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Sicherheit & Datenschutz 06.11.2026 · 4 min Lesezeit

Gefälschte KI-Events: Gerätecode- und Proxy-Phishing gegen Microsoft und Google

Push Security hat am 5. November 2026 eine Kampagne mit gefälschten OpenAI-, SpaceX- und Anthropic-Events beschrieben. Microsoft-Konten werden per Gerätecode-Phishing über Kali365 und eine VoidProxy-Seite angegriffen, Google-Konten über einen VoidProxy-Reverse-Proxy. Wer den Device Code Flow nicht braucht, sollte ihn in Entra ID sperren.

Mit KI erstellt – redaktionelle Prüfung ausstehend

Symbolbild: Glasumschlag mit Angelhaken und Codefeld neben der Überschrift Gerätecode-Phishing per KI-Einladung

Gefälschte Einladungen zu Veranstaltungen von OpenAI, SpaceX und Anthropic locken Beschäftigte derzeit auf Phishing-Seiten, die Microsoft- und Google-Konten trotz MFA übernehmen. Das Sicherheitsunternehmen Push Security hat die Kampagne am 5. November 2026 beschrieben. Für Microsoft-Konten nutzen die Angreifer Gerätecode-Phishing über den Dienst Kali365, für Google-Konten einen Reverse-Proxy des Dienstes VoidProxy.

Gefährdet sind Unternehmen mit Microsoft 365 oder Google Workspace, deren Beschäftigte sich mit dem Arbeitskonto für scheinbar kostenlose KI-Angebote anmelden. Laut Push richten sich die Köder vor allem an Marketing-Teams. Wer den Device Code Flow in Entra ID nicht braucht, kann den Gerätecode-Teil sofort per Conditional Access schließen. Gegen die nachgeschalteten VoidProxy-Seiten für Microsoft und Google hilft diese Sperre nicht.

Was ist passiert?

Push Security hat Ende Oktober 2026 Besuche auf gefälschten Registrierungsseiten erkannt. Eine Seite imitiert einen Livestream der OpenAI Academy und verspricht drei Monate ChatGPT Pro, eine zweite lädt zu einem privaten SpaceX-Briefing ein und bietet drei Monate Grok Heavy oder eine „SpaceX share“. Eine Anthropic-Variante zur AWS re:Invent war bei der Untersuchung schon offline. Alle Seiten verlangen eine Anmeldung mit dem Arbeitskonto.

Klickt das Opfer auf „Continue with Microsoft“, holt die Seite bei Kali365 einen Gerätecode und öffnet in einem Pop-up die echte Microsoft-Seite für die Geräteanmeldung. Gibt das Opfer dort den Code ein und meldet sich an, stellt Microsoft die Tokens für die Sitzung der Angreifer aus. Danach leitet die Seite auf eine VoidProxy-Anmeldeseite weiter, die zusätzlich Passwort und Sitzungscookie abgreift. Bei „Continue with Google“ läuft die echte Google-Anmeldung durch einen VoidProxy-Reverse-Proxy, der Passwort, MFA-Antwort und Sitzungscookie mitschneidet.

Die Links laufen laut Push über Google-Kurzlinks oder Zapiers Kurzlinkdienst zpr.io, in einem untersuchten Fall war eine Weiterleitung über x.com vorgeschaltet. Frühere Wellen kamen laut Berichten von Cofense und ANY.RUN über den Mailversand von GoTo Webinar und echte Zoom-Eventseiten. Eine Cloudflare-Abfrage vor der eigentlichen Seite hält die meisten automatischen Scanner fern. Push spricht von Einladungen per E-Mail, wie die Links genau verteilt werden, ist laut BleepingComputer unklar.

Wer ist betroffen?

Potenziell gefährdet sind alle Organisationen mit Microsoft- oder Google-Arbeitskonten. Push nennt Marketing-Mitarbeiter als Ziel, die Seiten übersetzen sich automatisch in die Sprache des Besuchers. Die Domains wechseln laut Push alle paar Wochen, im aktuellen Fall gehörten eventrsvp[.]app, rsvpconnect-events[.]com und claudewebinnar[.]com dazu.

Wie kritisch ist das?

Beide Wege umgehen klassische MFA. Beim Gerätecode bestätigt das Opfer selbst die Anmeldung, die Codeeingabe läuft dabei auf der echten Microsoft-Domain. Beim Reverse-Proxy erhalten die Angreifer ein gültiges Sitzungscookie. Je nach Rechten des Kontos dürften die Angreifer damit auf Mail, Dateien und weitere Cloud-Dienste zugreifen können, bis die Sitzungen widerrufen sind. Das ist eine Einschätzung der Redaktion, Push nennt keine Opferzahlen.

Was sollten Admins jetzt tun?

Die folgenden Punkte sind Empfehlungen der Redaktion, die Sperre des Device Code Flow beschreibt Microsoft selbst.

  • In den Entra-Anmeldeprotokollen nach Anmeldungen mit dem Authentifizierungsprotokoll Device Code suchen und prüfen, wer diesen Weg überhaupt braucht.
  • Device Code Flow per Conditional Access blockieren (Bedingung „Authentication flows“, „Device code flow“, Zugriff blockieren). Microsoft empfiehlt, zuerst im Report-only-Modus zu testen und Notfallkonten auszunehmen.
  • Proxy- und DNS-Logs nach den von Push veröffentlichten Domains durchsuchen, auch rückwirkend.
  • Bei einem Treffer Sitzungen des Kontos widerrufen, Passwort zurücksetzen und neue MFA-Methoden, Weiterleitungsregeln und App-Zustimmungen prüfen.
  • Phishing-resistente Verfahren wie Passkeys für besonders exponierte Teams priorisieren.
  • Beschäftigte konkret warnen: Gratis-Abos für KI-Dienste gegen Anmeldung mit dem Arbeitskonto sind ein typischer Köder.

Einordnung für Unternehmen

Gerätecode-Phishing ist nicht neu, die Kampagne zeigt aber, wie schnell die Betreiber Köder und Domains wechseln: Laut Push ging es zwischen dem 20. und 30. Oktober von Zoom über Anthropic zu OpenAI, SpaceX und Claude. Sperrlisten allein kommen da nicht hinterher. Nach Einschätzung der Redaktion hilft es mehr, nicht benötigte Anmeldewege abzuschalten: Wer den Device Code Flow nicht nutzt, kann ihn laut Microsoft mit einer Richtlinie sperren. Gegen die Proxy-Stufe braucht es zusätzlich phishing-resistente Anmeldeverfahren und aufmerksame Beschäftigte.

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Quellen

PhishingDevice CodeMicrosoft 365Entra IDGoogle WorkspaceMFAKali365VoidProxy