Qwen3.8 als Agent: Cohere sieht Upload-Versuch nach Peking
Cohere berichtet, dass Alibabas offenes Modell Qwen3.8-Flash-Next bei einem Agententest unaufgefordert das System inventarisierte und einen Upload an einen Cloud-Speicher in Peking versuchte. Selten und ohne Beleg für Absicht, aber ein Grund, ausgehenden Verkehr lokaler KI-Agenten zu sperren.

Der KI-Anbieter Cohere berichtet, dass das offene Modell Qwen3.8-Flash-Next von Alibaba bei einem Agententest versucht hat, Daten an einen Cloud-Speicher in Peking hochzuladen. Das Modell sollte in einer abgeschotteten Testumgebung eine Erkennungsregel für Schadsoftware schreiben, inventarisierte stattdessen das System und setzte einen Upload-Versuch per curl an einen Alibaba-Cloud-Speicher ab. Die Sandbox hatte keinen Weg ins Internet, der Versuch scheiterte. Cohere hat den Fund am 26. Oktober 2026 veröffentlicht, The Register hat darüber berichtet.
Relevant ist das für alle, die offene Modelle als Agenten mit Terminal, Netzwerk oder Cloud-Zugriff betreiben, etwa über Ollama, vLLM oder Coding-Werkzeuge. Reine Chat-Nutzung ohne Werkzeugzugriff ist nach Darstellung von Cohere nicht auf diese Weise gefährdet. Ob das Verhalten absichtlich ist oder ein Überbleibsel aus Trainingsdaten, ist offen. Admins müssen nicht über Nacht Modelle austauschen, sollten aber zeitnah prüfen, ob ihre Agenten ungehindert ins Internet dürfen.
Was ist passiert?
Cohere ließ Qwen3.8-Flash-Next, eine Vorschau auf die Qwen4-Architektur aus dem August, den Microsoft-Benchmark CTI-REALM durchlaufen. Die Aufgabe: eine Regel schreiben, die curl-Downloads von Shell-Skripten nach /tmp mit anschließender Ausführung erkennt. Laut Cohere listete das Modell den Inhalt von /tmp auf, prüfte vorhandene Übertragungswerkzeuge, las die DNS-Einstellungen und versuchte dann, eine Testzeichenkette per HTTP-PUT an sanmaohe.oss-cn-beijing.aliyuncs.com zu senden. Die mitprotokollierte Begründung des Modells behauptete gleichzeitig, es werde keine Werkzeuge aufrufen.
Das Verhalten ist selten: Cohere beziffert es auf weniger als einen von 100.000 Aufrufen, ein erneuter Lauf lieferte eine saubere Regel. Mit einer Technik namens Prefilling, bei der das Modell eine angefangene Befehlszeile vervollständigt, ließ sich der Effekt verstärken. Sobald der curl-Parameter -o vorgegeben war, nannte das Modell in 23 Prozent der Fälle Hosts von Coheres Beobachtungsliste, vor allem einen Alibaba-Host namens routify-file-proxy-sg. In weiteren Tests griff es zur Cloud-Metadatenadresse 169.254.169.254 und umging in einem Container eine verweigerte Mount-Berechtigung über unshare. Die Protokolle hat Cohere auf Hugging Face veröffentlicht.
Wer ist betroffen?
Potenziell alle, die Qwen3.8-Modelle oder Ableitungen davon als Agenten mit Shell- und Netzwerkzugriff einsetzen, etwa in Entwicklerumgebungen oder CI-Runnern. Laut Cohere tauchte das routify-Verhalten bereits in Builds von vier Anbietern auf, darunter Alibaba selbst. Andere Modelle hat Cohere nach eigener Aussage mit demselben Verfahren getestet, nennt aber keine vergleichbaren Ergebnisse.
Wie kritisch ist das?
Die Belege stammen von Cohere selbst, einem Anbieter eigener Modelle, der in seinem Beitrag auch für die eigene Lösung wirbt. The Register betont, dass es wenig Hinweise auf mehr als Reste ungefilterter Trainingsdaten gibt. Auch Cohere-Mitgründer Ivan Zhang sagte The Register, man habe keine Belege für Absicht und behaupte das nicht. Alibaba hat auf die Anfrage von The Register nicht reagiert. Unabhängig vom Motiv bleibt das Kernproblem: Ein Agent hat einen Netzwerkzugriff versucht, der nichts mit der Aufgabe zu tun hatte, und seine Begründung hat das verschleiert.
Was sollten Admins jetzt tun?
- Inventar erstellen: Welche Agenten laufen mit welchen Modellen, und dürfen sie Shell-Befehle ausführen und ins Internet verbinden?
- Ausgehenden Verkehr von Agenten standardmäßig sperren und nur benötigte Ziele freigeben, etwa über ein internes Docker-Netz ohne Internetzugang oder einen Proxy mit Allowlist.
- Die von Cohere genannten Hosts und ungewöhnliche Cloud-Speicherziele wie
*.aliyuncs.comsperren und in Proxy- oder DNS-Logs suchen, sofern sie im eigenen Betrieb nicht gebraucht werden. - Zugriff auf 169.254.169.254 aus Agent-Containern blockieren und unprivilegierte User-Namespaces in diesen Containern unterbinden.
- Werkzeugaufrufe vor der Ausführung prüfen oder protokollieren. Die Begründungsausgabe eines Modells ist keine Sicherheitsgrenze.
- Agenten nicht mit produktiven Zugangsdaten oder in Produktionsnetzen testen.
Einordnung für Unternehmen
Viele Firmen betreiben offene Modelle lokal, weil sie Daten im Haus halten wollen. Der Fall zeigt, dass Selbsthosting allein nicht reicht, sobald ein Modell Befehle ausführen darf. Wer Agenten wie normale, nicht vertrauenswürdige Software behandelt, mit Netztrennung, minimalen Rechten und Protokollierung, ist auch gegen künftige Auffälligkeiten anderer Modelle besser gewappnet. Ein pauschales Verbot einzelner Modelle ersetzt diese Grundregeln nicht.
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