guest files
  > Betriebssystem-Typ (Microsoft Windows / Linux & andere)
  > Restore Point > Wizard durchlaufen

Im Veeam Backup Browser:
  Dateien/Ordner waehlen
  > Restore (Overwrite/Keep)  oder  Copy To

Verifizieren: Die wiederhergestellte Testdatei öffnet sich am Zielort; unter History > Restore steht die Sitzung mit Status Success.

Typische Fehler

  • Alte Systeme: v13 unterstützt nur 64-Bit-Komponenten; ältere Windows-Server-Versionen entfallen. Vor dem Upgrade Kompatibilität laut Systemanforderungen prüfen.
  • Alles auf einer Maschine: Backup Server ist standardmäßig auch Proxy und Repository-Gateway. In größeren Umgebungen dedizierte Proxies und Repositories planen.
  • Application-Aware Processing vergessen: Ohne VSS und korrekte Gast-Credentials sind DB-/AD-/Exchange-Backups nur crash-consistent statt anwendungskonsistent.
  • GFS nicht konfiguriert: Ohne bewusste Einstellung behält Veeam keine Langzeit-Vollbackups. Falsch gesetzte Werte binden Speicher für Monate/Jahre, weil die Retention GFS-Punkte bis zum Fristablauf behält.
  • Repository neben der Produktion: Verstößt gegen die 3-2-1-Regel. Hardened Repository (Immutability) oder Object Lock nutzen; reine SMB-Shares sind angreifbar.
  • Ports blockiert: 9392/9393/9401/9419 sowie 443 (vCenter/ESXi) müssen erreichbar sein, sonst schlagen Proxy-/Repository-Verbindungen und Jobs fehl.
  • Instant Recovery nicht migriert: Ohne Migrate to production bleibt die VM vom Backup-Storage abhängig.
  • Software Appliance unterschätzt: Bei der gehärteten Linux-Appliance ist SSH deaktiviert; die Verwaltung läuft über die Web-Konsole, die Fehlersuche unterscheidet sich von Windows.

Häufige Fragen

Welche Datenbank nutzt Veeam v13?

Standardmäßig die mitgelieferte PostgreSQL-Instanz. Microsoft SQL Server bleibt unterstützt, lokal oder remote.

Was ist der Unterschied zwischen Retention und GFS?

Die Retention bestimmt, wie viele aktuelle Restore Points (oder Tage) erhalten bleiben. GFS behält zusätzlich Weekly-, Monthly- und Yearly-Vollbackups und muss bewusst aktiviert werden.

Wann nutze ich Instant Recovery, wann File-Level-Restore?

Instant Recovery, wenn eine komplette VM schnell wieder laufen muss; sie startet direkt aus dem Repository. File-Level-Restore, wenn nur einzelne Dateien oder Ordner fehlen.

Brauche ich für jede VM einen Proxy?

Nein. Standardmäßig ist der Backup Server selbst der Proxy, das genügt für kleine Umgebungen. Erst bei wachsender Datenmenge und vielen parallelen Jobs lohnen sich dedizierte Backup Proxies, um die Last zu verteilen.

Wie sichere ich physische Server mit Veeam?

Über einen Veeam Agent Backup Job im Modus Managed by backup server. Veeam verteilt den Agent und steuert die Jobs zentral; eine Host-Registrierung ist nicht nötig.

Was bedeutet die 3-2-1-1-0-Regel?

Veeam-Best-Practice: 3 Kopien der Daten auf 2 verschiedenen Medien, 1 Kopie extern, 1 Kopie offline oder unveränderbar und 0 Fehler bei der Wiederherstellung (getestete Backups). Ein Hardened Repository deckt den unveränderbaren Teil ab.

Fazit

Mit den drei Rollen Backup Server, Proxy und Repository ist der Ablauf klar: Repository getrennt von der Produktion anlegen, Quelle anbinden, Job mit passender Retention und bewusst gesetztem GFS erstellen, ausführen und den Restore regelmäßig üben. Ein Hardened Repository schützt die Backups zusätzlich gegen Ransomware.

Weiterführende Anleitungen und Quellen

Quellen: offizielle Veeam-Dokumentation – System Requirements (User Guide v13), Quick Start Guide: Backup Repository & erster Backup Job, Configure Long-Term Retention (GFS) und die Pressemitteilung zu Veeam Data Platform v13.