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📘 Anleitung Server & Netzwerk 25.05.2026 · 8 min Lesezeit

QNX 8.0 Developer Desktop einrichten: QSTI für QEMU auf Ubuntu

QNX Developer Desktop auf QNX OS 8.0 starten: Lizenz, QNX Software Center, Quick Start Target Image für QEMU auf Ubuntu 22.04/24.04, mkqnximage, clang und APK-Paketverwaltung.

Geprüft am 30.09.2026 · für QNX SDP 8.0 Quick Start Target Image for QEMU 0.5.0.00050T202609021847L

Kleiner Einplatinenrechner mit Steckbrett und Leuchtdiode neben einem zugeklappten Notebook auf einem hellen Holzschreibtisch

Mit dem QNX Developer Desktop bringt QNX eine grafische Entwicklungsumgebung direkt auf das Echtzeitbetriebssystem QNX OS 8.0: eine XFCE-Oberfläche auf Wayland mit Terminal, Editoren, Browser, Compiler und Paketverwaltung. Sie schreiben, übersetzen und starten Programme damit auf dem QNX-System selbst, ohne Cross-Compiler auf einem zweiten Rechner. Die Oberfläche wird nicht auf einem vorhandenen QNX-System nachinstalliert, sondern kommt fertig im Quick Start Target Image (QSTI) für QEMU, das Sie über den QNX Software Center beziehen und als virtuelle Maschine auf einem Ubuntu-Rechner starten. Diese Anleitung zeigt diesen offiziellen Weg Schritt für Schritt.

Voraussetzungen

  • Host-Betriebssystem: Ubuntu 22.04 LTS oder 24.04 LTS. Das QSTI für QEMU ist laut Release Notes nur dafür freigegeben. Der QNX Software Center läuft nicht auf ARM-basierten Linux-Hosts, der Rechner muss also x86-64 sein.
  • CPU: x86-64 mit aktivierter Hardware-Virtualisierung (Intel VT-x oder AMD-V), weil QEMU mit KVM startet. Die VM belegt standardmäßig 8 virtuelle CPUs.
  • RAM: Die VM erhält standardmäßig 4 GB. Rechnen Sie den Bedarf von Ubuntu selbst hinzu; mit 8 GB RAM im Host bleibt Luft, größere Builds brauchen laut QNX mehr Speicher in der VM.
  • Speicher: freier Platz im Home-Verzeichnis für den Software Center (~/qnx), das SDP und das Image (~/qnx800).
  • Konto und Lizenz: ein myQNX-Konto und eine kostenlose, nicht kommerzielle QNX-SDP-8.0-Lizenz über qnx.com/getqnx. Für kommerzielle Entwicklung brauchen Sie eine kostenpflichtige Lizenz.
  • Stand: QSTI für QEMU in Paketversion 0.5.0 (Build 50, Release Notes vom 16.09.2026) auf Basis von QNX SDP 8.0.5.

Grundlagen im Terminal setzt diese Anleitung voraus; eine Einführung bietet Bash-Skripting für Admins: die Grundlagen. Wer statt QEMU lieber einen Hypervisor verwaltet, findet den Einstieg in Proxmox VE installieren und Grundkonfiguration; das QNX-Image ist allerdings nur für QEMU auf Ubuntu dokumentiert.

Schritt 1: QEMU und libvirt auf Ubuntu installieren

Prüfen Sie zuerst, ob die CPU Virtualisierung meldet und das KVM-Gerät vorhanden ist. Ein Wert größer als 0 bei der ersten Zeile und das Gerät /dev/kvm sind nötig; fehlt beides, aktivieren Sie VT-x oder AMD-V im BIOS.

grep -Ec '(vmx|svm)' /proc/cpuinfo
ls -l /dev/kvm

Installieren Sie dann die Pakete, die QNX für die jeweilige Ubuntu-Version nennt:

# Ubuntu 24.04
sudo apt install qemu-system qemu-utils qemu-user qemu-user-binfmt qemu-block-extra \
  libvirt-daemon-system libvirt-clients libguestfs-tools bridge-utils

# Ubuntu 22.04
sudo apt install qemu qemu-system-x86 qemu-kvm libvirt-daemon-system libvirt-clients bridge-utils

libvirt legt die Netzwerkbrücke virbr0 an, an die das QNX-Image seine virtuelle Netzwerkkarte hängt. QEMU sucht die erlaubten Brücken in /etc/qemu/bridge.conf. Existiert die Datei nicht, legen Sie sie an:

sudo mkdir -p /etc/qemu
echo "allow virbr0" | sudo tee -a /etc/qemu/bridge.conf

Verifizieren: qemu-system-x86_64 --version gibt eine Versionsnummer aus, ip link show virbr0 zeigt die Brücke, und /etc/qemu/bridge.conf enthält die Zeile allow virbr0.

Schritt 2: Lizenz und QNX Software Center einrichten

Fordern Sie unter qnx.com/getqnx die kostenlose Lizenz an, akzeptieren Sie sie und stellen Sie sie in Ihrem myQNX-Konto bereit („deploy“). Laden Sie danach auf der QNX-Website im Bereich Developers den QNX Software Center für Linux herunter. Die Datei heißt qnx-setup-Buildnummer-lin.run.

QNX verlangt, die Prüfsumme des Installers mit dem Wert auf der Download-Seite zu vergleichen, weil Linux die Signatur nicht selbst prüft. Starten Sie den Installer anschließend als normaler Benutzer, nicht mit sudo: Er legt Dateien im Home-Verzeichnis an, und sudo verändert Dateirechte so, dass der Software Center später nicht mehr sauber arbeitet.

sha256sum qnx-setup-*-lin.run
chmod a+x qnx-setup-*-lin.run
./qnx-setup-*-lin.run

Übernehmen Sie das vorgeschlagene Installationsverzeichnis ~/qnx. Der Installer startet den Software Center automatisch; später rufen Sie ihn mit ~/qnx/qnxsoftwarecenter/qnxsoftwarecenter auf. Melden Sie sich mit dem myQNX-Konto an und installieren Sie QNX Software Development Platform 8.0. Das SDP landet standardmäßig in ~/qnx800.

Verifizieren: Die ausgegebene SHA-256-Prüfsumme stimmt mit der auf der Download-Seite überein, und ls ~/qnx800/qnxsdp-env.sh findet das Umgebungsskript des SDP.

Schritt 3: Quick Start Target Image installieren und entpacken

Suchen Sie im Software Center unter „Manage Installation“, Reiter „Available“, nach „quick start“ und installieren Sie QNX SDP 8.0 Quick Start Target Image for QEMU (Paketname com.qnx.qnx800.quickstart.qemu). Das Paket steht unter QNX Software Development Platform, Reference Images. Wird es nicht angezeigt, deaktivieren Sie die Schaltfläche „Show Only Latest Version“; darauf weisen die Release Notes ausdrücklich hin.

Der Inhalt liegt danach in ~/qnx800/images/qemu und besteht aus mehreren Teilarchiven. Das mitgelieferte Skript fügt sie zusammen und entpackt sie:

cd ~/qnx800/images/qemu
ls
./unpack_qemu_image.sh

Nach dem Entpacken erscheint ein weiterer Ordner qemu innerhalb des Verzeichnisses. Lesen Sie die mitgelieferte README.md und die PDF-Dokumentation im Ordner; sie gehören zur installierten Paketversion und haben bei Abweichungen Vorrang vor dieser Anleitung.

Verifizieren: ls ~/qnx800/images/qemu/qemu listet den entpackten Inhalt, und das Skript endet ohne Fehlermeldung.

Schritt 4: VM starten

Laden Sie in einem Terminal die SDP-Umgebung, wechseln Sie in den entpackten Ordner und starten Sie die VM. Das Werkzeug mkqnximage stammt aus dem SDP und setzt die QEMU-Optionen selbst.

cd ~/qnx800
source qnxsdp-env.sh
cd ~/qnx800/images/qemu/qemu
mkqnximage --run

Ohne weitere Angaben startet die VM mit 8 CPUs, 4 GB RAM, 720p-Auflösung und ohne Vulkan. Das Terminal, in dem Sie den Befehl ausgeführt haben, wird zur seriellen Konsole der VM. Zum Beenden drücken Sie dort Strg+A, dann x, oder rufen in einem zweiten Terminal im selben Ordner mkqnximage --stop auf.

Für eigene Werte für CPU, RAM und Grafik beschreibt QNX die zugrunde liegenden qemu-system-x86_64-Optionen, etwa -smp 8, -m 16G und -device virtio-vga-gl,xres=1920,yres=1080. Mehr als 16 GB RAM für die VM führen laut QNX zu unerwartetem Verhalten. Höhere Auflösungen und OpenGL- oder Vulkan-Beschleunigung setzen QEMU 10 voraus, das Sie nach der QNX-Anleitung aus dem Quellcode bauen; mit den Ubuntu-Paketen erhalten Sie die Grundfunktionen.

Verifizieren: Ein QEMU-Fenster öffnet sich mit dem Willkommensbildschirm (Demolauncher) und den Symbolen Terminal, GTK+4 Demo, QNX Developer Desktop, GLES gears, GLES maze und README. In einem zweiten Terminal im Image-Ordner gibt mkqnximage --getip die IP-Adresse der VM aus.

Schritt 5: Developer Desktop nutzen und Pakete verwalten

Ein Klick auf „QNX Developer Desktop“ öffnet die XFCE-Oberfläche. Oben links liegt das Anwendungsmenü mit Terminal, Dateimanager Thunar, Webbrowser, den Editoren Geany, Emacs, Neovim und Vim sowie Demos. Unterstützte Sprachen sind C, C++ und Python. Als Compiler dienen clang und clang++; g++ ist vorhanden, QNX rät wegen Kompatibilitätsproblemen aber davon ab. Die Cross-Werkzeuge qcc und qmake gibt es auf dem Desktop nicht, und klassische rekursive Makefiles werden nicht unterstützt.

Ein schneller Test im Terminal des Desktops:

cat > hallo.cpp <<'EOF'
#include <iostream>
int main() { std::cout << "Hallo QNX" << std::endl; return 0; }
EOF
clang++ -o hallo hallo.cpp
./hallo

Pakete verwaltet der Desktop mit APK, dem von Alpine Linux bekannten Paketmanager, den QNX portiert hat. Ein qpkg oder apt gibt es nicht, ebenso wenig systemd.

sudo apk update
sudo apk list --installed
sudo apk add PAKETNAME
sudo apk del PAKETNAME

Welche Pakete es gibt, zeigt sudo apk list --available oder das Open-Source-Dashboard von QNX unter oss.qnx.com.

Verifizieren: ./hallo gibt „Hallo QNX“ aus, und sudo apk update lädt die Paketindizes ohne DNS- oder Verbindungsfehler.

Typische Fehler

  • Paket „Quick Start Target Image for QEMU“ fehlt im Software Center: „Show Only Latest Version“ ist aktiv oder die Lizenz ist noch nicht bereitgestellt. Schalter deaktivieren, Lizenz im myQNX-Konto prüfen.
  • Software Center startet nicht oder hat Rechteprobleme: Installer wurde mit sudo ausgeführt. Laut QNX-Installationshinweisen Verzeichnis entfernen und als normaler Benutzer neu installieren.
  • QEMU-Fenster nimmt Tasten wie Alt nicht an: Ubuntu läuft unter Wayland. QNX empfiehlt, sich mit der X11-Sitzung („Ubuntu on Xorg“) anzumelden; prüfen mit echo $XDG_SESSION_TYPE.
  • apk meldet DNS-Fehler oder erreicht die Server nicht: Die VM hat eine Adresse, aber keinen Internetweg. QNX beschreibt als Lösung, die Brücke über virt-manager neu anzulegen, damit virbr0 ein eigenes Subnetz wie 192.168.122.x mit DHCP bekommt, und die VM neu zu starten.
  • Grafik (Screen) startet nicht auf Hosts mit mehr als 32 GB RAM: Physische Adressbits begrenzen, zum Beispiel --cpu host,host-phys-bits-limit=39 bei Intel und =40 bei AMD.
  • Bildfehler mit Vulkan oder OpenGL: Bei QEMU 8 und 6 nennt QNX Artefakte. Grundoptionen verwenden oder auf QEMU 10 wechseln.

Häufige Fragen

Kann ich den Desktop auf einem vorhandenen QNX-System nachinstallieren?

Ein Paket zum Nachinstallieren auf beliebigen QNX-Systemen beschreibt QNX nicht. Der Desktop ist Bestandteil des QSTI für QEMU, des QSTI für Raspberry Pi 4 und 5 sowie des Custom Target Image, das Sie selbst bauen können.

Läuft das Image auch unter Windows oder macOS?

Das QSTI für QEMU ist laut Release Notes nur für Ubuntu 22.04 und 24.04 freigegeben. QNX hat Images für weitere Hosts angekündigt; prüfen Sie vor der Planung die aktuellen Release Notes.

Darf ich damit kommerziell entwickeln?

Die kostenlose Lizenz von QNX Everywhere gilt für nicht kommerzielle Nutzung. Für Produktentwicklung im Unternehmen klären Sie die Lizenz mit QNX.

Wo bekomme ich Hilfe?

QNX nennt Stack Overflow (Tag „qnx“), das Subreddit r/qnx und den Discord-Server von QNX Everywhere als Anlaufstellen.

Fazit

Der QNX Developer Desktop ist kein Paket für ein bestehendes System, sondern ein fertiges Image. Mit Lizenz, Software Center und einem Ubuntu-Host mit KVM steht die Umgebung nach wenigen Befehlen bereit. Für den Einstieg in QNX oder das Portieren von Linux-Software ist das ein direkter Weg; wer höhere Auflösungen und GPU-Beschleunigung braucht, plant den Umstieg auf QEMU 10 gleich mit ein.

Weiterführende Anleitungen und Quellen