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Sicherheit & Datenschutz 21.10.2026 · 4 min Lesezeit

OVHcloud CLI: Fünf GitHub-Releases mit Schadcode zum Diebstahl von Zugangsdaten

Angreifer haben am 19. Oktober 2026 die Release-Dateien der OVHcloud CLI v0.11.0 bis v0.15.0 auf GitHub gegen eine Version ausgetauscht, die Cloud-Zugangsdaten, SSH-Schlüssel und Kubeconfigs stiehlt. Wer zwischen 14:47 und 16:21 Uhr installiert hat, sollte alle Geheimnisse des Systems widerrufen. Homebrew, go install und Docker-Image sind nicht betroffen.

Illustration eines Förderbands mit geöffnetem Softwarepaket, aus dem Schlüssel fließen, Headline Schadcode in CLI-Releases

Unbekannte haben am 19. Oktober 2026 die Download-Dateien von fünf Releases der OVHcloud CLI auf GitHub gegen eine manipulierte Version ausgetauscht. Der eingeschleuste Code sammelt Zugangsdaten und Konfigurationsdateien von der Festplatte und schleust sie aus. Betroffen sind nur Systeme, auf denen die CLI am 19. Oktober zwischen 14:47 und 16:21 Uhr (UTC+2) aus den GitHub-Releases installiert oder aktualisiert wurde. Wer in diesem Zeitfenster heruntergeladen hat, sollte heute handeln und sämtliche Geheimnisse auf dem Rechner als kompromittiert betrachten. Wer die CLI vorher installiert und seitdem nicht aktualisiert hat, ist laut OVHcloud nicht betroffen.

Was ist passiert?

Laut dem Sicherheitshinweis GHSA-862f-55f5-vmvw von OVHcloud nutzte der Angreifer das kompromittierte GitHub-Konto eines Entwicklers, um die Binärdateien bestehender Releases zu ersetzen. Um 14:47 Uhr traf es zunächst die macOS-Datei von v0.15.0, um 14:57 Uhr alle Dateien dieses Releases und ab 15:30 Uhr auch v0.14.0 bis v0.11.0. Ein Kunde meldete um 15:50 Uhr Auffälligkeiten in einem GitHub-Issue, um 16:21 Uhr waren alle schädlichen Dateien entfernt. Um 19:16 Uhr erschien die saubere Version v0.16.0 mit signiertem Tag. OVHcloud beziffert die Verfügbarkeit auf 1 Stunde 33 Minuten und rund 250 Downloads.

Quellcode und Build-Pipeline waren nicht betroffen. Ursache war laut OVHcloud, dass die Release-Unveränderlichkeit von GitHub (Immutable Releases) im Repository nicht aktiviert war. Der Zugriff auf das Entwicklerkonto geht demnach auf die VS-Code-Erweiterung color-picker-universal 2.8.91 zurück, die der Entwickler am 20. Oktober 2025 auf seinem privaten MacBook installiert hatte. Die Plattform OpenSourceMalware ordnet den Angriff laut BleepingComputer wahrscheinlich der GlassWorm-Kampagne zu.

Wer ist betroffen?

Ausgetauscht wurden laut The Hacker News die Archive für macOS (x86_64 und arm64), Linux (x86_64 und arm64) und Windows x86_64 sowie die Datei checksums.txt, sodass die veröffentlichten Prüfsummen zu den manipulierten Dateien passten. Betroffen ist, wer im Zeitfenster:

  • das offizielle Installationsskript install.sh ausgeführt hat, das keine Prüfsumme kontrolliert,
  • ein Archiv von v0.11.0 bis v0.15.0 direkt von der Release-Seite geladen hat,
  • einen CI-Job ohne fest hinterlegten Hash gegen die Release-URL laufen ließ,
  • den eingebauten Upgrade-Befehl ab v0.12.0 bis v0.14.0 auf macOS oder Linux genutzt hat.

Nicht betroffen sind laut The Hacker News Installationen per Homebrew, weil die Cask-Datei die ursprünglichen SHA-256-Werte festschrieb, sowie go install, Builds aus dem Quellcode und das Docker-Image, dessen latest-Tag zuletzt im September aktualisiert wurde. Versionen bis v0.10.0 und ab v0.16.0 sind sauber.

Was der Schadcode stiehlt

Die manipulierte Datei ist laut OVHcloud die originale CLI, neu kompiliert mit einem eingebetteten Modul namens envchecker. Es sammelt unter anderem:

  • Zugangsdaten und Konfigurationen für AWS, Google Cloud, Azure und DigitalOcean
  • Docker- und Kubernetes-Konfigurationen, NPM- und Terraform-Zugangsdaten
  • SSH-Schlüssel, die Datei .netrc und die globale Git-Konfiguration
  • Datenbanken und Verläufe von VS Code, Cursor, Continue, Sourcegraph Cody, OpenCode und weiteren KI-Agenten

Die Ausleitung läuft über Solana-RPC-Endpunkte und einen Upload an die IP-Adresse 45.32.148.174.

Wie kritisch ist das?

Die Zahl der Downloads ist klein, der mögliche Schaden pro Treffer aber groß. Eine CLI für Cloud-Verwaltung läuft typischerweise auf Admin-Rechnern und in Pipelines, auf denen Cloud-Schlüssel, Kubeconfigs und SSH-Schlüssel liegen. OVHcloud-Gründer Octave Klaba bezeichnete die Qualität des Binärcodes als schwach, betonte aber, dass er vollständig durchlaufen könne. Wer betroffen ist, sollte von einem Abfluss ausgehen.

Was Admins jetzt tun sollten

  • Inventar prüfen: Wo ist die OVHcloud CLI installiert, wann und auf welchem Weg wurde sie zuletzt geladen? CI-Logs vom 19. Oktober auf Downloads aus den GitHub-Releases durchsuchen.
  • Die verdächtige Datei nicht ausführen. Stattdessen den MD5-Wert mit den Hashes im Anhang des OVHcloud-Hinweises vergleichen oder mit go version -m lesen: Die manipulierte Version zeigt die Pseudo-Version v0.15.1-0.20261013083505-5ead8ef9b43d+dirty und eine Zeile -ldflags="-s -w".
  • Im Temp-Verzeichnis nach Ordnern mit dem Muster envchecker- plus Ziffern suchen. Der Schadcode legt sie bei jedem Lauf an und löscht sie nie.
  • Bei Treffer alle Geheimnisse des Systems widerrufen und neu ausstellen: OVHcloud-API-Schlüssel, Cloud-Zugänge, SSH-Schlüssel, Registry- und Paket-Tokens.
  • Verbindungen zur IP 45.32.148.174 und zu Solana-RPC-Endpunkten in Proxy- und Firewall-Logs suchen.
  • Auf v0.16.0 oder neuer aktualisieren und Downloads in Pipelines künftig mit fest hinterlegten Prüfsummen absichern.

Einordnung

Der Fall zeigt eine Schwachstelle, die viele Projekte teilen: Wer Releases bearbeiten darf, kann Dateien austauschen, ohne dass Tests oder Build-Kette anschlagen. Eine checksums.txt im selben Release schützt dann nicht, weil sie mit ausgetauscht wird. Wirksam sind unveränderliche Releases, signierte Artefakte und Prüfsummen, die getrennt vom Download gepflegt werden, wie es Homebrew hier vorgemacht hat. Ebenso lehrreich ist der Ursprung: Eine einzelne Editor-Erweiterung auf einem privaten Gerät reichte, um Monate später eine Lieferkette zu kompromittieren.

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Quellen

OVHcloudSupply ChainGitHubInfostealerZugangsdatenCLI