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Docker 14.08.2026 · 5 min Lesezeit

Docker VMM: Eigene Virtualisierung löst libkrun und WSL 2 ab

Mit Docker Desktop 4.86 stellt Docker eine eigene Virtualisierungsschicht namens Docker VMM vor, die bisher zugekaufte Komponenten wie libkrun und WSL 2 ablöst. Versprochen werden schnellerer Container-Start, besseres Speichermanagement und schnelleres Filesharing. Was die Beta bringt, welche bekannten Probleme es gibt und was Admins bis zur allgemeinen Verfügbarkeit im Oktober beachten sollten.

Docker VMM mit lokalem Server, Container Virtualisierung und getrennter Cloud Darstellung als moderne IT News Grafik. KI-generiert

Docker hat am 12. August 2026 die Public Beta einer komplett neu entwickelten Virtualisierungsschicht namens Docker VMM vorgestellt. Sie ersetzt in Docker Desktop ab Version 4.86 die bisher genutzten Dritt-Komponenten libkrun (macOS) und WSL 2 (Windows) durch eine eigene, ausschließlich für Container optimierte Virtual-Machine-Monitor-Schicht. Ende Oktober 2026 soll Docker VMM zum Standard für alle Neuinstallationen auf Mac, Windows und Linux werden.

Worum geht es? Bin ich betroffen?

Betroffen sind alle Nutzer von Docker Desktop auf macOS und Windows, insbesondere:

  1. Entwickler und Admins, die Docker Desktop lokal für Entwicklungs- oder Testumgebungen einsetzen.
  2. Unternehmen, die Docker Desktop in Standard-Images ausrollen oder Entwicklungsumgebungen zentral vorgeben.
  3. Teams mit ressourcenknappen Notebooks (z. B. 16 GByte RAM), bei denen Docker Desktop parallel zu IDE und Browser läuft.

Server-seitige Docker-Engine-Installationen unter Linux (also der klassische dockerd ohne Docker Desktop) sind von der Umstellung nicht betroffen, da dort ohnehin keine zusätzliche Virtualisierungsschicht zwischen Host und Container-Runtime nötig ist. Docker VMM betrifft ausschließlich Docker Desktop, das für macOS und Windows eine virtuelle Maschine benötigt, um den Linux-nativen Docker-Engine bereitzustellen.

Was ändert sich technisch?

Docker Desktop startet Container seit jeher in einer virtuellen Maschine, das war schon immer notwendig, um den Linux-Kernel-basierten Docker-Engine unter macOS und Windows lauffähig zu machen. Neu ist, wer diese virtuelle Maschine baut:

PlattformBisherige VirtualisierungNeu ab Docker Desktop 4.86
macOSlibkrun (Drittanbieter-VMM)Docker VMM (First-Party)
WindowsWSL 2 (Microsoft)Docker VMM (First-Party), Isolation weiterhin wie Hyper-V
Linuxentfällt (native Container ohne VM)Docker VMM erst zur allgemeinen Verfügbarkeit geplant

Docker begründet den Schritt damit, künftig die komplette Virtualisierungsschicht selbst zu kontrollieren und gezielt für Container-Workloads statt für allgemeine VM-Nutzung zu optimieren. Dieselbe Engine treibt laut Docker künftig auch Docker Sandboxes (SBX) an, sodass Verbesserungen an der Virtualisierungsschicht beiden Produkten zugutekommen.

Die versprochenen Verbesserungen

  1. Schnellerer Container-Start: Docker gibt an, dass der Start von Containern "messbar schneller" sei, sowohl beim ersten Start als auch bei Projektwechseln und nach einem Neustart.
  2. Schnelleres Filesharing: Die Dateifreigabe zwischen Host und Container soll deutlich schneller laufen, was insbesondere im Edit-Compile-Test-Zyklus während der Entwicklung spürbar sein soll.
  3. Intelligenteres Speichermanagement: Docker VMM gibt Arbeitsspeicher an den Host zurück, sobald Container im Leerlauf sind. Bisher hielt Docker Desktop einmal belegten Speicher fest, bis die Anwendung neu gestartet wurde.
  4. Bessere Stabilität unter Windows: Windows-Entwickler erhalten laut Docker erstmals eine vollständig von Docker selbst entwickelte und gepflegte Virtualisierungsschicht, statt auf WSL 2 von Microsoft angewiesen zu sein.
  5. Isolation wie Hyper-V, Tempo wie WSL 2: Unter Windows soll Docker VMM die Isolationsgüte von Hyper-V mit der Geschwindigkeit von WSL 2 verbinden.

Kritikpunkt: Keine konkreten Messwerte

Auffällig an der offiziellen Ankündigung ist, dass sämtliche Performance-Verbesserungen ausschließlich qualitativ beschrieben werden. Es gibt weder Sekundenangaben zum Container-Start noch einen Vorher-Nachher-Vergleich oder Angaben zum verwendeten Testaufbau. Bei einer Komponente, deren zentraler Daseinszweck Performance ist, wird das in der Fachberichterstattung als bemerkenswerte Lücke gewertet: Wer von "messbar schneller" spricht, hat naheliegenderweise gemessen, veröffentlicht die Zahlen aber bislang nicht.

Bekannte Probleme in der Beta

  1. Bind Mounts auf Auto-Shares: Bestimmte Bind-Mount-Konfigurationen quittieren den Dienst mit einer Fehlermeldung, dass die Datei vom Host nicht freigegeben werde. Betroffene Verzeichnisse müssen aktuell manuell freigegeben werden.
  2. Speicherbedarf: Docker VMM setzt mindestens 4 GByte Arbeitsspeicher voraus.
  3. Linux-Support fehlt noch: Die Unterstützung für Linux wird laut Docker erst zur allgemeinen Verfügbarkeit (GA) nachgereicht, nicht bereits in der Beta-Phase.

Für eine Beta-Version sind diese Einschränkungen zunächst normal. Da Docker VMM aber bereits in gut zehn Wochen zum Standard für Neuinstallationen werden soll, sollten Admins diese Punkte bei der Planung eines Testlaufs berücksichtigen.

Wie aktiviere ich Docker VMM?

Die Aktivierung ist je nach Plattform unterschiedlich geregelt:

  1. macOS: Wer die frühere Docker-VMM-Option in den Einstellungen bereits genutzt hat, wird beim Update auf Version 4.86 automatisch auf die neue Engine umgestellt.
  2. Windows: Die Option findet sich neu unter Settings > General und muss dort aktiv per Opt-in eingeschaltet werden.
  3. Linux: Docker VMM steht unter Linux erst zur allgemeinen Verfügbarkeit (GA) zur Verfügung, nicht bereits während der Beta-Phase.

Ein spezielles Feature-Flag oder eine Warteliste ist nicht nötig: Jeder Docker-Desktop-Nutzer auf Version 4.86 oder neuer kann direkt umschalten.

Einordnung: Antwort auf wachsende Konkurrenz

Der Zeitpunkt des Umbaus ist kein Zufall. Docker baut ausgerechnet die Schicht neu, an der die Konkurrenz seit gut einem Jahr ansetzt:

  1. Microsoft hat mit wslc Linux-Container direkt in WSL integriert, inklusive eigenem Kommandozeilenwerkzeug und deutlichem Seitenblick auf Docker Desktop.
  2. Apple liefert mit Container 1.0 eine hauseigene Container-Laufzeit für den Mac.
  3. Podman baut kontinuierlich Kompatibilität zu Docker aus, ein Weg, den seit der Docker-Lizenzumstellung insbesondere größere Unternehmen ohnehin verstärkt prüfen.

Allen drei Alternativen ist gemeinsam, dass sie genau die Ebene angreifen, für die Docker Desktop bislang unverzichtbar war: eine sauber eingerichtete virtuelle Maschine zwischen Betriebssystem und Container. Dass Docker diese Schicht künftig selbst besitzt statt sie zuzukaufen, ist strategisch folgerichtig, gleichzeitig aber auch eine direkte Reaktion auf diesen Wettbewerbsdruck.

Praxis-Empfehlung für Admins

  1. Beta jetzt testen, nicht erst im Oktober. Wer Docker Desktop in Standard-Images ausrollt oder Entwicklungsumgebungen zentral vorgibt, sollte die Umstellung bewusst und rechtzeitig vor dem GA-Termin Ende Oktober 2026 testen, auf einer Maschine, deren Ausfall unkritisch ist.
  2. Bind-Mount-Konfigurationen vorab prüfen. Wer projektspezifische Bind-Mounts mit Auto-Share-Verzeichnissen nutzt, sollte diese im Vorfeld gegen die bekannte Fehlermeldung testen.
  3. Mindestanforderungen einplanen. Mindestens 4 GByte RAM sind Voraussetzung, in ressourcenknappen Umgebungen (VMs, ältere Notebooks) sollte das vorab geprüft werden.
  4. Termin im Kalender vormerken. Ende Oktober 2026 wird Docker VMM für alle Neuinstallationen auf Mac, Windows und Linux zum Standard. Bereits laufende Installationen bleiben davon vorerst unberührt, bei Neu-Rollouts nach diesem Termin greift automatisch die neue Virtualisierungsschicht.

Passende Anleitungen auf S-EDV

  1. Docker und Docker Compose auf Linux installieren: die Self-Hosting-Grundlage
  2. Docker installieren: schnell und einfach in einer Codezeile

Quellen

  1. heise.de: Neue Docker-Virtualisierung - Schneller Start und besseres Speichermanagement
  2. blogspan.net: Docker VMM ersetzt die Fremd-Virtualisierung
  3. Docker Blog: Docker VMM Public Beta - A Complete Overhaul, Built for Performance (offizielle Ankündigung)