WordPress Multisite: wann sich ein Netzwerk lohnt und wie Sie es einrichten
WordPress Multisite für Filialen, Marken oder Sprachversionen: Entscheidungshilfe mit Vor- und Nachteilen, Vorbereitung, Einrichtung per Backend und WP-CLI, Rewrite-Regeln für Unterverzeichnisse, Websites anlegen und Rechte für Website-Administratoren.
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Mit WordPress Multisite betreiben Sie mehrere Websites aus einer einzigen Installation: ein gemeinsamer Code, eine Datenbank, eine Update-Runde für alle. Für Firmen mit Filialen, Marken oder Sprachversionen klingt das verlockend. Der Umbau ist aber ein tiefer Eingriff, den Sie nicht einfach per Klick zurücknehmen, und manche Plugins kommen mit einem Netzwerk nicht zurecht. Diese Anleitung hilft zuerst bei der Entscheidung, ob sich Multisite für Sie lohnt, und zeigt dann die Einrichtung eines Netzwerks mit Unterverzeichnissen per Backend und per WP-CLI. Die Befehle, Menüs und Meldungen stammen aus einem Test mit WordPress 7.1.2.
Voraussetzungen
- WordPress: geprüft mit WordPress 7.1.2. Die Netzwerkfunktion ist Teil von WordPress und braucht kein Plugin.
- PHP und Webserver: PHP ab 7.4 (getestet mit 8.4). Apache braucht
mod_rewriteund die Erlaubnis, Regeln per.htaccesszu setzen (AllowOverride). Bei Nginx tragen Sie die Regeln in die Serverkonfiguration ein. - Zugriff: Rolle Administrator im Backend und Dateizugriff per SFTP oder SSH, denn Sie bearbeiten
wp-config.phpund.htaccess. Für den WP-CLI-Weg zusätzlich SSH mit WP-CLI. - Backup: vollständige Sicherung von Dateien und Datenbank, zusätzlich Kopien von
wp-config.phpund.htaccess. Eine Rückkehr zur Einzelinstallation ist nur über diese Sicherung sauber möglich. - Domain-Planung: Für Subdomains (
filiale.example.de) brauchen Sie einen Wildcard-DNS-Eintrag und ein passendes TLS-Zertifikat. Für Unterverzeichnisse (example.de/filiale) genügt die bestehende Domain. - Testumgebung: eine Staging-Kopie, auf der Sie den Umbau zuerst durchspielen.
Schritt 1: Entscheiden, ob Multisite passt
Die WordPress-Dokumentation stellt die Frage „Brauchen Sie wirklich ein Netzwerk?“ bewusst an den Anfang. Die Websites eines Netzwerks sind voneinander getrennt: Jede hat eigene Beiträge, Seiten, Medien und Einstellungen. Nur Benutzerkonten, Themes und Plugins teilen sie. Wer Inhalte zwischen Websites austauschen oder gemeinsam pflegen möchte, braucht dafür zusätzliche Plugins.
| Situation | Multisite sinnvoll? | Begründung |
|---|---|---|
| Filialen oder Standorte mit gleichem Aufbau | ja | ein Theme, zentrale Updates, lokale Redakteure je Website |
| Sprachversionen einer Firmenwebsite | möglich | je Sprache eine Website, Verknüpfung per Plugin nötig |
| Marken mit eigenem Design und eigenen Plugins | eher nein | Plugin-Konflikte betreffen alle, Unterschiede schwer pflegbar |
| Shop und Unternehmensseite | eher nein | Shop-Plugins, Zahlungs- und Rechtsfragen unterscheiden sich |
| Unterschiedliche Kunden oder Firmen | nein | gemeinsame Datenbank und Super-Admin über alle Websites |
Wiegen Sie die Vorteile gegen die Nachteile ab. Vorteil: Ein Update von WordPress, Theme oder Plugin gilt für alle Websites gleichzeitig, das spart bei vielen ähnlichen Websites viel Pflegezeit. Nachteil: Ein fehlerhaftes Update trifft ebenfalls alle gleichzeitig, und ein Sicherheitsproblem in einer Website betrifft das ganze Netzwerk. Ein Umzug einzelner Websites aus dem Netzwerk heraus ist aufwendig. Prüfen Sie außerdem bei jedem Plugin, das Sie brauchen, auf der Plugin-Seite oder beim Hersteller, ob es Multisite unterstützt.
Verifizieren: Sie haben für jede geplante Website notiert, welches Theme und welche Plugins sie braucht, und die Unterschiede sind klein genug, um sie zentral zu pflegen.
Schritt 2: Installation vorbereiten
Richten Sie das Netzwerk zuerst auf einer Staging-Kopie ein, siehe Staging-Umgebung für WordPress mit WP-CLI. Sichern Sie dann die Live-Website vollständig, wie in WordPress vor Änderungen sichern beschrieben.
Die WordPress-Dokumentation verlangt zwei weitere Vorbereitungen: Permalinks müssen funktionieren, und alle Plugins müssen deaktiviert sein. Sie aktivieren sie nach der Einrichtung wieder.
wp db export ~/backup/vor-multisite-$(date +%F).sql
cp wp-config.php ~/backup/wp-config.php.vor-multisite
cp .htaccess ~/backup/htaccess.vor-multisite
wp plugin list --status=active --field=name > ~/backup/aktive-plugins.txt
wp plugin deactivate --all
wp rewrite structure '/%postname%/'
Die Datei aktive-plugins.txt hält fest, welche Plugins Sie danach wieder einschalten. Der letzte Befehl setzt sprechende Permalinks, falls sie noch nicht aktiv sind. Bei bestehenden Websites ändert er Adressen, also nur ausführen, wenn Ihre Website noch einfache Permalinks wie ?p=123 nutzt.
Wichtig für die Wahl der Netzwerkart: Ist Ihre Installation älter als einen Monat, bietet WordPress Unterverzeichnisse nicht mehr an. Die Netzwerk-Einrichtung begründet das mit möglichen Konflikten zwischen Permalinks der Hauptwebsite und den Pfaden der neuen Websites. Mit WP-CLI (Schritt 3) können Sie die Unterverzeichnis-Variante trotzdem wählen. Prüfen Sie dann, dass keine Seite der Hauptwebsite denselben Pfad nutzt wie eine geplante Website.
Verifizieren: wp plugin list --status=active gibt keine Plugins mehr aus, die Sicherungen liegen außerhalb des Webroots, und die Startseite lädt weiterhin.
Schritt 3: Netzwerk installieren
Fügen Sie in der wp-config.php oberhalb der Zeile /* That's all, stop editing! Happy publishing. */ diese Zeile ein:
define( 'WP_ALLOW_MULTISITE', true );
Laden Sie das Backend neu. Unter Werkzeuge erscheint der Punkt Netzwerk-Einrichtung mit der Seite „Ein Netzwerk von WordPress-Websites erstellen“. Tragen Sie Netzwerk-Titel und administrative E-Mail-Adresse ein, wählen Sie Subdomains oder Unterverzeichnisse und klicken Sie auf „Installieren“. WordPress zeigt danach individuelle Codezeilen für wp-config.php und .htaccess, die Sie übernehmen.
Mit WP-CLI erledigt ein Befehl Datenbank und Konfiguration:
wp core multisite-convert --title="Firmennetzwerk"
# für Subdomains stattdessen:
# wp core multisite-convert --title="Firmennetzwerk" --subdomains
Im Test meldete WP-CLI:
Set up multisite database tables.
Added multisite constants to 'wp-config.php'.
Success: Network installed. Don't forget to set up rewrite rules (and a .htaccess file, if using Apache).
WP-CLI schreibt dabei unter anderem define( 'MULTISITE', true );, SUBDOMAIN_INSTALL, DOMAIN_CURRENT_SITE und PATH_CURRENT_SITE in die wp-config.php. Achtung: Im Test stand WP_ALLOW_MULTISITE danach doppelt in der Datei, und jeder WP-CLI-Aufruf warnte mit PHP Warning: Constant WP_ALLOW_MULTISITE already defined. Entfernen Sie eine der beiden Zeilen.
Verifizieren: wp site list zeigt die Hauptwebsite mit blog_id 1, und die Datenbank enthält neue Tabellen wie wp_blogs, wp_site und wp_sitemeta.
Schritt 4: Rewrite-Regeln anpassen
Ohne neue Regeln funktionieren zwar die Startseiten der Websites, aber Dateien wie Stylesheets unter Unterverzeichnissen fehlen. Im Test lieferte /filiale/wp-includes/css/dashicons.min.css mit der alten .htaccess den Status 404. Ersetzen Sie den bisherigen WordPress-Block der .htaccess durch die Regeln für Unterverzeichnisse aus der WordPress-Dokumentation:
# BEGIN WordPress Multisite
RewriteEngine On
RewriteRule .* - [E=HTTP_AUTHORIZATION:%{HTTP:Authorization}]
RewriteBase /
RewriteRule ^index\.php$ - [L]
# add a trailing slash to /wp-admin
RewriteRule ^([_0-9a-zA-Z-]+/)?wp-admin$ $1wp-admin/ [R=301,L]
RewriteCond %{REQUEST_FILENAME} -f [OR]
RewriteCond %{REQUEST_FILENAME} -d
RewriteRule ^ - [L]
RewriteRule ^([_0-9a-zA-Z-]+/)?(wp-(content|admin|includes).*) $2 [L]
RewriteRule ^([_0-9a-zA-Z-]+/)?(.*\.php)$ $2 [L]
RewriteRule . index.php [L]
# END WordPress Multisite
Für Subdomains gelten kürzere Regeln ohne den Pfadanteil ([_0-9a-zA-Z-]+/)?, beide Varianten stehen in der verlinkten Dokumentation. Übernehmen Sie im Zweifel die Zeilen, die WordPress unter Werkzeuge > Netzwerk-Einrichtung nach der Installation anzeigt. Melden Sie sich danach neu an, denn WordPress setzt für das Netzwerk neue Anmelde-Cookies.
Verifizieren: In der Admin-Werkzeugleiste erscheint „Meine Websites“ mit dem Eintrag „Netzwerkverwaltung“. Deren Menü enthält Dashboard, Websites, Benutzer, Themes, Plugins und Einstellungen.
Schritt 5: Websites anlegen und Rechte festlegen
Neue Websites legen Sie in der Netzwerkverwaltung unter Websites > Website hinzufügen an oder per WP-CLI:
wp site create --slug=filiale --title="Filiale Dresden"
wp site list --fields=blog_id,url
wp user create filialadmin filiale@example.com --role=administrator --url=example.de/filiale/
Im Test entstand die Website unter /filiale/ mit eigenen Tabellen (wp_2_posts, wp_2_options und weitere). Die Benutzertabelle teilen sich alle Websites.
Wichtig für die Rechteplanung: Im Netzwerk gibt es die Rolle Super-Admin. Nur sie installiert Plugins und Themes. Ein Administrator einer einzelnen Website darf das nicht mehr. Im Test hatte der Filial-Administrator weder install_plugins noch activate_plugins noch unfiltered_html. Sollen Website-Administratoren Plugins selbst ein- und ausschalten, aktivieren Sie unter Einstellungen > Netzwerk-Einstellungen bei „Administrations-Menüs aktivieren“ die Option „Plugins“. Installieren können sie weiterhin nur, was der Super-Admin bereitstellt. Mehr zur Rollenverteilung finden Sie in Benutzerrollen und Rechte in WordPress vergeben.
Plugins aktivieren Sie jetzt entweder netzwerkweit oder je Website:
wp plugin activate PLUGIN --network
wp plugin activate PLUGIN --url=example.de/filiale/
Aktivieren Sie die Plugins aus aktive-plugins.txt einzeln und prüfen Sie nach jedem die Hauptwebsite und eine Unterwebsite.
Mit dem Netzwerk ändert sich die laufende Pflege: Jedes Update gilt für alle Websites, deshalb gehört vor jedes Update ein Test auf Staging und eine Sicherung der gesamten Datenbank. Wer diese Routine nicht selbst im Kalender halten möchte, kann sie abgeben: Die WordPress-Wartung von wordpressupdate.de übernimmt Updates von WordPress, Plugins und Themes mit Kompatibilitätsprüfung und wöchentliche Backups auf externen Speicher.
Verifizieren: wp plugin list zeigt netzwerkweit aktivierte Plugins mit dem Status active-network, und wp plugin list --url=example.de/filiale/ zeigt die nur dort aktiven Plugins als active.
Typische Fehler
PHP Warning: Constant WP_ALLOW_MULTISITE already definedDie Konstante steht nachmultisite-convertdoppelt in derwp-config.php. Eine Zeile löschen.- Unterwebsite ohne Design, Stylesheets mit Status 404. Die
.htaccessenthält noch die Regeln der Einzelinstallation. Regeln aus Schritt 4 einsetzen. - Unterverzeichnisse lassen sich nicht auswählen. Die Installation ist älter als einen Monat. WP-CLI ohne
--subdomainsnutzen und Pfadkonflikte prüfen. - Subdomain-Website nicht erreichbar. Wildcard-DNS oder Zertifikat für
*.example.defehlt. Beim Hoster einrichten lassen. - Website-Administrator sieht keine Plugins. Das ist im Netzwerk Standard. Menü unter Netzwerk-Einstellungen freigeben oder als Super-Admin aktivieren.
- Anmeldeschleife nach der Umstellung. Alte Cookies passen nicht mehr zum Netzwerk. Cookies der Domain löschen und neu anmelden.
Häufige Fragen
Kann ich eine Website später wieder aus dem Netzwerk lösen?
Ja, aber nicht per Knopfdruck. Sie exportieren die Inhalte der Website, zum Beispiel über Werkzeuge > Export, und importieren sie in eine neue Einzelinstallation. Medien, Benutzer und Plugin-Einstellungen müssen Sie dabei gesondert übertragen.
Kann jede Website eine eigene Domain bekommen?
Ja. Die Dokumentation beschreibt das als Domain-Zuordnung. Ein Super-Admin kann die Adresse einer Website in der Netzwerkverwaltung ändern. Jede Domain muss auf den Server zeigen und ein Zertifikat haben.
Wie sichere ich ein Netzwerk?
Ein Datenbank-Export enthält alle Websites. Das Rückspielen einer Sicherung setzt dann aber auch alle Websites zurück. Einzelne Websites stellen Sie gezielter über ihre Tabellen mit dem jeweiligen Präfix wieder her.
Testumfang
Getestet in einer Laborinstanz mit WordPress 7.1.2, PHP 8.4, Apache und WP-CLI 2.12.0: WP_ALLOW_MULTISITE, Seite Netzwerk-Einrichtung, wp core multisite-convert mit Unterverzeichnissen, .htaccess vor und nach dem Austausch (404 und 200), wp site create, Benutzer mit Administratorrolle auf einer Unterwebsite und dessen Rechte, Freigabe des Plugin-Menüs, netzwerkweite und websitebezogene Plugin-Aktivierung, Netzwerkverwaltung. Nicht getestet: Subdomains, Nginx, eigene Domains je Website und Übernahme einer gewachsenen Produktivsite.
Fazit
Multisite spart Arbeit, wenn mehrere Websites technisch gleich aufgebaut sind und zentral gepflegt werden. Die Einrichtung selbst dauert mit WP-CLI wenige Minuten. Die eigentliche Arbeit liegt in der Planung: Netzwerkart, Plugin-Verträglichkeit, Rechte und eine Update-Routine, die alle Websites zugleich trifft. Testen Sie den Umbau zuerst auf Staging. Für die laufenden Updates und Backups eines Netzwerks ist die betreute WordPress-Wartung eine Option.
Weiterführende Anleitungen und Quellen
- Staging-Umgebung für WordPress mit WP-CLI einrichten
- WordPress vor Änderungen sichern
- Benutzerrollen und Rechte in WordPress vergeben
- WordPress Developer: Before You Create A Network
- WordPress Developer: Create A Network
- WordPress Developer: Apache HTTPD und .htaccess (Multisite-Regeln)
- WP-CLI: wp core multisite-convert
- WP-CLI: wp site create


