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Backup & Datensicherung 22.09.2026 · 6 min Lesezeit

Windows-Updates vom September 2026 legen den Dateiversionsverlauf lahm

Nach den September-2026-Sicherheitsupdates kann der Dateiversionsverlauf auf betroffenen Windows-Clients keine Sicherungen mehr erstellen oder aktualisieren. Microsoft nennt acht ursächliche KB-Updates, aber bisher weder eine Umgehungslösung noch einen Rollback. Was Admins jetzt prüfen sollten.

Illustration einer externen Festplatte mit gestoppter Fortschrittsanzeige als Symbol für den ausgefallenen Dateiversionsverlauf unter Windows KI-generiert

Wer auf Windows-Clients ausschließlich den Dateiversionsverlauf als Sicherung nutzt, hat seit den September-2026-Sicherheitsupdates möglicherweise gar keine funktionierende Sicherung mehr. Microsoft hat in einem Service Alert bestätigt, dass die Funktion auf betroffenen Geräten keine neuen Sicherungen mehr anlegt oder bestehende aktualisiert. Das Tückische daran: Die Oberfläche meldet keinen klaren Fehler, sondern zeigt einen stehengebliebenen Zeitstempel und eine irreführende Aufforderung, das Laufwerk erneut zu verbinden.

Handlungsbedarf besteht heute, aber nicht in Form eines Notfall-Patches. Microsoft hat bislang weder eine Umgehungslösung noch einen Known-Issue-Rollback veröffentlicht, sondern arbeitet laut KB-Artikeln an einem Fix in einem künftigen Update. Was heute zu tun ist, ist eine Bestandsaufnahme: Welche Geräte hängen überhaupt am Dateiversionsverlauf, und wann wurde dort zuletzt wirklich gesichert. Wer zentrale Backup-Software mit Überwachung einsetzt oder Windows Backup nach OneDrive nutzt, ist von diesem Fehler nicht betroffen.

Was ist passiert?

Microsoft hat am 21. September 2026 in einem Service Alert eingeräumt, dass die Installation der September-2026-Sicherheitsupdates den Dateiversionsverlauf auf manchen Systemen außer Betrieb setzt. Der Wortlaut in den KB-Artikeln ist eindeutig: Nach der Installation können Kunden, die File History nutzen, möglicherweise keine Sicherungen mehr erstellen oder aktualisieren. Die Funktion ist über Systemsteuerung, System und Sicherheit, Dateiversionsverlauf erreichbar und sichert Benutzerordner auf ein externes Laufwerk oder eine Netzwerkfreigabe.

Aufgefallen ist das Problem zuerst dem Microsoft-MVP Susan Bradley, BleepingComputer hat den Service Alert anschließend eingesehen und öffentlich gemacht. Inzwischen steht der Punkt auch in den offiziellen KB-Artikeln der betroffenen Updates unter den bekannten Problemen. Dort notiert Microsoft als Lösungsstand lediglich, dass an einer Behebung in einem künftigen Windows-Update gearbeitet wird und weitere Informationen folgen. Eine Umgehungslösung oder ein Known-Issue-Rollback wird in den geprüften KB-Artikeln nicht genannt.

Woran Sie das Problem erkennen

Der Fehler tritt nicht als klare Fehlermeldung auf, sondern als Sammlung unauffälliger Symptome. Genau deshalb ist er für den Betrieb gefährlich: Anwender halten die Sicherung für intakt, obwohl seit Tagen nichts mehr geschrieben wird.

  • In der Ereignisanzeige tauchen Absturzereignisse von Anwendungen auf, die auf FileHistory.exe und KERNELBASE.dll verweisen.
  • Windows zeigt die Meldung, das Laufwerk erneut zu verbinden, obwohl ein kompatibles Sicherungslaufwerk korrekt angeschlossen ist und einwandfrei funktioniert.
  • Der Zeitstempel unter Letzte Sicherung wird nicht mehr aktualisiert und bleibt auf einem alten Datum stehen.
  • Für zuvor gesicherte Dateien meldet Windows, dass keine früheren Versionen verfügbar sind.

Ein stehengebliebener Zeitstempel allein ist bereits ein ausreichender Verdacht. Wer nur die Oberfläche anschaut und dort keine rote Fehlermeldung findet, übersieht den Ausfall zuverlässig.

Wer ist betroffen?

Microsoft nennt konkrete Windows-Versionen und das jeweils ursächliche Update. Betroffen sind laut Herstellerangaben Windows 10 ab Version 21H2 sowie Windows 11 ab Version 23H2, inklusive der LTSC-Ausgaben.

  • Windows 11, Version 26H1: KB5124012
  • Windows 11, Version 25H2: KB5124008
  • Windows 11, Version 24H2: KB5124008
  • Windows 11, Version 23H2: KB5122880
  • Windows 10, Version 22H2: KB5122878
  • Windows 10, Version 21H2: KB5122878
  • Windows 10 Enterprise LTSC 2019: KB5122876
  • Windows 10 Enterprise LTSC 2016: KB5123099

Microsoft schreibt ausdrücklich von manchen Kunden und manchen Geräten, nicht von allen. Die Installation eines der genannten Updates bedeutet also nicht automatisch, dass der Dateiversionsverlauf steht. Umgekehrt gilt: Ohne manuelle Prüfung wissen Sie nicht, auf welcher Seite Ihre Geräte stehen.

Nicht betroffen sind Umgebungen, die gar keinen Dateiversionsverlauf einsetzen. Dazu zählen Arbeitsplätze mit zentraler Backup-Software, Nutzer von Windows Backup mit Sicherung nach OneDrive sowie Serverbetrieb, wo die Funktion ohnehin keine Rolle spielt. Auch Sicherungen per Schattenkopie oder Drittanbieter-Agent sind von diesem konkreten Fehlerbild nicht erfasst.

Wie kritisch ist das?

Es handelt sich nicht um eine Sicherheitslücke und nicht um Datenverlust durch das Update selbst. Bereits gesicherte Daten auf dem Zielmedium bleiben vorhanden. Kritisch ist die stille Schutzlücke: Zwischen dem Ausfall und dem Moment, in dem jemand eine Datei wiederherstellen will, können Wochen liegen. Wer in dieser Zeit eine Datei überschreibt, löscht oder sich Ransomware einfängt, steht ohne aktuellen Stand da.

Die Einordnung hängt stark davon ab, welche Rolle der Dateiversionsverlauf bei Ihnen spielt. Die Funktion ist eine Endnutzer-Bequemlichkeit zum Zurückholen einzelner Dateiversionen, kein Unternehmens-Backup. Sie kennt keine zentrale Überwachung, keine Aufbewahrungsrichtlinie im eigentlichen Sinne, keine Unveränderlichkeit und keine geordnete Wiederherstellung eines kompletten Arbeitsplatzes. Wo sie trotzdem als einzige Sicherung im Einsatz ist, ist der aktuelle Fehler ein gutes Argument, diesen Zustand grundsätzlich zu beenden.

Ein Ausrollstopp für die September-Updates ist die falsche Konsequenz. Die betreffenden Updates schließen Sicherheitslücken, und der Dateiversionsverlauf ist ersetzbar. Deinstallation der Sicherheitsupdates, um eine Endnutzer-Sicherungsfunktion zurückzubekommen, verschlechtert die Gesamtlage.

Was sollten Admins jetzt tun?

  • Bestand prüfen: Feststellen, auf welchen Clients der Dateiversionsverlauf überhaupt aktiv ist und welcher Patchstand dort installiert ist. Abgleich mit der Liste der ursächlichen KB-Nummern oben.
  • Ereignisanzeige auswerten: Auf betroffenen Geräten im Anwendungsprotokoll nach Absturzereignissen mit Bezug auf FileHistory.exe und KERNELBASE.dll suchen. Das ist der belastbarste Indikator.
  • Sicherungsstand manuell verifizieren: Nicht der Oberfläche vertrauen, sondern auf dem Zielmedium in den Ordner der Dateiversionen schauen und die Zeitstempel der zuletzt geschriebenen Dateien prüfen.
  • Übergangslösung schaffen: Für betroffene Arbeitsplätze eine andere Sicherung aktivieren, etwa eine zentrale Backup-Lösung, Windows Backup nach OneDrive oder ein Werkzeug mit eigener Zeitplanung.
  • Wiederherstellung testen: Auf mindestens einem Gerät pro Gruppe eine echte Datei zurückholen. Eine Sicherung, die nie zurückgespielt wurde, ist eine Annahme, keine Sicherung.
  • Anwender informieren: Wer die Meldung zum erneuten Verbinden des Laufwerks sieht, soll nicht am Kabel oder an der Freigabe herumprobieren, sondern melden.
  • Update-Stand beobachten: Die KB-Artikel der eingesetzten Updates im Blick behalten, bis Microsoft einen Fix liefert. Die September-Updates selbst nicht deinstallieren.

Einordnung für Unternehmen

Der Vorfall reiht sich in eine unruhige Update-Runde ein. Eine Woche vor dem Service Alert hatte Microsoft außerplanmäßige Updates nachgeschoben, um Ausfälle der Remotedesktopdienste, Hyper-V-Probleme und Fehler bei USB-Audiogeräten zu beheben. Der Hersteller bestätigte zugleich, dass diese Notfall-Updates nicht alle Audio-Probleme gelöst haben und weiter an einer Lösung gearbeitet wird. Für Administratoren heißt das vor allem: Die September-Welle braucht Nachkontrolle, nicht nur eine Erfolgsmeldung aus der Update-Verwaltung.

Der eigentliche Lerneffekt liegt jenseits des konkreten Fehlers. Eine Sicherung ohne Überwachung ist keine Sicherung, sondern ein Gefühl. Der Dateiversionsverlauf fällt hier deshalb so unangenehm aus, weil er keinen Kanal kennt, über den ein Ausfall irgendwo zentral aufläuft. In kleinen Unternehmen ohne dedizierte IT ist genau das der Normalfall: Ein externes Laufwerk am Arbeitsplatz, einmal eingerichtet, danach nie wieder angesehen.

Wer diesen Zustand kennt, sollte den Anlass nutzen und die Sicherung für Arbeitsplätze auf eine Lösung mit Statusmeldung, Aufbewahrungsregel und geplanter Wiederherstellungsprobe umstellen. Der Aufwand dafür ist überschaubar und fällt einmalig an. Ein Datenverlust, der erst beim Wiederherstellungsversuch auffällt, kostet ungleich mehr.

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Quellen

WindowsBackupMicrosoftDateiversionsverlaufPatchdayWindows 11Windows 10