OpenSSL: Neun Schwachstellen im Sicherheitsrelease vom 9. Juni 2026, darunter High-Risk Use-After-Free in PKCS7
OpenSSL 3.0.21, 3.4.6, 3.5.7, 3.6.3 und 4.0.1 schliessen neun Sicherheitsluecken. Die kritischste, CVE-2026-45447, ist ein Use-After-Free in PKCS7_verify(), fuer den bereits ein oeffentlicher PoC existiert.

Das OpenSSL-Projekt hat am 9. Juni 2026 Sicherheitsupdates fuer die unterstuetzten Branches veroeffentlicht. Insgesamt neun Schwachstellen werden geschlossen, darunter eine High-Risk Use-After-Free-Luecke in PKCS7_verify(), die unter Umstaenden zu Remote Code Execution fuehren kann. Erste Distributionen haben die Pakete bereits nachgezogen, unter anderem Ubuntu mit USN-8414-1.
Das Wichtigste in Kuerse
- Release-Datum: 9. Juni 2026
- Betroffene Branches: OpenSSL 4.0, 3.6, 3.5, 3.4, 3.0 (1.1.1 als LTS-Patch)
- Anzahl CVE: neun, die kritischste mit CVSS 3.1 8.8 (High)
- Schwerster Einzelfall: CVE-2026-45447 (Use-After-Free in
PKCS7_verify()) - oeffentlicher PoC seit 11. Juni 2026 - FIPS-Module: 4.0, 3.6, 3.5, 3.4, 3.0 sind vom Use-After-Free nicht betroffen
Was ist neu?
Die Updates aktualisieren die unterstuetzten Branches auf die folgenden Versionen:
- OpenSSL 4.0.1
- OpenSSL 3.6.3
- OpenSSL 3.5.7
- OpenSSL 3.4.6
- OpenSSL 3.0.21
- OpenSSL 1.1.1zh (LTS-Patch fuer 1.1.1)
Welche Fehler wurden behoben?
Die Release-Notes fuer OpenSSL 3.0.21 listen unter anderem:
- CVE-2026-45447: Heap Use-After-Free in
PKCS7_verify()bei der Verarbeitung bestimmter PKCS#7- oder S/MIME-Signaturen, potenziell RCE. - CVE-2026-34182: CMS-
AuthEnvelopedData-Verarbeitung konnte gefaelschte Nachrichten akzeptieren. - CVE-2026-45445: AES-OCB-IV wurde auf dem
EVP_Cipher()-Pfad ignoriert. - CVE-2026-7383: Heap-Buffer-Overflow in der ASN.1-Multibyte-String-Konvertierung.
- CVE-2026-9076: Out-of-Bounds-Read in der CMS-Passwort-basierten Entschluesselung.
- CVE-2026-34180: Heap-Buffer-Over-Read in der ASN.1-Content-Parsing.
- CVE-2026-42766: NULL-Dereferenz in der CMS-Passwort-basierten Entschluesselung.
- CVE-2026-42770: FFC-DH-Peer-Validierung nutzte einen vom Angreifer gelieferten
q-Wert. - CVE-2026-45446: Fehlerhafte Tag-Verarbeitung fuer leere Nachrichten in AES-GCM-SIV und AES-SIV.
Gibt es Sicherheitskorrekturen?
Ja, alle genannten CVEs sind Sicherheitsluecken. Der offizielle Schweregrad fuer den gesamten Release ist High (laut OpenSSL 3.0-Series-Release-Notes). Die im NVD gelistete CVSS-3.1-Bewertung fuer CVE-2026-45447 liegt bei 8.8 (High). Ein einzelner Drittanbieter-Indexer (cvefeed) zeigt 9.8, was nicht der NVD-Bewertung entspricht. Wir verwenden die NVD-Angabe.
Wen betrifft das Update?
- Webserver, Mailserver, TLS-Terminatoren: jede Distribution oder Eigeninstallation, die einen betroffenen Branch einsetzt.
- Anwendungen, die PKCS#7- oder S/MIME-Signaturen validieren (etwa im Mailumfeld): hier ist der Use-After-Free besonders relevant.
- PKI- und Signaturinfrastruktur:
CRMF EncryptedValue-Entschluesselung kann NULL-Dereferenzen ausloesen, das betrifft Zertifikatsausstellung und -verwaltung.
Sollte man sofort aktualisieren?
Ja. Die Updates sind mit gewoehnlich geringem Risiko einspielbar. Wegen des oeffentlichen PoCs fuer CVE-2026-45447 sollte die Aktualisierung nicht auf die lange Bank geschoben werden. Wer Distribution-Pakete einsetzt, sollte auf den Rollout der jeweiligen Distribution warten (bei Ubuntu zum Beispiel via apt update und apt upgrade fuer USN-8414-1).
Was ist vor dem Update zu beachten?
- Auf Systemen mit FIPS-Modul ist CVE-2026-45447 nach Oracles Beschreibung nicht relevant, weil der betroffene Code ausserhalb des FIPS-Moduls liegt.
- Bei eigenen Bibliotheken oder TLS-Terminatoren wie Nginx oder Apache ist ein Neustart des Dienstes nach dem Update erforderlich.
- Wer statisch gegen OpenSSL linkt, muss die Anwendung neu bauen und ausrollen.
Empfehlung fuer Administratoren
- Inventarisieren, welche OpenSSL-Versionen wo laufen. Haeufig existieren in Containern eigene Versionen, die nicht der Distribution folgen.
- Distribution-Update einspielen (Debian, Ubuntu, RHEL, SUSE, Alpine haben ihre Advisories). Bei zentralem Monitoring lassen sich verwundbare Hosts schnell identifizieren.
- Eigene Build-Pipelines, Container-Images und Drittanbieter-Software auf neue OpenSSL-Versionen pruefen.
- Im Anschluss mit
openssl versionauf den betroffenen Hosts die neue Version verifizieren.
Fazit
Das OpenSSL-Sicherheitsrelease vom 9. Juni 2026 ist ein klassischer sofort patchen-Fall: ein oeffentlicher PoC fuer eine High-Severity-Luecke, ein klares Patch-Paket und Distributionen, die bereits nachgezogen haben. Wer TLS-Terminatoren, Mailserver oder PKI betreibt, sollte die Aktualisierung in den kommenden Tagen abschliessen.
Quellen
- OpenSSL Release Notes 3.0: OpenSSL 3.0.21 (9. Juni 2026)
- NVD: CVE-2026-45447 Detail
- Ubuntu: USN-8414-1: OpenSSL vulnerabilities