netcup Failover-IP: Bestellung im CCP, Zuweisung im SCP und Server-Wechsel in Sekunden
Eine netcup Failover-IPv4 lässt sich sekundenschnell und kostenlos zwischen VPS umrouten. Dieser Artikel erklärt Bestellung im CCP, Zuweisung im SCP unter Network, OS-Konfiguration auf Debian/Ubuntu und den Unterschied zur gewöhnlichen zusätzlichen IPv4.

Wer zwei oder mehr VPS bei netcup betreibt und auf Ausfallsicherheit oder schnelle Wartungsfenster angewiesen ist, stößt früher oder später auf die Failover-IPv4. Im Gegensatz zu einer gewöhnlichen zusätzlichen IP-Adresse, die dauerhaft an einen Server gebunden ist, lässt sich die Failover-IP jederzeit kostenlos und ohne Support-Ticket innerhalb weniger Sekunden auf einen anderen Server desselben Rechenzentrums umrouten. Dieser Artikel zeigt dir den vollständigen Weg: von der Bestellung im Customer Control Panel (CCP) über die Zuweisung im Server Control Panel (SCP) bis zur OS-seitigen Einbindung unter Debian und Ubuntu – inklusive einem Kurzüberblick zum automatisierten Failover mit Keepalived.
Voraussetzungen
- Aktiver netcup-Account unter netcup.com
- Mindestens zwei VPS oder Root-Server desselben netcup-Standorts (z. B. beide in Nürnberg oder beide in Mannheim)
- Zugang zum CCP (Bestellung) und zum SCP (servercontrolpanel.de) mit Admin-Rechten
- Root- oder sudo-Zugang auf beiden Linux-Servern für die OS-seitige Konfiguration
- Für automatisiertes HA-Failover: Keepalived auf beiden Servern sowie netcup-API-Zugangsdaten
Failover-IP vs. zusätzliche IPv4: Was ist der Unterschied?
Vor der Bestellung lohnt ein kurzer Blick auf den Produktunterschied – denn die Entscheidung ist nicht rückgängig zu machen. Eine einmal bestellte zusätzliche IPv4 kann nicht nachträglich zur Failover-IP umgewandelt werden.
| Merkmal | Failover-IPv4 | Zusätzliche IPv4 |
|---|---|---|
| Preis netto/Monat | 4,20 EUR | 1,68 EUR |
| Preis brutto/Monat | 5,00 EUR | 2,00 EUR |
| Mindestlaufzeit | 12 Monate | 12 Monate |
| Server-Wechsel | Kostenlos, jederzeit | Nur gegen Bearbeitungsgebühr |
| Wechsel-Methode | SCP Self-Service (Sekunden) | Support-Eingriff nötig |
| Standortübergreifend | Nein | Nein |
| Geeignet für HA/Failover | Ja | Nein |
| Reverse DNS konfigurierbar | Ja | Ja |
Die Failover-IP kostet zwar das 2,5-fache einer gewöhnlichen zusätzlichen IP, rechtfertigt den Aufpreis aber vollständig, sobald du sie auch nur einmal ohne Support-Ticket zwischen Servern wechseln willst. Für reine Einzelserver-Szenarien, bei denen kein Serverwechsel geplant ist, reicht die günstigere zusätzliche IPv4.
Schritt 1: Failover-IPv4 im CCP bestellen
Die Bestellung erfolgt ausschließlich im Customer Control Panel (CCP), nicht im SCP.
- Einloggen unter netcup.com/de/kunden/
- Im linken Menü zu Produkte → Erweiterungen navigieren
- Den Bereich „Root-Server/VPS-Erweiterungen KVM" aufklappen
- Produkt „Failover IPv4 Address" auswählen und in den Warenkorb legen
- Beim Checkout: Standort des Zielservers beachten – die IP muss am selben Rechenzentrumsstandort bestellt werden wie die Server, zwischen denen sie geroutet werden soll
- Bestellung abschließen (12 Monate Mindestlaufzeit, 5,00 EUR brutto/Monat)
Nach der Bestellung erscheint die neue Failover-IP innerhalb weniger Minuten im SCP und ist dem zugehörigen Standort zugeordnet. Sie ist zu diesem Zeitpunkt noch keinem Server zugeteilt.
Zur Vollständigkeit: netcup bietet neben der Failover-IPv4 noch weitere IP-Erweiterungen an:
| Produkt | Preis netto | Preis brutto | Bemerkung |
|---|---|---|---|
| Failover IPv4 Address | 4,20 EUR/Monat | 5,00 EUR/Monat | Kostenlos zwischen Servern schaltbar |
| Zusätzliche IPv4 | 1,68 EUR/Monat | 2,00 EUR/Monat | Fest an einen Server gebunden |
| Failover IPv6 /64 Subnet | 4,20 EUR/Monat | 5,00 EUR/Monat | Wie Failover-IPv4, aber als /64-Subnetz |
| Zusätzliches IPv6 /64 Subnet | 0,84 EUR/Monat | 1,00 EUR/Monat | Fest an einen Server gebunden |
Schritt 2: Failover-IP im SCP einem Server zuweisen
Die Zuweisung und das Umrouting erfolgen ausschließlich im SCP, erreichbar unter servercontrolpanel.de.
- Im SCP den Zielserver (Server A) aus der Server-Liste auswählen
- Den Tab „Network" anklicken
- Im Abschnitt „Failover IP" die bestellte Failover-IPv4 aus der Dropdown-Liste auswählen
- Auf „Save" klicken – das Routing ist sofort aktiv
Verifizieren: Nach dem Speichern wird die Failover-IP im Network-Tab des Servers als zugewiesen angezeigt. Ein ping von außen schlägt zu diesem Zeitpunkt noch fehl – die OS-seitige Konfiguration folgt in Schritt 3.
Schritt 3: Failover-IP auf dem Linux-Server OS-seitig einrichten
Das Routing im SCP allein reicht nicht: Der Zielserver muss die Failover-IP auch auf Betriebssystemebene kennen und annehmen. Die Konfiguration unterscheidet sich je nach eingesetztem Netzwerk-Stack.
Option A: Debian 11/12 mit ifupdown (/etc/network/interfaces)
Diese Variante ist auf älteren Debian-Systemen und vielen netcup-Images der Standard.
# /etc/network/interfaces
# Primäre IP (Beispiel – deine Werte aus dem SCP)
auto eth0
iface eth0 inet static
address 123.45.67.89
netmask 255.255.255.0
gateway 123.45.67.1
# Failover-IP als IP-Alias
auto eth0:1
iface eth0:1 inet static
address 198.51.100.10
netmask 255.255.255.255
pointopoint 198.51.100.1
Networking nach der Änderung neu starten:
sudo systemctl restart networking
Zum schnellen Testen kann die IP auch temporär ohne Neustart per ip-Befehl eingetragen werden:
sudo ip addr add 198.51.100.10/32 dev eth0
sudo ip route add 198.51.100.1/32 dev eth0
sudo ip route add default via 198.51.100.1
Diese Einträge überleben keinen Reboot und dienen nur zur schnellen Funktionsprüfung, bevor die interfaces-Datei angepasst wird.
Option B: Ubuntu 20.04+ / Debian mit Netplan
Neuere Ubuntu-Installationen und viele Cloud-Images setzen auf Netplan. Auf Ubuntu-Systemen mit Cloud-Init muss außerdem sichergestellt werden, dass Cloud-Init die eigene Konfiguration nach einem Reboot nicht überschreibt.
Cloud-Init-Netzwerkkonfiguration einmalig deaktivieren:
sudo bash -c 'echo "network: {config: disabled}" > /etc/cloud/cloud.cfg.d/99-disable-network-config.cfg'
Netplan-Konfiguration anpassen (Datei je nach Image z. B. /etc/netplan/01-netcfg.yaml oder /etc/netplan/50-cloud-init.yaml):
network:
version: 2
ethernets:
ens3:
dhcp4: no
addresses:
- 123.45.67.89/24 # Primäre IP (deine Werte aus dem SCP)
- 198.51.100.10/32 # Failover-IP
gateway4: 123.45.67.1
nameservers:
addresses:
- 46.38.225.230
- 46.38.252.230
Konfiguration übernehmen:
sudo netplan apply
Verifizieren: Mit ip addr show prüfen, ob die Failover-IP nun auf dem Interface erscheint:
ip addr show
# Beide IPs (primäre + Failover-IP) müssen unter dem Interface aufgelistet sein
ip route show
Nach einem Reboot nochmals prüfen, dass die Konfiguration persistent erhalten bleibt:
sudo reboot
# nach Login:
ip addr show eth0
Schritt 4: Failover-IP auf einen anderen Server umrouten
Genau dieser Schritt ist der eigentliche Mehrwert der Failover-IP gegenüber einer gewöhnlichen zusätzlichen IP. Die Umschaltung dauert typischerweise nur wenige Sekunden, weil es sich um ein Layer-3-Routing-Update handelt – keine DNS-Propagation, kein Warten.
Wichtige Reihenfolge: Zuerst die IP auf dem Zielserver OS-seitig eintragen (wie in Schritt 3 beschrieben), dann erst im SCP umrouten. Andernfalls ist die IP zwar geroutet, aber eingehende Pakete werden vom Server verworfen, weil er die Adresse nicht kennt.
- OS-Konfiguration auf Server B vorbereiten (Failover-IP in
interfacesoder Netplan eintragen, Networking neu starten) - Im SCP Server B auswählen
- Tab „Network" öffnen
- Dieselbe Failover-IPv4 aus der Dropdown-Liste wählen (sie erscheint wieder als Option, auch wenn sie noch Server A zugewiesen ist)
- „Save" klicken – der Wechsel ist sofort aktiv
Verifizieren: Von einem externen Rechner oder per Online-Ping-Tool prüfen, ob die Failover-IP nun auf Server B antwortet. Auf Server A ist die IP nach dem Umrouten nicht mehr erreichbar, bleibt aber im Interface konfiguriert – für einen späteren Failback kann sie dort einfach belassen werden.
Schritt 5 (Optional): Automatisches Failover mit Keepalived
Für produktive Hochverfügbarkeits-Setups, bei denen der Wechsel ohne manuellen Eingriff erfolgen soll, kommt Keepalived mit VRRP zum Einsatz. Der Backup-Server übernimmt die Failover-IP automatisch, wenn der Master drei Heartbeat-Pakete (standardmäßig alle 2 Sekunden) nicht gesendet hat – also nach spätestens 6 Sekunden.
Keepalived auf beiden Servern installieren:
sudo apt install keepalived
IP-Forwarding aktivieren (beide Server, persistent):
echo "net.ipv4.ip_forward = 1" | sudo tee -a /etc/sysctl.conf
sudo sysctl -p
Keepalived-Konfiguration auf dem MASTER-Server (/etc/keepalived/keepalived.conf):
vrrp_instance VI_1 {
state MASTER
interface eth1
virtual_router_id 101
priority 255
advert_int 2
authentication {
auth_type PASS
auth_pass SICHERES_PASSWORT
}
virtual_ipaddress {
10.132.0.100
}
notify_master /opt/scripts/to_master.sh
notify_backup /opt/scripts/to_backup.sh
notify_fault /opt/scripts/to_backup.sh
}
Auf dem BACKUP-Server identische Konfiguration mit geänderten Werten:
state BACKUP
priority 254
Das Script to_master.sh ruft die netcup REST-API auf und routet die Failover-IP auf den neuen Master um. Das Gegenstück to_backup.sh stellt sicher, dass laufende to_master.sh-Prozesse terminiert werden – das verhindert Race Conditions, bei denen beide Server gleichzeitig versuchen, die IP zu beanspruchen.
Keepalived nach der Konfiguration aktivieren:
sudo systemctl enable --now keepalived
sudo systemctl status keepalived
Wichtiger Hinweis zur API: Der netcup SOAP-Webservice wird am 1. Mai 2026 abgeschaltet. Bestehende Automatisierungen, die auf SOAP-Basis arbeiten, müssen vor diesem Termin auf die neue netcup REST-API migriert werden. Eine ausführlichere Anleitung dazu findest du in der Geschwister-Anleitung netcup SCP REST API einrichten und nutzen: Server automatisieren ohne SOAP.
Das vollständige HA-Setup mit Keepalived, Cloud-vLAN und zwei VPS wird ausführlich erklärt in: Hochverfügbarkeit auf netcup: Zwei VPS mit Keepalived, Failover-IP und Cloud-vLAN absichern.
Troubleshooting / Typische Fehler
Failover-IP ist im SCP geroutet, aber nicht erreichbar
Die häufigste Ursache: Die IP wurde im SCP auf den Zielserver umgeroutet, aber auf dem Server selbst fehlt der Eintrag in /etc/network/interfaces oder der Netplan-Konfiguration. Mit ip addr show prüfen, ob die Failover-IP tatsächlich auf dem Interface liegt. Falls nicht, Schritt 3 nachholen.
Konfiguration nach Reboot weg (Ubuntu mit Cloud-Init)
Ubuntu-Systeme mit aktiviertem Cloud-Init überschreiben beim Hochfahren die eigene Netplan-Konfiguration. Lösung: Cloud-Init-Netzwerkkonfiguration explizit deaktivieren (siehe Schritt 3, Option B). Prüfen, ob die Datei /etc/cloud/cloud.cfg.d/99-disable-network-config.cfg vorhanden ist.
Falscher IP-Typ beim Kauf
Eine zusätzliche IPv4 kann nicht nachträglich zur Failover-IP umgewandelt werden. Wer bereits eine gewöhnliche zusätzliche IPv4 bestellt hat und jetzt Failover-Funktionalität braucht, muss eine neue Failover-IPv4 bestellen und die alte kündigen.
Standort-Mismatch
IP-Adressen sind an ein bestimmtes netcup-Rechenzentrum gebunden. Eine in Nürnberg bestellte Failover-IP erscheint im SCP eines Mannheimer Servers nicht als Option. Bei der Bestellung im CCP darauf achten, dass Standort der IP und Standort der Zielserver übereinstimmen.
SOAP-API-Scripts laufen nach Mai 2026 nicht mehr
Der netcup SCP Webservice (SOAP) wird am 1. Mai 2026 abgeschaltet. Alle Keepalived-Notify-Scripts, die den alten SOAP-Webservice nutzen, müssen auf die netcup REST-API umgestellt werden.
Race Condition bei Keepalived-Failover
Wenn das to_backup.sh-Script laufende to_master.sh-Prozesse nicht sauber terminiert, können bei einem schnellen Failover-Ereignis kurzzeitig beide Server versuchen, die Failover-IP zu beanspruchen. Das Script sollte daher beim Start prüfen, ob bereits ein API-Aufruf läuft, und diesen ggf. abbrechen.
Häufige Fragen
Wie lange dauert das Umrouten der Failover-IP?
Die Umschaltung dauert typischerweise nur wenige Sekunden. Da es sich um ein Layer-3-Routing-Update und keine DNS-Änderung handelt, entfällt jede Propagationszeit. Nach dem Klick auf „Save" im SCP ist das neue Routing sofort aktiv.
Kann ich die Failover-IP zwischen VPS und dedizierten Root-Servern wechseln?
Ja. Laut offizieller Dokumentation kann die Failover-IP auf Root-Server, Storage-Server und VPS-Produkte von netcup geroutet werden, sofern alle am selben Rechenzentrumsstandort betrieben werden.
Was passiert mit der Failover-IP, wenn ich einen Server kündige?
Die Failover-IP ist ein eigenständiges Produkt mit eigenem Vertrag. Sie bleibt nach der Server-Kündigung bestehen und kann auf einen anderen Server geroutet werden. Sie muss separat und eigenständig gekündigt werden.
Kann ich die Failover-IP auch über die netcup API automatisch umschalten?
Ja. Bis 30. April 2026 war das über den SOAP-Webservice möglich; danach ausschließlich über die neue netcup REST-API. Keepalived-HA-Setups können damit vollautomatisch auf Serverausfälle reagieren.
Funktioniert die Failover-IP auch auf Windows-Servern?
Ja. Die Zuweisung im SCP ist OS-unabhängig. Auf Windows-Seite muss die IP-Adresse manuell im Netzwerkadapter als zweite IP eingetragen werden: Systemsteuerung → Netzwerk → Adaptereinstellungen → TCP/IPv4 → Erweitert → IP-Adressen hinzufügen.
Kann die Failover-IP gleichzeitig auf mehreren Servern aktiv sein?
Nein. Die Failover-IP kann immer nur auf einen Server geroutet sein. Sie ist kein Anycast-System. Der Wechsel ist exklusiv – der alte Server verliert das Routing, sobald der neue Server sie übernimmt.
Gibt es auch eine Failover-Variante für IPv6?
Ja. netcup bietet das Produkt „Failover IPv6 Subnet (/64)" zum gleichen Preis von 4,20 EUR netto/Monat an. Bestellungs- und Zuweisungslogik sind identisch mit der Failover-IPv4.
Fazit
Die netcup Failover-IPv4 ist ein schlichtes, aber wirkungsvolles Werkzeug für jeden, der auf schnelle Umschaltzeiten zwischen Servern angewiesen ist – sei es für geplante Wartungsfenster, spontane Migrationen oder vollautomatisches HA-Failover mit Keepalived. Der Mehrpreis gegenüber einer gewöhnlichen zusätzlichen IPv4 (4,20 statt 1,68 EUR netto/Monat) amortisiert sich bereits beim ersten Serverausfall, der ohne Support-Ticket gelöst werden kann. Der wichtigste Fallstrick bleibt die OS-seitige Konfiguration: Das Routing im SCP und der Interface-Eintrag auf dem Zielserver müssen zusammenpassen – sonst ist die IP geroutet, aber kein Dienst antwortet. Wer das beachtet und den SOAP-API-Abschalttermin im Mai 2026 auf dem Schirm hat, bekommt mit der Failover-IP ein solides Fundament für hochverfügbare netcup-Infrastrukturen.
Weiterführende Anleitungen und Quellen
- Hochverfügbarkeit auf netcup: Zwei VPS mit Keepalived, Failover-IP und Cloud-vLAN absichern
- netcup SCP REST API einrichten und nutzen: Server automatisieren ohne SOAP
- netcup Cloud VLAN einrichten: Private Server-Kommunikation ohne öffentliche IP
- VPS absichern und härten: Anleitung mit UFW, SSH-Keys und Fail2Ban
- netcup Helpcenter: IP-Adressen hinzufügen (offizielle Dokumentation)
- netcup KVM-Server-Erweiterungen: Produktübersicht und Preise