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Cloud / Hosting 18.06.2026 · 6 min Lesezeit

Hetzner erhöht Cloud-Preise drastisch: Zweite Preisrunde 2026 – Zeichen einer dauerhaften Wende?

Zum zweiten Mal in diesem Jahr erhöht Hetzner die Preise für Cloud- und dedizierte Server drastisch – teils um bis zu 200 Prozent. Bestandskunden bleiben vorerst verschont, doch die Frage drängt sich auf: Ist das der Beginn einer dauerhaften Trendwende bei Cloud- und Hosting-Kosten?

Hetzner Cloud Preiserhöhung 2026 zweite Preisrunde bis 200 Prozent

Am 15. Juni 2026 um 8 Uhr MESZ hat Hetzner die zweite Preiserhöhung des Jahres scharfgeschaltet. Nach einer ersten Runde im Februar (wirksam zum 1. April) folgt nun der nächste, deutlich heftigere Schritt: Cloud-Server kosten in deutschen Rechenzentren im Schnitt 99 Prozent mehr, in den USA sogar 158 Prozent. Der CPX41, ein beliebter Einstiegs-Cloud-Server, kostet in den USA künftig 143,38 Euro statt 46,40 Euro pro Monat – eine Steigerung von über 200 Prozent.

Die Frage, die sich Admins, Freelancer und Unternehmen jetzt stellen müssen: Handelt es sich um eine temporäre Anpassung oder um den Beginn einer dauerhaften Wende, bei der Cloud-Dienste, Abos und Server-Infrastruktur insgesamt teurer werden? Die Indizien verdichten sich, dass Letzteres der Fall ist.

Die neuen Preise im Überblick

Hetzner hat die neuen Preise in einer gestaffelten Preisliste nach Serverstandorten, Servertyp und Währung veröffentlicht. Während Vergleichspreise bei dedizierten Servern fehlen, sind sie bei Cloud-Servern transparent mit aufgelistet. Die folgende Tabelle zeigt die drastischsten Beispiele:

Server-ModellStandortAlter PreisNeuer PreisSteigerung
CPX41USA46,40 €143,38 €+209 %
CPX42Deutschland/Finnland30,33 €82,69 €+173 %
CPX51USA92,81 €283,21 €+205 %
CPX52Deutschland/Finnland43,42 €119,58 €+175 %
CCX43Europa148,74 €328,43 €+121 %
CCX63Europa445,64 €1.015,65 €+128 %

Die durchschnittlichen Steigerungen pro Region: Deutschland/Finnland +99 %, USA +158 %, Singapur +78 %. In Singapur fallen die Erhöhungen moderater aus, bleiben aber mit knapp 78 Prozent immer noch massiv. Die Kosten für eine eigene IPv4-Adresse sind in diesen Preisen noch nicht enthalten und ändern sich laut Hetzner nicht.

Bestandskunden weitgehend verschont – mit einer wichtigen Ausnahme

Eine gute Nachricht gibt es für Bestandskunden: Wer bereits laufende Server hat und diese nicht verändert, behält vorerst die alten Preise. Hetzner hat klargestellt, dass die erhöhten Preise nur für Neubestellungen und für Rescales gelten – also Veränderungen der virtuellen Betriebsparameter (CPU, RAM) einer bestehenden Cloud-Instanz nach dem Stichtag.

Das bedeutet: Wer seine vorhandene Maschine unverändert weiterlaufen lässt, bleibt auf der alten, günstigeren Preisbasis. Wer jedoch eine Instanz vergrößert, verkleinert oder anderweitig in ihrer Konfiguration ändert, wird sofort in die neue Preisstruktur überführt. Selbst ein Rescale, der eigentlich die monatlichen Kosten senken soll, kann so zu einer unerwarteten Preiserhöhung führen.

Ausgenommen von den Preiserhöhungen sind außerdem:

  1. Webhosting-Produkte
  2. Managed-Server
  3. Börsenserver
  4. IP-Adressen
  5. Zusatzleistungen wie Storage-Boxen und Loadbalancer

Hintergrund: Warum wird alles teurer?

Der erklärte Hauptgrund ist derselbe wie bei der ersten Preisrunde im Februar: Die Beschaffungskosten für neue Hardware sind extrem gestiegen. Hetzner selbst spricht in seiner Stellungnahme von drastisch gestiegenen Betriebs- und Beschaffungskosten, die man trotz intensiver Optimierungsbemühungen nicht mehr kompensieren könne.

Der eigentliche Treiber ist der KI-Boom. Die weltweite Produktionskapazität für Speicherchips verlagert sich zunehmend auf HBM-Speicher (High Bandwidth Memory), der in GPUs für KI-Anwendungen verbaut wird. Normale DDR5-RAM-Chips und SSDs werden dadurch knapper und teurer. Martin Hetzner selbst hat sich im hauseigenen Forum zu Wort gemeldet und bestätigt, dass die vergangenen neun Monate eine Ausnahme waren – Hetzner habe die gestiegenen Einkaufskosten erst verzögert an die Kunden weitergegeben, also quasi subventioniert.

Ein Blick auf die Branche bestätigt den Trend: OVH-CEO Octave Klaba rechnete bereits im November 2025 damit, dass Cloud-Preise 2026 um 5 bis 10 Prozent steigen werden. Die tatsächliche Entwicklung bei Hetzner übertrifft diese Prognose dramatisch. Der Regionalleiter von Speicherhersteller Lexar geht laut einem Tweet davon aus, dass sich die RAM-Preise bis Ende 2026 verdoppeln werden – die derzeitige stabile Preisentwicklung sei eine Illusion, Rabatte deuteten auf den Abverkauf alter Lagerbestände hin, bevor teurere Ware eintrifft.

Bedeutet das eine dauerhafte Wende?

Die entscheidende Frage ist, ob die aktuellen Preiserhöhungen einen temporären Ausreißer darstellen oder den Beginn einer neuen Normalität markieren. Mehrere Faktoren sprechen für Letzteres:

  1. Zweite Erhöhung in sechs Monaten: Hetzner hat im Februar 2026 bereits einmal die Preise erhöht. Dass so schnell eine zweite, noch heftigere Runde folgt, deutet darauf hin, dass der Kostendruck anhält und sich sogar verstärkt.
  2. Kein Ende der RAM-Preisspirale: Solange die Chip-Produktion auf KI-Hardware ausgerichtet ist, werden DDR5 und SSDs knapp und teuer bleiben. Die Prognosen von Lexar und anderen Herstellern gehen von einer Verdopplung der RAM-Preise bis Ende 2026 aus.
  3. Branchenweite Effekte: Nicht nur Hetzner, sondern auch andere Hoster wie OVH, Netcup und DigitalOcean werden früher oder später nachziehen müssen. Die beschriebenen Kostensteigerungen treffen alle Anbieter gleichermaßen.
  4. Martin Hetzners Aussage: Der Firmengründer erwartet ein neues, dauerhaft höheres Marktniveau bei Hardware-Preisen. Zwar betont er, dass die Wettbewerbsposition langfristig stabil bleibe, aber das Preis-Leistungs-Verhältnis werde sich auf neuem Niveau einpendeln.

Für Unternehmen, die Cloud-Infrastruktur betreiben, bedeutet das: Die Kalkulation muss neu aufgestellt werden. Langfristige Verträge, Reserved Instances oder der Wechsel zu dedizierten Servern mit limitierten Angeboten können helfen, die Kosten im Griff zu behalten. Wer reine Cloud-Setups mit vielen Rescales fährt, sollte einen Puffer für weitere Preiserhöhungen einplanen.

Auswege und Alternativen für Admins

Hetzner selbst bietet mehrere Möglichkeiten, die Kosten zu drücken:

  1. Limitierte Angebote: Hetzner bietet Server mit reduzierten Preisen an, sofern Hardware mit gesenkten Beschaffungskosten verfügbar ist. Diese Angebote sind jedoch vom Vorrat abhängig – es kann mehrere Wochen dauern, bis eine nennenswerte Anzahl verfügbar wird.
  2. Serverbörse: In der Hetzner-Serverbörse werden Server in einem Auktionsmodell angeboten.
  3. Bestandsserver nicht anfassen: Wer bereits Server bei Hetzner betreibt, sollte sie so lange wie möglich unverändert laufen lassen. Jeder Rescale führt zu den neuen, teureren Preisen.
  4. Anbietervergleich: Wettbewerber wie Netcup, Ionos, DigitalOcean könnten vorübergehend günstiger sein, werden aber vermutlich ebenfalls nachziehen.
  5. Dedizierte Server statt Cloud: Bei konstanter Auslastung können dedizierte Server mit limitierten Angeboten günstiger sein als Cloud-Instanzen.

Fazit: Eine Zäsur für den Cloud-Markt

Die zweite Hetzner-Preiserhöhung innerhalb eines halben Jahres ist mehr als nur eine lästige Anpassung. Sie markiert den Punkt, an dem die jahrelange Realität fallender oder stabiler Cloud-Preise endgültig vorbei ist. Der KI-Boom hat eine massive Verwerfung im Hardware-Markt ausgelöst, die nun bei den Endkunden ankommt.

Für Admins und IT-Entscheider bedeutet das: Cloud-Kosten müssen aktiver gemanagt, Verträge regelmäßig überprüft und Alternativen evaluiert werden. Wer jetzt seine Infrastruktur optimiert, kann die Auswirkungen abfedern – wer abwartet, könnte von der nächsten Preisrunde überrascht werden.

Passende Anleitungen auf S-EDV

  1. Erster eigener Cloud-Server: VPS bei Hetzner oder Netcup aufsetzen und absichern – Wer sich den Cloud-Einstieg überlegt, sollte die neuen Preise in die Wahl des Anbieters einfließen lassen.
  2. VPS absichern und härten: Anleitung mit UFW, SSH-Keys und Fail2Ban – Ein gut gehärteter Server vermeidet teure Notfall-Migrationen bei teurerer Infrastruktur.
  3. Immutable Backups mit restic und Hetzner Storage Box – Storage-Boxen sind von der Preiserhöhung ausgenommen – ein Grund, das Backup auf restic umzustellen.

Quellen

  1. heise online: Bis zu 200 Prozent – Cloud-Hoster Hetzner dreht erneut an der Preisschraube
  2. Deskmodder: Hetzner erhöht Preise für Cloud-Server und dedizierte Server deutlich
  3. Born's IT- und Windows-Blog: Hetzner Preiserhöhung für Server seit 15. Juni 2026
  4. Hetzner: Stellungnahme zur Preisanpassung zum 01.04.2026
  5. Hetzner Docs: Preisanpassung 15. Juni 2026