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📘 Anleitung Server & Netzwerk 02.06.2026 · 9 min Lesezeit

Feste IP, Gateway und DNS unter Windows und Linux setzen

Server, Drucker und Switches brauchen feste Adressen. So setzt du eine statische IP mit Gateway und DNS sauber unter Windows (netsh, PowerShell) und Linux (netplan, nmcli) - inklusive Verifikation und der häufigsten Stolperfallen.

Schaubild zur Konfiguration einer festen IP-Adresse sowie von Gateway und DNS unter Windows und Linux, mit IPv4-Einstellungen, Netzwerkadapter und Beispielwerten.

Wer einen Server, Netzwerkdrucker, eine NAS oder einen Switch betreibt, braucht eine planbare Adresse - keine, die der DHCP-Server bei der nächsten Lease neu vergibt. Dieser Leitfaden zeigt dir, wie du eine feste IP mit Gateway und DNS auf beiden Plattformen einrichtest: unter Windows per GUI, netsh und PowerShell, unter Linux per netplan (Ubuntu 24.04) und nmcli. Du bekommst copy-paste-fertige Befehle, eine CIDR-Tabelle und die Verifikationsschritte, mit denen du die Konfiguration nach dem Setzen prüfst. Am Ende stehen die typischen Fehler, die im Mittelstand immer wieder zu Adresskonflikten und ausgesperrten Remote-Sessions führen.

Kurzfassung: Eine statische IP-Konfiguration besteht aus vier Werten: IP-Adresse, Subnetzmaske (bzw. CIDR-Prefix wie /24), Standardgateway und mindestens einem DNS-Server. Windows: netsh interface ipv4 set address oder New-NetIPAddress plus Set-DnsClientServerAddress in einer Admin-Konsole. Linux: netplan-YAML mit routes/to: default und anschließend netplan try, oder nmcli connection modify ... ipv4.method manual. Immer mit ipconfig /all bzw. ip a + ip route gegenprüfen.

Voraussetzungen

Bevor du loslegst, brauchst du folgende Informationen und Rechte. Frag im Zweifel den Router/Firewall-Admin nach den passenden Werten - eine geratene Adresse führt schnell zum Konflikt.

  1. Geplante IP-Adresse außerhalb des DHCP-Bereichs deines Routers (sonst droht ein Adresskonflikt).
  2. Subnetzmaske bzw. CIDR-Prefix des Netzes (im LAN meist 255.255.255.0 = /24).
  3. Standardgateway - die Router-Adresse, die im selben Subnetz liegen muss.
  4. Mindestens ein DNS-Server (interner DNS oder öffentlich, z. B. 8.8.8.8).
  5. Administrative Rechte: Windows-Konsole als Administrator, unter Linux sudo.
  6. Name oder Index der Netzwerkkarte - vorher mit Get-NetAdapter bzw. ip a ermitteln.

Schritt 1: Die vier Kernwerte und CIDR verstehen

Jede statische Konfiguration setzt sich aus denselben vier Bausteinen zusammen. Wenn einer fehlt oder falsch ist, hängt der Rechner entweder ganz ohne Verbindung oder erreicht zwar das LAN, aber nicht das Internet.

  1. IP-Adresse: die eindeutige Adresse des Geräts, z. B. 192.168.1.100.
  2. Subnetzmaske / Prefix: legt fest, welcher Teil der Adresse das Netz und welcher den Host beschreibt.
  3. Standardgateway: der Weg nach draußen - muss im selben Subnetz wie die IP liegen.
  4. DNS-Server: löst Namen wie www.example.com in IP-Adressen auf.

Subnetzmaske und CIDR-Prefix sind nur zwei Schreibweisen für dasselbe. Windows-GUI und netsh wollen die Dezimalmaske, PowerShell, netplan und nmcli arbeiten mit dem Prefix:

CIDR-PrefixSubnetzmaskeHosts (nutzbar)Typischer Einsatz

/24

255.255.255.0

254

Standard-LAN, kleines Büro

/23

255.255.254.0

510

Größeres Segment

/16

255.255.0.0

65.534

Großes internes Netz

/8

255.0.0.0

16,7 Mio.

Sehr großes Netz (selten im LAN)

In PowerShell entspricht -PrefixLength 24 der Maske 255.255.255.0; in netplan und nmcli schreibst du beides zusammen als 192.168.1.100/24. Wenn du mit dem Umrechnen unsicher bist, hilft die verlinkte Subnetting-Anleitung am Ende.

Schritt 2: Statische IP unter Windows (GUI)

Der grafische Weg eignet sich für einzelne Arbeitsplätze. Über Einstellungen > Netzwerk und Internet öffnest du die Eigenschaften des Adapters, wählst bei der IP-Zuweisung Bearbeiten, stellst auf Manuell, aktivierst IPv4 und trägst IP-Adresse, Subnetzpräfix bzw. -maske, Gateway sowie bevorzugten und alternativen DNS ein. Danach auf Speichern.

Der klassische Dialog ist oft schneller erreichbar: Drücke Win+R, gib ncpa.cpl ein, öffne per Rechtsklick die Eigenschaften des Adapters, markiere Internetprotokoll Version 4 (TCP/IPv4) und wähle Folgende IP-Adresse verwenden sowie Folgende DNS-Serveradressen verwenden. Trage die vier Werte ein und bestätige mit OK.

Schritt 3: Statische IP unter Windows (netsh)

Für Skripte und schnelle Remote-Konfigurationen ist netsh ideal. Öffne dazu eine Eingabeaufforderung oder PowerShell als Administrator - ohne erhöhte Rechte quittiert Windows mit Zugriff verweigert. Der Pfad lautet heute netsh interface ipv4 (früher netsh interface ip). Ersetze Ethernet durch den genauen Namen deines Adapters.

# IP-Adresse, Maske und Gateway in einem Befehl setzen
netsh interface ipv4 set address name="Ethernet" source=static address=192.168.1.100 mask=255.255.255.0 gateway=192.168.1.1

# Primären DNS-Server setzen
netsh interface ipv4 set dns name="Ethernet" source=static address=8.8.8.8

# Sekundären DNS ergänzen (index=2 ist wichtig, sonst wird ersetzt statt ergänzt)
netsh interface ipv4 add dns name="Ethernet" address=8.8.4.4 index=2

Willst du den Adapter wieder auf DHCP umstellen, setzt du Adresse und DNS zurück auf die automatische Bezugsquelle:

netsh interface ipv4 set address name="Ethernet" source=dhcp
netsh interface ipv4 set dns name="Ethernet" source=dhcp

Schritt 4: Statische IP unter Windows (PowerShell)

Auf modernen Systemen und in der Automatisierung sind die Cmdlets aus den Modulen NetTCPIP und DnsClient die erste Wahl. Ermittle zunächst den InterfaceIndex deiner Karte, denn die Cmdlets adressieren die Schnittstelle darüber (alternativ über InterfaceAlias):

# Adapter samt Index, Name und Status anzeigen
Get-NetAdapter

Mit dem gefundenen Index (im Beispiel 12) setzt du IP, Prefix und Gateway in einem Schritt. Hinweis: Wird die IP auf eine Schnittstelle mit aktivem DHCP gesetzt, deaktiviert Windows DHCP automatisch.

# IP-Adresse, Prefix und Gateway setzen (offizielles MS-Beispiel)
New-NetIPAddress -InterfaceIndex 12 -IPAddress 192.168.1.100 -PrefixLength 24 -DefaultGateway 192.168.1.1

# DNS-Server (primär + sekundär) zuweisen
Set-DnsClientServerAddress -InterfaceIndex 12 -ServerAddresses ("8.8.8.8","8.8.4.4")

Existiert auf der Karte bereits eine alte statische IP oder Route, entferne sie vorher, sonst kann New-NetIPAddress mit einem Konflikt scheitern:

# Vorhandene IP und Default-Route vor dem Neusetzen entfernen
Remove-NetIPAddress -InterfaceIndex 12 -Confirm:$false
Remove-NetRoute -InterfaceIndex 12 -DestinationPrefix 0.0.0.0/0 -Confirm:$false

Zurück auf DHCP holst du den DNS so:

Set-DnsClientServerAddress -InterfaceIndex 12 -ResetServerAddresses

Schritt 5: Statische IP unter Linux mit netplan

Auf Ubuntu- und Debian-Servern (Ubuntu 24.04 nutzt standardmäßig netplan.io) liegen die Konfigurationen als YAML unter /etc/netplan/*.yaml (etwa 50-cloud-init.yaml). Lege eine eigene Datei an, z. B. /etc/netplan/01-static.yaml, und schütze sie mit chmod 600. Entscheidend: 2 Leerzeichen Einrückung pro Ebene, niemals Tabs. Den Schnittstellennamen (hier enp3s0) prüfst du vorher mit ip a.

network:
  version: 2
  ethernets:
    enp3s0:
      dhcp4: false
      dhcp6: false
      addresses:
        - 192.168.1.100/24
      routes:
        - to: default
          via: 192.168.1.1
      nameservers:
        addresses:
          - 8.8.8.8
          - 8.8.4.4
        search:
          - example.lan

Beachte den Standardgateway-Eintrag: Der frühere Schlüssel gateway4 ist deprecated und löst eine Warnung aus. Aktuell nutzt du die routes-Sektion mit - to: default und via:. Anwenden und absichern tust du in drei Stufen:

# 1. Syntax prüfen (erzeugt die Backend-Konfiguration)
sudo netplan generate

# 2. Risikofrei testen: bei fehlender Bestätigung Auto-Rollback nach 120 s
sudo netplan try

# 3. Dauerhaft übernehmen
sudo netplan apply

# Status der Schnittstelle anzeigen
netplan status enp3s0

netplan try ist dein Sicherheitsnetz: Tippst du dich über SSH aus dem System aus, rollt netplan nach 120 Sekunden automatisch zurück.

Schritt 6: Statische IP unter Linux mit nmcli

Auf Desktops sowie Fedora/RHEL verwaltet meist der NetworkManager die Verbindungen; das Werkzeug dafür heißt nmcli. Bei ipv4.method manual wird statisch konfiguriert, auto bedeutet DHCP. Mehrere DNS-Server gibst du als komma-getrennte Liste in Anführungszeichen an. So änderst du eine bestehende Verbindung:

# Bestehende Verbindung auf statisch umstellen
sudo nmcli connection modify "Wired connection 1" ipv4.method manual ipv4.addresses 192.168.1.100/24 ipv4.gateway 192.168.1.1 ipv4.dns "8.8.8.8,8.8.4.4"

# Änderung aktivieren
sudo nmcli connection up "Wired connection 1"

Eine komplett neue Verbindung legst du so an und prüfst sie direkt:

# Neue statische Ethernet-Verbindung erstellen
sudo nmcli connection add type ethernet con-name static-eth0 ifname eth0 ipv4.method manual ipv4.addresses 10.0.0.50/24 ipv4.gateway 10.0.0.1 ipv4.dns "1.1.1.1,8.8.8.8"

# Konfiguration der Verbindung anzeigen
nmcli connection show static-eth0

Auf älteren Debian-Systemen mit ifupdown trägst du die Werte stattdessen in /etc/network/interfaces ein. Achtung: dns-nameservers wirkt dort nur mit installiertem resolvconf.

auto eth0
iface eth0 inet static
    address 192.168.1.100
    netmask 255.255.255.0
    gateway 192.168.1.1
    dns-nameservers 8.8.8.8 8.8.4.4
# danach: sudo systemctl restart networking

Schritt 7: Konfiguration verifizieren

Nach dem Setzen prüfst du immer drei Dinge: Ist die Adresse aktiv, stimmt das Gateway, funktioniert die Namensauflösung? Erst dann ist die Arbeit erledigt.

Unter Windows zeigt dir ipconfig /all alle Werte inklusive DNS auf einen Blick. Mit ping testest du die Erreichbarkeit des Gateways, mit nslookup die DNS-Auflösung:

ipconfig /all
ping 192.168.1.1
nslookup www.example.com

Unter Linux sind die Werte auf mehrere Befehle verteilt: ip a zeigt die Adresse, ip route das Standardgateway, resolvectl status die aktiven DNS-Server (auf systemd-resolved-Systemen).

ip a
ip route
resolvectl status
ping -c4 192.168.1.1
nslookup www.example.com

Wenn ping auf die IP klappt, aber nslookup scheitert, fehlt fast immer der DNS-Server - dazu gleich mehr.

Typische Fehler

Die meisten Probleme bei statischer IP-Konfiguration sind immer dieselben. Diese Liste spart dir die Fehlersuche:

  1. YAML mit Tabs: In netplan sind nur Leerzeichen (2 pro Ebene) erlaubt. Tabs führen zu Invalid YAML und netplan apply bricht ab. Deshalb vorher immer netplan generate oder netplan try laufen lassen.
  2. Veraltetes gateway4: gateway4: x.x.x.x erzeugt eine Deprecation-Warnung. Nutze die routes-Sektion mit to: default und via:.
  3. Falsches oder fehlendes Gateway: Liegt das Gateway im falschen Subnetz, erreichst du zwar das lokale LAN, aber kein Internet. In PowerShell muss das DefaultGateway im selben Subnetz wie die IP liegen, sonst scheitert New-NetIPAddress.
  4. Fehlender DNS: ping <IP> funktioniert, der Browser aber nicht. Setze immer mindestens einen DNS-Server (z. B. 8.8.8.8).
  5. Doppelte IP-Adresse: Windows-DAD (Duplicate Address Detection) macht die Adresse bei Konflikt unbrauchbar. Vergib statische IPs außerhalb des DHCP-Bereichs des Routers.
  6. Falscher Interface-Name/-Index: netplan, nmcli und PowerShell konfigurieren sonst stumm die falsche Karte. Vorher mit ip a bzw. Get-NetAdapter verifizieren.
  7. Rechte vergessen: netsh und PowerShell-Cmdlets brauchen eine Konsole als Administrator, Linux-Befehle sudo. Sonst kommt Zugriff verweigert bzw. Permission denied.
  8. Aussperren bei SSH/RDP: Ein Tippfehler bei IP oder Gateway trennt die Remote-Session. Unter Linux deshalb netplan try nutzen, bei nmcli über lokale Konsole oder iLO absichern.

Häufige Fragen

Brauche ich für jede statische IP zwingend einen DNS-Server?

Für die reine Erreichbarkeit per IP nicht, für alles per Namen schon. Ohne DNS funktioniert ping 192.168.1.1, aber kein Surfen und keine Domain-Auflösung. Setze daher immer mindestens einen DNS-Server - intern oder öffentlich wie 8.8.8.8 (Google), 1.1.1.1 (Cloudflare) oder 9.9.9.9 (Quad9).

Warum sollte die statische IP außerhalb des DHCP-Bereichs liegen?

Vergibt der Router dieselbe Adresse später per DHCP an ein anderes Gerät, entsteht ein Adresskonflikt und beide Geräte verlieren die Verbindung. Reserviere im Router einen Bereich für statische Adressen oder lege die feste IP bewusst außerhalb des DHCP-Pools.

Was ist der Unterschied zwischen netplan und nmcli?

netplan ist auf Ubuntu/Debian-Servern Standard und beschreibt die Konfiguration deklarativ als YAML. nmcli steuert den NetworkManager, der vor allem auf Desktops und unter Fedora/RHEL läuft, und arbeitet befehlsorientiert. Auf Ubuntu-Desktops kann netplan den NetworkManager sogar als Backend nutzen.

Wie teste ich eine Änderung gefahrlos über SSH?

Unter Linux ist sudo netplan try die sichere Variante: Bestätigst du nicht innerhalb von 120 Sekunden, rollt netplan automatisch auf die vorherige Konfiguration zurück. So sperrst du dich bei einem Tippfehler nicht dauerhaft aus.

Wie komme ich wieder zurück auf DHCP?

Windows: netsh interface ipv4 set address name="Ethernet" source=dhcp und ... set dns ... source=dhcp, in PowerShell Set-DnsClientServerAddress -ResetServerAddresses. Linux: in netplan dhcp4: true setzen und netplan apply, in nmcli ipv4.method auto.

Welche Subnetzmaske brauche ich im normalen Büro-LAN?

In den allermeisten kleinen Netzen ist es /24 bzw. 255.255.255.0 mit bis zu 254 nutzbaren Hosts. Wenn du größere Segmente planst oder Subnetze zusammenfasst, hilft die verlinkte Subnetting-Anleitung beim Umrechnen von Prefix und Maske.

Fazit

Eine statische IP ist schnell gesetzt, wenn die vier Kernwerte stimmen: Adresse, Maske/Prefix, Gateway im selben Subnetz und ein erreichbarer DNS-Server. Unter Windows wählst du je nach Situation GUI, netsh oder PowerShell, unter Linux netplan für Server oder nmcli für Desktops. Entscheidend sind drei Gewohnheiten: den Interface-Namen vorher prüfen, Änderungen über netplan try oder eine lokale Konsole absichern und am Ende mit ipconfig /all bzw. ip a + ip route + nslookup verifizieren. Dann läuft der Server stabil unter seiner geplanten Adresse - ohne Adresskonflikt und ohne ausgesperrte Remote-Session.

Weiterführende Anleitungen und Quellen

  1. Subnetting und CIDR verständlich erklärt - hilft beim Umrechnen von Prefix und Subnetzmaske.
  2. DNS-Records erklärt (A, AAAA, CNAME, MX, TXT) - was DNS-Server eigentlich auflösen.
  3. VLANs verstehen und Managed Switch einrichten - für saubere Netzsegmentierung.
  4. Weitere Anleitungen aus der Kategorie Netzwerk

Quellen: Microsoft Learn - New-NetIPAddress (NetTCPIP), Set-DnsClientServerAddress und netsh interface (Windows Commands); Netplan-Dokumentation - How to use static IP addresses. Stand der Recherche: Juni 2026.