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Sicherheit & Datenschutz 22.08.2026 · 5 min Lesezeit

14 vergiftete npm-Pakete liefern KI-gesteuerte RedC2-4.0-Linux-Backdoor

TrendAI (Trend Micro) hat 14 npm-Pakete entdeckt, die sich als funktionierende Kalender- und Streak-Tools tarnen, aber zusätzlich einen Linux-Backdoor für das C2-Framework RedC2 4.0 nachladen. Neu ist die KI-Komponente Red Agent, die Post-Exploitation-Befehle per natürlicher Sprache steuert und die Angriffshürde für weniger erfahrene Akteure senkt.

14 vergiftete npm Pakete schleusen die KI gesteuerte RedC2 4.0 Backdoor in Linux Systeme ein und gefährden Software Supply Chains, Build Pipelines und Server. KI-generiert

Sicherheitsforscher von TrendAI, Trend Micros Enterprise-Cybersecurity-Sparte, haben 14 npm-Pakete identifiziert, die sich als funktionierende Kalender- und Streak-Utilities tarnen, dabei aber zusätzlich einen KI-gesteuerten Linux-Backdoor namens RedC2 4.0 nachladen. Die Pakete erfüllen tatsächlich ihren beworbenen Zweck, verstecken jedoch eine gebündelte Binärdatei, die sich als "Mathe-Beschleuniger" ausgibt und in Wahrheit den RedShell-Linux-Beacon des kommerziellen C2-Frameworks RedC2 4.0 startet.

Was ist passiert?

Trend-Micro-Forscher Aliakbar Zahravi beschreibt in dem am Donnerstag, den 20. August 2026 veröffentlichten Bericht einen ungewöhnlich unauffälligen Infektionsweg: Kein klassischer npm-Install-Hook ist nötig. Es reicht ein einziger Import der Bibliothek irgendwo im Abhängigkeitsbaum, auch transitiv, um die Payload auszulösen. Die zentrale Datei dist/index.mjs fungiert als Trojan-Loader: Sie re-exportiert die eigentlichen Datums- und Streak-Hilfsfunktionen und startet parallel dazu den gebündelten Implant als detached Background-Prozess.

"When the module loads, it locates the bundled binary, marks it executable, and launches it as a detached background process", zitiert der Bericht die Analyse. "No install hook function call is needed; a single import anywhere in the dependency graph, even a transitive one, is enough to execute the payload."

14 Pakete: Tarnung als produktive Tools

Alle 14 identifizierten Pakete sind auf npm unter Version 1.0.0 veröffentlicht, teils zusätzlich als 1.0.1. Sie tragen generische, auf den ersten Blick harmlose Namen rund um Kalender-Streaks und Mapping-Utilities:

  1. streak-metrics-math@1.0.0 / 1.0.1
  2. kit-map-vim@1.0.0
  3. streak-map-cache@1.0.0
  4. streak-map-kit@1.0.0
  5. map-streak-kit@1.0.0
  6. streak-cache-map@1.0.0
  7. streak-calc-metrics@1.0.0
  8. streak-calc-math@1.0.0
  9. streak-math-abz@1.0.0
  10. streak-metricsaz@1.0.0
  11. streak-math-metrics@1.0.0
  12. streak-metricazbd@1.0.0
  13. streak-metricsazb@1.0.0
  14. streak-kit-map@1.0.0

Die versteckte Binärdatei trägt je nach Paket einen anderen Namen – unter anderem math-core.bin, math-calc.bin, calc-math.dat, calc-cache.bin, calc.bin oder calc-mapping.bin – und liegt entweder direkt unter dist/ oder in dist/internal/. Der Inhalt ist laut Bericht in allen Fällen derselbe: der RedShell-Linux-Beacon für RedC2 4.0, der mit einem entfernten Windows- oder Linux-Server kommuniziert und so Post-Exploitation-Aktivitäten auf dem kompromittierten Host vorbereitet.

RedC2 4.0: kommerzielles, KI-gestütztes C2-Framework

RedC2 wird auf Cybercrime-Foren als plattformübergreifendes Toolkit für Windows, macOS und Linux vermarktet. Ein Akteur mit dem Namen "MarlboroMan" bewarb Version 4.0 Anfang Juni 2026 im Hack-Forums-Untergrund als Framework, das "built for evasion" sei. Vorgängerversionen zeigen, dass das Projekt bereits länger aktiv entwickelt wird: Version 3.0 wurde im Januar 2026 verkauft, Version 2.0 bereits im August 2025. Der RedShell-Linux-Beacon selbst kam erst mit Version 4.0 hinzu.

Vertrieben wird RedC2 über eine Clearnet-Website namens "Red Offsec" für 99,99 US-Dollar. Der Anbieter bewirbt das Tool als "multi-language, multi-OS command and control framework" für Rot-Team-Einsätze und verweist in seinen Nutzungsbedingungen formal auf legale, autorisierte Pentesting-Nutzung – ein Vorbehalt, der Kriminelle bei einem frei käuflichen Cybercrime-Forum-Produkt naturgemäß nicht abschreckt.

Funktional ist RedC2 4.0 breit aufgestellt: Terminalzugriff, Dateitransfer, gestaffelte Payload-Auslieferung, Datensammlung, Multi-Beacon-Betrieb, Netzwerk-Visualisierung, Host-zu-Host-Tunneling sowie In-Memory-Ausführung von Beacon Object Files (BOFs), .NET-Assemblies und Shellcode.

PlattformKernfunktionenZusatzfunktionen
Linux (RedShell)Interaktive Shell über /bin/sh, System-Discovery, Datei-Operationen, Datensammlung (SSH-Keys, Browser-Credentials), PersistenzIn-Memory-ELF-Ausführung, SOCKS5-Proxying, Netzwerk-Pivoting
WindowsDatei-Operationen, Host-/Netzwerk-Recon, Nutzer-Enumeration, DatensammlungUAC-Bypass, Antivirus-/EDR-Erkennung und -Manipulation, laterale Bewegung
macOSDatei-Operationen, Host-/Netzwerk-Recon, Nutzer-Enumeration, DatensammlungKeine AV/EDR-Bypass-Funktionen (fehlen gegenüber Windows)

Red Agent: die KI-Eskalation gegenüber bisherigen npm-Angriffen

Bisherige npm-Supply-Chain-Vorfälle, über die S-EDV berichtet hat – etwa der Keyv-npm-Wurm mit Claude-Code- und VS-Code-Hooks-Credential-Diebstahl oder bösartige, als PostCSS-Tools getarnte Pakete mit Windows-RAT – zielten im Kern auf klassischen Credential-Diebstahl und Fernzugriff. Der RedC2-4.0-Fall geht qualitativ einen Schritt weiter: RedC2 erweitert seine Steuerungsebene um "RedC2 EXT" sowie um eine LLM-gestützte Komponente namens Red Agent. Sie erlaubt es dem Angreifer, komplexe Post-Exploitation-Aufgaben wie Netzwerk-Reconnaissance oder Credential-Dumping per natürlicher Sprache zu orchestrieren, statt Befehle und Toolchains manuell zusammenzustellen.

"RedC2 ships with an AI assistant called Red Agent, an LLM-backed command execution layer that turns natural-language intent into framework beacon commands", zitiert der Bericht Zahravi. Red Offsec selbst bewirbt Red Agent als "AI-powered command execution system specialized for penetration testing". TrendAI ordnet die Tragweite so ein: "By interacting with a model tuned for red-team operations, an operator inputs natural-language prompts, and the framework translates them into actionable command sequences. This abstraction lets operators of varying skill levels execute complex, multi-stage intrusions efficiently."

Genau darin liegt der Unterschied zu reinem Credential-Diebstahl: Wo frühere npm-Kampagnen vor allem automatisiert Zugangsdaten absaugten, senkt eine LLM-gesteuerte Kommandoebene die fachliche Einstiegshürde für komplette Post-Exploitation-Ketten. Auch weniger erfahrene Angreifer können damit mehrstufige Angriffe orchestrieren, die früher tiefere Handarbeit und Fachwissen erforderten.

Zeitlicher Kontext: auch Rust-Crates kompromittiert

Der npm-Fund fällt in eine Phase gehäufter Supply-Chain-Vorfälle: Kurz zuvor wurden drei legitime Rust-Crates – arrayref, internment und append-only-vec – über eine bösartige proc-macro1-Abhängigkeit kompromittiert. Die eingeschleuste Malware führte sich automatisch während Cargo-Builds aus und lief damit plattformübergreifend bereits zur Kompilierzeit. Sicherheitsforscher fanden Hinweise auf Infrastruktur-Überschneidungen mit früheren Supply-Chain-Angriffen auf die Projekte Mastra und Axios, die beide mit nordkoreanischen Akteuren in Verbindung gebracht wurden. Ob ein direkter Zusammenhang zur RedC2-Kampagne besteht, ist bislang nicht belegt – das Muster koordinierter Angriffe auf mehrere Paket-Ökosysteme gleichzeitig unterstreicht aber, wie breit Supply-Chain-Akteure inzwischen operieren.

Was Admins jetzt prüfen sollten

Der Fall zeigt exemplarisch, warum "das Paket funktioniert ja" kein Sicherheitskriterium ist – genau diese Tarnung als funktionierendes Tool macht den Angriff wirksam. Konkrete Handlungsempfehlungen für Admins und Entwickler:

  1. npm-Pakete grundsätzlich vor dem Einsatz prüfen, auch wenn sie die beworbene Funktionalität tatsächlich liefern – funktionierender Code schließt versteckte Payloads nicht aus.
  2. Linux-Server und Docker-Hosts sind mit RedShell explizit ein eigenes Angriffsziel, nicht nur Windows-Entwicklermaschinen. CI/CD-Runner und Build-Container gehören in den gleichen Prüfumfang wie Entwickler-Notebooks.
  3. Dependency-Scanning-Tools (z. B. Software Composition Analysis) einsetzen, die auch transitive Abhängigkeiten und ungewöhnliche Binärdateien in dist/-Ordnern erkennen.
  4. Lockfiles und Checksums konsequent prüfen und Versionspins nicht ungeprüft auf "latest" aktualisieren.
  5. Keine ungeprüften Pakete mit vagen, generischen Namen einbinden – genau solche Namen (Streak-, Map-, Calc-Kombinationen) senken die Wahrscheinlichkeit, dass jemand näher hinschaut.
  6. Monitoring auf unerwartete ausgehende Verbindungen von Node.js-Prozessen einrichten, insbesondere von Build- und Produktionsservern, die eigentlich keine eigenständigen Netzwerkverbindungen aufbauen sollten.
  7. Bei Verdacht auf Kompromittierung: betroffene Hosts isolieren, SSH-Keys und Browser-Credentials als kompromittiert behandeln und rotieren, da RedShell gezielt genau diese Daten sammelt.
  8. KI-gestützte C2-Frameworks wie RedC2 als neue Kategorie in die eigene Bedrohungsmodellierung aufnehmen – die Automatisierung durch LLMs senkt die nötige Angreifer-Erfahrung für komplexe Angriffsketten.

Passende Anleitungen auf S-EDV

  1. Keyv-npm-Wurm vergiftet Hunderte Pakete und legt Claude-Code-Hooks aus
  2. Malicious npm-Pakete tarnen sich als PostCSS-Tools und liefern Windows-RAT aus
  3. npm 12 verschärft Installationen gegen Supply-Chain-Angriffe

Quellen

  1. The Hacker News: "14 Trojanized npm Packages Drop RedC2 4.0 Linux Backdoor With AI-Assisted C2" (Ravie Lakshmanan, 21. August 2026)
  2. TrendAI / Trend Micro Research: Bericht zu RedC2 4.0 und den trojanisierten npm-Paketen (Aliakbar Zahravi, veröffentlicht 20. August 2026)
  3. The Hacker News: "Rust Supply Chain Attack Puts Build-Time Malware in Crates.io Packages"