LastPass: Erneute Datenpanne nach Klue-Supply-Chain-Angriff – Kundendaten abgeflossen
LastPass meldet eine weitere Datenpanne. Diesmal traf es Kundendaten aus dem Salesforce-System des Unternehmens – ausgelöst durch einen Supply-Chain-Angriff auf den Marktintelligenz-Dienst Klue.

Der Passwort-Manager LastPass ist erneut von einem Sicherheitsvorfall betroffen. Diesmal wurden Kundendaten aus dem Salesforce-System des Unternehmens abgegriffen – ausgelöst durch einen Supply-Chain-Angriff auf den Drittanbieter Klue. Die eigentlichen Passwort-Tresore der Nutzer blieben nach Unternehmensangaben unberührt.
Meldung und aktuelle Lage
Am 12. Juni 2026 wurde LastPass über einen Sicherheitsvorfall bei Klue (klü.com) informiert, einer Marktintelligenz-Plattform, die von den Go-to-Market-Teams von LastPass genutzt wird. Klue ist in die Salesforce- und Gong-Systeme von LastPass integriert. Die Angreifer erbeuteten OAuth-Tokens, die Klue für viele seiner Kunden hielt – darunter auch für LastPass.
Mit diesen gestohlenen OAuth-Tokens verschafften sich die Angreifer Zugriff auf die Salesforce-Umgebung von LastPass und entwendeten dort gespeicherte Kundendaten. Die Icarus-Erpressungsgruppe bekannte sich zu dem Angriff. Sie hatte zuvor die Infrastruktur von Klue kompromittiert, indem sie kompromittierte Legacy-Zugangsdaten für einen Integrationsdienst nutzte.
LastPass hat den Zugriff auf Klue umgehend gesperrt, die betroffenen OAuth-Tokens rotiert und die Strafverfolgungsbehörden eingeschaltet. Die Untersuchung daürt an.
Welche Daten sind betroffen?
Nach Angaben von LastPass könnten folgende Daten abgeflossen sein:
- Kundennamen
- Telefonnummern
- E-Mail-Adressen
- Postadressen
- Support-Case-Informationen
- Vertriebs- und CRM-bezogene Daten
Wichtig: Die eigentlichen Passwort-Tresore (Vaults) der Nutzer waren nicht betroffen. Die Produkte, Dienste und die Infrastruktur von LastPass selbst blieben nach Unternehmensangaben sicher. Auch auf Gong-bezogene Daten (Kundenanrufe und E-Mails) konnten die Angreifer nach aktuellem Stand nicht zugreifen.
Technische Details für Admins
Der Angriff zeigt ein klassisches Supply-Chain-Szenario: Ein Drittanbieter (Klue) hält OAuth-Tokens, die Zugriff auf die Systeme seiner Kunden (LastPass) gewähren. Die Angreifer nutzten kompromittierte Legacy-Zugangsdaten für einen Integrationsdienst, um in die Klue-Infrastruktur einzudringen. Von dort aus erbeuteten sie die OAuth-Tokens vieler Klue-Kunden – nicht nur LastPass.
Weitere betroffene Unternehmen sind unter anderem Recorded Future, Tanium, Jamf, Sprout Social, Gong und Insurity. Die Icarus-Gruppe exfiltrierte CRM-Daten und startete eine Erpressungskampagne.
LastPass warnte zudem vor Phishing-Versuchen über die Absender-Domains baccarat.com[.]au, robinskitchen.com[.]au und house[.]com.au. Nur Kommunikation über die offiziellen Support-Kanäle von LastPass sollte vertraut werden.
Risiko für KMU und Betrieb
Für Unternehmen, die LastPass nutzen, ist die unmittelbare Gefahr begrenzt – die Passwort-Tresore sind nicht betroffen. Dennoch ergeben sich Risiken:
- Die abgeflossenen Kontaktdaten (Namen, E-Mail, Telefon) eignen sich hervorragend für gezielte Phishing-Angriffe. Angreifer können sich als LastPass-Mitarbeiter ausgeben.
- Social Engineering auf Basis der CRM-Daten ist wahrscheinlich. Support-Case-Informationen verraten Angreifern, welche Probleme ein Kunde hatte – ideale Angriffsfläche.
- Das Vertrauen in LastPass ist nach mehreren Vorfällen (2022, 2023, 2026) weiter beschädigt. Unternehmen sollten die Entwicklung beobachten.
Was Admins jetzt prüfen sollten
- Wachsamkeit bei Phishing erhöhen: Mitarbeiter auf die erhöhte Phishing-Gefahr hinweisen. Insbesondere E-Mails von angeblichen LastPass-Mitarbeitern kritisch prüfen.
- OAuth-Token-Bestand prüfen: Welche Drittanbieter haben OAuth-Zugriff auf Ihre Systeme? Eine regelmäßige Überprüfung und Bereinigung alter Tokens ist essenziell.
- Supply-Chain-Risikobewertung: Prüfen, welche Drittanbieter Zugriff auf kritische Systeme haben. Legacy-Zugangsdaten identifizieren und entfernen.
- Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA) für alle Salesforce-Zugänge: Auch wenn der Angriff über OAuth-Tokens lief, schützt MFA vor ähnlichen Szenarien.
- LastPass-Master-Passwort nicht teilen: Das Master-Passwort sollte mit niemandem geteilt werden – auch nicht mit angeblichen Support-Mitarbeitern.
- Überwachung auf ungewöhnliche Salesforce-Aktivitäten: Logs auf Zugriffe von ungewöhnlichen IPs oder zu ungewöhnlichen Zeiten prüfen.
Admin-Einschätzung
Der Vorfall ist ärgerlich für LastPass, aber die Auswirkungen sind diesmal begrenzter als bei früheren Vorfällen. Die Passwort-Tresore blieben sicher, und die Datenpanne betrifft nur CRM-Daten. Dennoch zeigt der Angriff, wie verwundbar Unternehmen über ihre Drittanbieter sind. Die Icarus-Gruppe hat mit einem einzigen Einbruch bei Klue Zugriff auf Dutzende Unternehmen erhalten – ein Paradebeispiel für die Gefahr von OAuth-basierten Integrationen.
Für Admins ist die wichtigste Lehre: Jeder OAuth-Token, den ein Drittanbieter für Ihr System hält, ist ein potenzielles Einfallstor. Regelmäßige Audits und das Prinzip der minimalen Berechtigungen sind hier der einzig wirksame Schutz.
Passende Anleitungen auf S-EDV
- Klue OAuth-Breach: Icarus-Gruppe erbeutet Salesforce-Daten – Hintergrund zum übergreifenden Angriff auf Klue-Kunden.
- ShapedPlugin Supply-Chain: Backdoor in WordPress-Pro-Plugins – Vergleichbare Supply-Chain-Angriffe im Juni 2026.