pfSense / OPNsense als Firewall – Erstkonfiguration
So gelingt die Erstkonfiguration von pfSense und OPNsense als Firewall: Interfaces zuordnen, Setup-Assistent, DHCP-Server, DNS-Resolver, Firewall-Regeln nach Default-Deny, Port-Forward und erste Härtung, Schritt für Schritt mit Prüfpunkten.
Geprüft am 29.09.2026 · für OPNsense 26.7, pfSense CE latest docs
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pfSense und OPNsense sind FreeBSD-basierte, als Open Source kostenlose Firewalls, die fast vollständig per Web-GUI konfiguriert werden. Diese Anleitung führt durch die Erstkonfiguration beider Produkte parallel: Interface-Zuordnung, Setup-Assistent, DHCP, DNS-Resolver, Firewall-Regeln, Port-Forwarding und Grundhärtung.
Voraussetzungen
- pfSense CE oder OPNsense installiert (Appliance, Mini-PC oder VM) mit mindestens zwei Netzwerkkarten (WAN und LAN).
- Client-PC per Kabel am LAN-Port, IP per DHCP.
- Aktueller Webbrowser.
- Konsolenzugang (Monitor/Tastatur, seriell oder VM-Konsole).
- Zugangsdaten des Internetanschlusses, falls WAN nicht per DHCP läuft (z. B. PPPoE).
Hinweis: Ab Werk nutzen beide 192.168.1.0/24 mit Firewall-IP 192.168.1.1. Das kollidiert häufig mit Heim-Routern; planen Sie ggf. ein anderes LAN-Subnetz wie 192.168.10.0/24.
Schritt 1: Interfaces zuordnen (WAN und LAN)
Nach der Installation legen Sie im Konsolen-Menü fest, welche Netzwerkkarte WAN und welche LAN ist; ohne korrekte Zuordnung ist die GUI nicht erreichbar.
Wählen Sie Option 1 (Assign Interfaces). pfSense fragt erst WAN, dann LAN ab:
pfSense Konsole - Option 1: Assign Interfaces
Should VLANs be set up now? -> n
Enter the WAN interface name -> vtnet0 (bzw. em0)
Enter the LAN interface name -> vtnet1 (bzw. em1)
Do you want to proceed? -> y
OPNsense fragt umgekehrt erst LAN, dann WAN ab:
OPNsense Konsole - Option 1: Assign interfaces
Configure LAN interface -> em0
Configure WAN interface -> em1
bestaetigen
Welche Schnittstelle welcher Name ist (z. B. em0, vtnet0, igb0), zeigt oft der Link-Status beim Einstecken eines Kabels. Option 2 setzt IP-Adressen; Option 3 setzt bei pfSense das webConfigurator-Konto bzw. bei OPNsense das Root-Passwort zurück (nach einem Aussperren).
Verifizieren: Das Konsolen-Menü zeigt oben WAN und LAN mit den gewählten Adaptern; LAN trägt 192.168.1.1, WAN hat bei DHCP-Anschluss eine Adresse vom vorgelagerten Router oder Provider.
Schritt 2: Web-GUI öffnen und einloggen
Der DHCP-Server der Firewall ist ab Werk aktiv und vergibt dem Client eine IP aus 192.168.1.0/24. Öffnen Sie:
https://192.168.1.1
HTTP wird auf HTTPS umgeleitet; die Warnung zum selbstsignierten Zertifikat bestätigen Sie einmalig. Standard-Zugangsdaten:
| Produkt | Benutzer | Passwort | Assistent |
|---|---|---|---|
| pfSense CE | admin | pfsense | startet automatisch |
| OPNsense | root | opnsense | startet automatisch |
Der Setup-Assistent startet beim ersten Login. Bei pfSense Plus ab 24.03 ist der Passwortwechsel dabei Pflicht. Ein im OPNsense-Installer gesetztes Root-Passwort gilt statt opnsense. Später finden Sie den OPNsense-Assistenten unter System > Configuration > Wizard.
Verifizieren: Der Client hat per ipconfig (Windows) bzw. ip a (Linux) eine Adresse aus 192.168.1.0/24, und nach der Anmeldung erscheint die erste Seite des Setup-Assistenten.
Schritt 3: Setup-Assistent durchlaufen
Der Ablauf ist bei beiden ähnlich. pfSense:
- Welcome: Next.
- General Information: Hostname (z. B.
fw01), Domain (z. B.company.home.arpa), DNS-Felder leer lassen für den lokalen Resolver. - NTP / Zeitzone: z. B.
Europe/Berlin; NTP-Server Standard2.pfsense.pool.ntp.org. - WAN:
DHCP(Standard),Static,PPPoEoderPPTP. Block RFC1918 Private Networks und Block Bogon Networks bleiben im Internet-Betrieb aktiv. - LAN: Standard
192.168.1.1/24, bei Kollision ändern. - Admin-Passwort: starkes Passwort, nicht Default und nicht gleich dem Benutzernamen.
- Reload: Konfiguration neu laden.
OPNsense analog: General (Hostname, Domain, DNS z. B. 9.9.9.9), Timezone, WAN (DHCP), LAN (192.168.1.1/24), Root-Passwort, Reload.
Wichtig: Hängt Ihre Firewall in einem Testlabor hinter einem anderen NAT-Router mit privater WAN-IP, dann verhindern Block RFC1918 und Block Bogon Networks die WAN-Funktion. Entfernen Sie diese Haken in einem solchen Doppel-NAT-Szenario temporär.
Verifizieren: Nach dem Reload erreichen Sie die GUI unter der gewählten LAN-IP und melden sich mit dem neuen Passwort an. Das Dashboard zeigt Hostname, Domain und für WAN eine gültige IP-Adresse.
Schritt 4: DHCP-Server einrichten
Der DHCP-Server ist auf dem LAN aktiv; legen Sie den Adressbereich bewusst fest. Der alte ISC DHCP ist abgekündigt (End-of-Life). OPNsense nutzt in neuen Installationen Dnsmasq DNS & DHCP (für große Umgebungen Kea), pfSense empfiehlt Kea (umschaltbar unter System > Advanced > Networking).
pfSense:
Services > DHCP Server > Tab LAN
[x] Enable DHCP server on LAN interface
Range: 192.168.1.100 - 192.168.1.199
DNS servers: (leer lassen)
Save -> Apply Changes
OPNsense (Dnsmasq): Services > Dnsmasq DNS & DHCP > DHCP ranges, etwa 192.168.1.100 – 192.168.1.200 mit Gateway 192.168.1.1. Über rund 1000 Clients: Services > Kea DHCP.
Lassen Sie das DNS-Feld leer: Dann verteilt die Firewall ihre eigene IP als DNS-Server, und lokale Hostnamen werden aufgelöst. pfSense-Lease-Zeiten: Standard 7200 Sekunden (2 Stunden), maximal 86400 (1 Tag).
Verifizieren: Ein Client erhält nach ipconfig /renew bzw. Neuverbinden eine Adresse aus dem festgelegten Bereich und die Firewall-IP als Gateway und DNS-Server. Der Client erscheint in der Lease-Übersicht (pfSense Status > DHCP Leases, OPNsense bei Dnsmasq unter Services > Dnsmasq DNS & DHCP > Leases).
Schritt 5: DNS-Resolver (Unbound) prüfen
Beide nutzen Unbound als validierenden, rekursiven, cachenden Resolver, ab Werk aktiv. OPNsense:
Services > Unbound DNS > General
[x] Enable Unbound
pfSense: Services > DNS Resolver, standardmäßig an. Mit leerem DNS-Feld im DHCP (Schritt 4) lösen die Clients über die Firewall auf.
Verifizieren: nslookup s-edv.com 192.168.1.1 auf dem Client liefert eine IP-Adresse, und als antwortender Server erscheint die Firewall.
Schritt 6: Firewall-Regeln und das Default-Deny-Prinzip
Beide arbeiten nach dem Default-Deny-Prinzip: Am Ende jeder Regelkette verwirft eine implizite Block-Regel alles nicht Erlaubte. Regeln sind stateful und werden top-down nach first-match auf dem Interface ausgewertet, auf dem Pakete eingehen.
Ab Werk gibt es zwei automatische LAN-Regeln:
- Anti-Lockout-Regel: sichert GUI- und SSH-Zugriff aus dem LAN.
- Allow-LAN-to-any-Regel (IPv4 und IPv6): LAN-Clients dürfen sofort ins Internet.
Das WAN hat keine Allow-Regel; unaufgefordert Eingehendes wird geblockt. Neue Regel anlegen:
pfSense: Firewall > Rules > Tab LAN (bzw. WAN) > Add
OPNsense: Firewall > Rules > LAN (bzw. WAN) > + Add
Action: Pass / Block / Reject
Interface: LAN bzw. WAN
Protocol: z. B. TCP
Source / Destination / Destination Port
Save -> Apply Changes
Die drei Aktionen:
| Aktion | Verhalten | Empfehlung |
|---|---|---|
| Pass | Paket wird erlaubt. | für gewünschten Verkehr |
| Block | Paket wird still verworfen, keine Antwort. | für nicht vertrauenswürdige Netze |
| Reject | Paket wird verworfen, mit Antwort (TCP RST bzw. ICMP unreachable). | für interne Netze, schnelleres Feedback |
Der erste Treffer gewinnt: Eine zu weit oben stehende Regel übersteuert spätere, ganz unten greift das Default-Deny.
Verifizieren: In der Regelübersicht des LAN stehen Anti-Lockout- und Allow-LAN-to-any-Regel, auf dem WAN keine Pass-Regel. Ein Client im LAN erreicht Webseiten im Internet, und die Firewall-Logs (pfSense Status > System Logs > Firewall, OPNsense Firewall > Log Files > Live View) zeigen geblockte Zugriffe von außen auf das WAN.
Schritt 7: NAT und Port-Forward einrichten
Für einen aus dem Internet erreichbaren Dienst (z. B. Webserver) brauchen Sie einen Port-Forward und zusätzlich eine Pass-Regel auf dem WAN, denn sonst blockt Default-Deny das gemappte Paket.
Die Option Add associated filter rule erzeugt die Pass-Regel mit. pfSense:
Firewall > NAT > Tab Port Forward > Add
Interface: WAN
Protocol: TCP
Destination: WAN Address
Destination Port: 443
Redirect Target IP: 192.168.1.10 (interner Host)
Redirect Target Port: 443
Filter rule association: Add associated filter rule
Save -> Apply Changes
# Danach pruefen: Firewall > Rules > WAN -> Pass-Regel vorhanden?
OPNsense: Firewall > NAT > Destination NAT (früher Port Forward), mit + anlegen: Interface WAN, Protocol TCP, Destination WAN address, Ziel-Port, Redirect target IP (interner Host) und Redirect target port. Filter rule association auf Pass legt die Freigabe automatisch an. Speichern und Apply.
Verifizieren: Von außen, etwa per Mobilfunk-Hotspot, ist der Dienst unter der WAN-Adresse und dem freigegebenen Port erreichbar; bei pfSense steht die zugehörige Pass-Regel unter Firewall > Rules > WAN.
Schritt 8: Erste Härtung
Grundhärtung:
- Default-Passwort sofort ändern: nie
admin/pfsensebzw.root/opnsensebelassen, auch nicht im Labor; mindestens 15 Zeichen (NIST SP 800-63B), Passwort-Manager. - Kein Management vom WAN: keine Allow-Regel auf GUI/SSH im WAN.
- Eigenen Admin-User anlegen: nicht
adminbzw.rootim Alltag; eigener Benutzer mit minimalen Rechten. - SSH nur per Key.
- Admin-Zugriff einschränken: nur aus einem Management-Interface oder -VLAN.
- Updates regelmäßig einspielen.
SSH härten Sie bei pfSense unter System > Advanced > Admin Access:
System > Advanced > Admin Access
[x] Enable Secure Shell
[x] Disable password login for Secure Shell (RSA/DSA/ECDSA key only)
# Oeffentlichen Schluessel beim User hinterlegen:
# System > User Manager > (Benutzer bearbeiten) > Authorized SSH Keys
Lassen Sie die Anti-Lockout-Regel zunächst aktiv. Deaktivieren Sie sie nur, wenn vorher eine eigene Admin-Zugriffsregel existiert, sonst sperren Sie sich sofort aus. pfSense: System > Advanced > Admin Access, Disable webConfigurator anti-lockout rule; OPNsense: Firewall > Settings > Advanced, Disable anti-lockout.
Verifizieren: Die Anmeldung mit den Standard-Zugangsdaten schlägt fehl, ssh admin@192.168.1.1 ohne hinterlegten Schlüssel wird abgewiesen, und ein Portscan der WAN-Adresse von außen zeigt weder 443 noch 22 offen.
Typische Fehler
- Subnetz-Kollision: gleiches Subnetz vor und hinter der Firewall (Standard
192.168.1.1/24); LAN z. B. auf192.168.10.0/24ändern. - Block RFC1918 / Bogon im Labor: hinter einem NAT-Router mit privater WAN-IP blockieren diese Haken das WAN; im Lab temporär entfernen.
- Port-Forward ohne Pass-Regel: automatische Filterregel nutzen (pfSense Add associated filter rule, OPNsense Pass) oder Regel manuell anlegen.
- Anti-Lockout voreilig deaktiviert: erst eigene Admin-Zugriffsregel, dann Anti-Lockout aus.
- Default-Credentials belassen: siehe Schritt 8.
- ISC DHCP weiterverwenden: End-of-Life ohne Sicherheitsupdates; OPNsense auf Dnsmasq oder Kea, pfSense auf Kea migrieren.
- Regel-Reihenfolge übersehen: first-match auf dem Eingangs-Interface; Reihenfolge prüfen.
- Falsche DNS im DHCP: feste Fremd-DNS verhindern lokale Namensauflösung; DNS-Feld leer lassen.
Häufige Fragen
Soll ich pfSense oder OPNsense nehmen?
Für die hier beschriebenen Grundfunktionen sind beide gleichwertig. Die Wahl hängt von Plugins, GUI-Vorlieben und Support-Optionen ab.
Warum erreiche ich die Web-GUI nach der Installation nicht?
Prüfen Sie die Interface-Zuordnung (Konsole, Option 1), ob der Client am LAN-Port hängt und eine IP aus 192.168.1.0/24 hat. Dann https://192.168.1.1 aufrufen und die Zertifikatswarnung bestätigen.
Muss ich nach dem Setup-Assistenten noch Regeln für LAN-Internetzugang anlegen?
Nein. Allow-LAN-to-any- und Anti-Lockout-Regel existieren ab Werk (Schritt 6). Eigene Regeln brauchen Sie erst zum Einschränken oder Freigeben.
Mein Port-Forward funktioniert nicht – woran liegt das?
Meist fehlt die Pass-Regel auf dem WAN (Schritt 7). Prüfen Sie sie unter Firewall > Rules > WAN.
Welche DHCP-Backend-Variante soll ich wählen?
Nicht mehr ISC DHCP: OPNsense Dnsmasq (über rund 1000 Clients Kea), pfSense Kea (Schritt 4).
Wie verhindere ich, dass ich mich selbst aussperre?
Zuerst eine eigene Pass-Regel für vertrauenswürdige Admin-Hosts (idealerweise per Alias) anlegen, erst danach die Anti-Lockout-Regel deaktivieren.
Fazit
Interfaces zuordnen, Assistent durchlaufen, DHCP und Unbound prüfen, Regeln nach Default-Deny verstehen, Port-Forwards mit Pass-Regel anlegen: So gehen beide Produkte nach demselben Schema in Betrieb. Für den sicheren Betrieb entscheidend ist die Grundhärtung: Default-Passwort ändern, kein Management vom WAN, SSH per Key, eigene Admin-Konten mit minimalen Rechten, regelmäßige Updates.
Weiterführende Anleitungen und Quellen
- Netze sauber segmentieren als Ergänzung zur Firewall: VLANs verstehen und einen Managed Switch einrichten
- Sicherer Fernzugriff auf das Firmennetz: WireGuard-VPN für Homeoffice und Standortkopplung einrichten
- Grundlagen zur IP-Konfiguration der Clients: Feste IP, Gateway und DNS unter Windows und Linux setzen
- Weitere Anleitungen rund um Netzwerk: Kategorie Netzwerk
Quellen: Offizielle pfSense-Dokumentation von Netgate (Setup Wizard, Default Username and Password, NAT Port Forwards, DHCPv4) sowie die offizielle OPNsense-Dokumentation (Initial Installation & Configuration, Firewall Rules, DHCP mit Dnsmasq/Kea und Unbound DNS), geprüft für Stand 2025/2026.


