IT-Tools auf dem Synology NAS installieren: der Admin-Werkzeugkasten im Browser
Über 60 browserbasierte Hilfswerkzeuge für IT-Admins – Subnetz-Rechner, JWT-Decoder, Token-Generator und vieles mehr – laufen als schlanker 21-MB-Container auf dem Synology NAS. Kein Volume, keine Datenbank, in unter fünf Minuten einsatzbereit.

Wer als KMU-Administrator täglich mit Subnetz-Berechnungen, JWT-Tokens oder schnellen Hash-Checks hantiert, greift meistens auf externe Online-Dienste zurück – und überträgt dabei sensible Daten an unbekannte Server. IT-Tools löst dieses Problem: Die Open-Source-Sammlung bündelt über 60 browserbasierte Werkzeuge in einer einzigen Web-App. Die gesamte Logik läuft als clientseitiges JavaScript direkt im Browser; kein Byte verlässt das lokale Netz. Auf dem Synology NAS ist das Ganze ein Ein-Container-Projekt ohne Volume und ohne Umgebungsvariablen – einfacher geht Self-Hosting kaum.
Voraussetzungen
- Synology NAS mit DSM 7.2 oder neuer
- Container Manager aus dem Synology Package Center installiert
- Internetzugang am NAS (einmaliger Image-Pull von Docker Hub)
- Freier TCP-Port auf dem NAS – empfohlen: 8080
- Mindestens 256 MB freier Arbeitsspeicher (das Image selbst benötigt nur ~21,5 MB)
- Optional: eigene Domain oder DynDNS-Eintrag für HTTPS-Zugang per Reverse Proxy
Schritt 1: Image-Details und Eckdaten im Überblick
Bevor du den Container erstellst, lohnt ein kurzer Blick auf die Eckdaten – gerade weil IT-Tools in vielen Anleitungen mit unterschiedlichen Ports und Tags auftaucht.
| Parameter | Wert | Hinweis |
|---|---|---|
| Image (Docker Hub) | corentinth/it-tools:latest | Alternativ: ghcr.io/corentinth/it-tools:latest |
| Stabiler Pin-Tag | corentinth/it-tools:2024.10.22-7ca5933 | Für Produktionsumgebungen empfohlen |
| Image-Größe | ~21,5 MB (amd64) | Multi-Stage-Build: nur nginx + statische Dateien |
| Architektur | linux/amd64, linux/arm64 | Alle Synology-Modelle (Intel/AMD + ARM) |
| Container-Port | 80 (nginx) | Host-Port frei wählbar, empfohlen: 8080 |
| Volumes | Keine | Rein statische App, kein persistentes Volume nötig |
| Umgebungsvariablen | Keine | Zero-Config-Deployment |
| Restart-Policy | unless-stopped | Startet nach NAS-Neustart, respektiert manuellen Stopp |
| Lizenz | GNU GPLv3 | Kostenlos, Open Source |
Das Image nutzt einen mehrstufigen Build: Node.js kompiliert das Vue.js-Frontend, ins Produktions-Image auf Basis von nginx:stable-alpine landen nur die fertigen statischen Dateien. Daher die kompakte Größe. Favoriten, die du in der App markierst, speichert der Browser im LocalStorage – sie überleben Container-Neustarts, sind aber gerätespezifisch und nicht zwischen Browsern synchronisiert.
Verifizieren: Prüfe in DSM > Systemsteuerung > Info-Center, ob dein NAS-Modell auf Intel/AMD (amd64) oder ARM (arm64) basiert. Beide Architekturen werden unterstützt; du kannst dasselbe Image verwenden.
Schritt 2: Compose-Datei erstellen und Projekt anlegen
Der moderne Weg auf DSM 7.2+ ist das Compose-Projekt im Container Manager. Wie du ein solches Projekt grundsätzlich anlegst, erklärt die Grundanleitung Container Manager: Docker-Compose-Projekt anlegen, starten und aktualisieren. Für IT-Tools brauchst du keinen Ordner unter /volume1/docker/ vorab anzulegen – es gibt schlicht nichts Persistentes zu mounten.
Öffne den Container Manager, wähle Projekt > Erstellen, vergib den Projektnamen it-tools und füge folgende Compose-Konfiguration ein:
services:
it-tools:
container_name: it-tools
image: corentinth/it-tools:latest
ports:
- "8080:80"
restart: unless-stopped
healthcheck:
test: ["CMD", "wget", "-qO-", "http://localhost:80/"]
interval: 30s
timeout: 10s
retries: 3
Wichtige Hinweise zur Konfiguration:
- Kein
version:-Schlüssel: DSM Container Manager erwartet Compose V2-Format ohneversion:-Zeile. Ältere Beispiele mitversion: "3.x"können Warnungen erzeugen. - Port 8080: Offiziell empfohlener Host-Port. Falls belegt, nutze einen freien Port wie 8088 oder 3456 – ändere nur die linke Seite (
HOST:80). unless-stoppedstattalways: Diese Policy startet den Container nach einem NAS-Neustart automatisch, respektiert aber einen manuellen Stopp – sinnvoll für Wartungsarbeiten.- Kein Volume-Block: Das ist korrekt und beabsichtigt. Wer aus Gewohnheit ein Volume einfügt, schadet nicht, braucht es aber nicht.
Klicke auf Weiter und dann auf Fertig. Der Container Manager lädt das Image von Docker Hub (ca. 21,5 MB) und startet den Container.
Verifizieren: Im Container Manager unter Projekt > it-tools muss der Status nach kurzer Zeit auf „Wird ausgeführt" springen und der Health-Check grün werden. Öffne im Browser http://<NAS-IP>:8080 – die IT-Tools-Startseite mit der Tool-Übersicht sollte sofort laden.
Schritt 3: Firewall-Regel für Port 8080 einrichten
Die DSM-Firewall ist auf den meisten Synology-Geräten standardmäßig aktiv und blockiert neue Ports. Ohne Freigabe ist IT-Tools von keinem anderen Gerät im Netz erreichbar – auch wenn der Container selbst läuft. Die vollständige Anleitung dazu findest du unter DSM-Firewall: Ports für Docker-Container freigeben.
Kurzfassung: Öffne DSM > Systemsteuerung > Firewall, klicke auf Regel hinzufügen und lege folgendes fest:
- Protokoll: TCP
- Ports: 8080 (oder der von dir gewählte Host-Port)
- Quelle: Dein lokales Subnetz (z. B.
192.168.1.0/24) – nicht „Alle", wenn du die Oberfläche nicht aus dem Internet erreichbar machen willst. - Aktion: Erlauben
Verifizieren: Rufe http://<NAS-IP>:8080 von einem anderen Gerät im selben Netzwerk auf (z. B. Smartphone oder zweiter PC). Wenn die IT-Tools-Oberfläche lädt, ist die Firewall-Regel aktiv.
Schritt 4: Erste Werkzeuge kennenlernen – der Praxis-Dreier für Admins
Die Startseite zeigt alle verfügbaren Tools sortiert nach Kategorien. Für KMU-Administratoren sind drei Werkzeuge besonders häufig im Einsatz:
Subnetz- und CIDR-Rechner
Unter Netzwerk > IPv4 subnet calculator gibst du eine IP-Adresse mit Präfixlänge ein, z. B. 192.168.10.0/26, und erhältst sofort: Netzwerkadresse, Broadcast, erste und letzte nutzbare Host-Adresse, Subnetzmaske und die Anzahl der verfügbaren Hosts (hier: 62). Keine externe Website, keine Datenübertragung. Wer die Theorie dahinter vertiefen möchte, findet sie in der Anleitung Subnetting und CIDR verständlich erklärt.
Token- und UUID-Generator
Unter Crypto > Token generator erzeugst du kryptografisch zufällige Strings in konfigurierbarer Länge und Zeichensatz – ideal für Skript-Passwörter, API-Keys oder temporäre Zugangsdaten. Der UUID-Generator (ebenfalls in der Crypto-Kategorie) liefert RFC-4122-konforme UUIDs per Klick. Da alles im Browser passiert, landen deine generierten Tokens nirgendwo in einem Server-Log.
JWT-Decoder
Unter Web > JWT decoder fügst du ein JSON Web Token ein und siehst sofort Header, Payload und Signatur-Teil im Klartext – praktisch, wenn du bei einer API-Integration prüfen willst, welche Claims ein Token enthält oder ob das Ablaufdatum (exp) noch in der Zukunft liegt. Wichtig: Das Tool dekodiert, verifiziert aber nicht die Signatur. Für sicherheitskritische Validierungen bleibt die Backend-Bibliothek zuständig.
Favoriten: Jedes Tool lässt sich über das Stern-Symbol als Favorit markieren. Die Favoriten erscheinen dann oben auf der Startseite und bleiben dauerhaft gespeichert – solange du denselben Browser und dasselbe Profil nutzt.
Verifizieren: Öffne den Subnetz-Rechner, gib 10.0.0.0/28 ein und prüfe, ob das Tool „14 hosts" als nutzbare Adressen ausgibt. Ist das der Fall, funktioniert die gesamte App korrekt.
Schritt 5: Reverse Proxy für HTTPS-Zugang einrichten (optional)
Für den Zugriff außerhalb des lokalen Netzes oder für eine saubere HTTPS-URL (z. B. https://it-tools.meinedomain.de) nutzt du den in DSM integrierten Reverse Proxy. IT-Tools benötigt dabei keine WebSocket-Konfiguration – ein einfacher HTTP-Proxy genügt.
Navigiere zu DSM > Systemsteuerung > Anmeldungsportal > Erweitert > Reverse Proxy und erstelle eine neue Regel:
| Feld | Wert |
|---|---|
| Regelname | IT-Tools |
| Protokoll (Quelle) | HTTPS |
| Hostname (Quelle) | it-tools.meinedomain.de |
| Port (Quelle) | 443 |
| Protokoll (Ziel) | HTTP |
| Hostname (Ziel) | localhost |
| Port (Ziel) | 8080 |
Wenn du Let's Encrypt in DSM eingerichtet hast, übernimmt DSM das SSL-Zertifikat automatisch. Den DNS-A-Record für den gewählten Hostnamen musst du vorab beim Domain-Registrar auf die öffentliche IP deines NAS setzen. Alternativ kannst du IT-Tools auch hinter dem Nginx Proxy Manager auf der Synology betreiben, wenn du diesen bereits für andere Dienste nutzt.
Verifizieren: Öffne https://it-tools.meinedomain.de im Browser. Das Schloss-Symbol in der Adressleiste bestätigt die gültige TLS-Verbindung. Alle Tools müssen wie beim lokalen Zugriff funktionieren.
Schritt 6: Container aktualisieren und auf Pin-Tag wechseln
Das :latest-Tag von IT-Tools entspricht dem stabilen Release v2024.10.22 und wurde seitdem nicht aktualisiert. Wer die aktuellste Entwicklungsversion mit neuen Tools braucht, kann auf :nightly wechseln – nimmt dabei aber mögliche Instabilitäten in Kauf. Für Produktionsumgebungen empfiehlt sich der explizite Pin-Tag:
image: corentinth/it-tools:2024.10.22-7ca5933
Um den Container auf eine neue Version zu aktualisieren: Im Container Manager das Projekt it-tools öffnen, Aktion > Erstellen wählen und die Option „Image aus dem Internet herunterladen" aktivieren. Der Container Manager stoppt den alten Container, lädt das neue Image und startet neu. Da die gesamte App-Logik im Browser liegt und keine Daten im Container gespeichert werden, gibt es keinen Datenverlust.
Verifizieren: Nach dem Update prüfe im Container Manager unter Container > it-tools > Details, welcher Image-Tag aktiv ist. Ein Hard-Refresh im Browser (Strg+Umschalt+R) stellt sicher, dass keine veralteten JavaScript-Dateien aus dem Browser-Cache geladen werden.
Troubleshooting / Typische Fehler
- Container startet, Seite ist nicht erreichbar: Port 8080 ist auf dem NAS bereits belegt. Prüfe im Container Manager unter Container > Ports, ob der Port wirklich gebunden ist. Wähle einen alternativen Host-Port (z. B. 8088) und passe Compose-Datei sowie Firewall-Regel an.
- DSM-Firewall blockiert den Zugriff: Symptom: Browser-Timeout, obwohl der Container läuft. Lösung: DSM > Systemsteuerung > Firewall – prüfe, ob eine Regel für Port 8080 vorhanden ist und ob ablehnende Regeln nicht vorher greifen.
- Image beim Projekt-Erstellen nicht gefunden: Im Schritt „Quelle" explizit „Aus dem Internet herunterladen" auswählen und den vollständigen Image-Namen
corentinth/it-tools:latesteingeben. - Seite lädt nach Update nicht vollständig: Browser-Cache-Problem. Hard-Refresh (Strg+Umschalt+R) oder Browser-Cache leeren behebt das Problem.
- Reverse Proxy: Einzelne Tool-Seiten laden nicht (HTTPS): In der Reverse-Proxy-Regel in DSM das Protokoll auf HTTP/1.1 umstellen. Das behebt Probleme mit unvollständig weitergeleiteten Headers.
- Favoriten nach Browser-Wechsel verschwunden: Erwartetes Verhalten – Favoriten liegen im LocalStorage des jeweiligen Browsers. Ein Export-Feature fehlt derzeit; Favoriten müssen in jedem Browser neu gesetzt werden.
version:-Warnung im Container Manager: Entferne dieversion-Zeile aus der Compose-Datei. Compose V2 auf DSM 7.2+ benötigt sie nicht.
Häufige Fragen
Brauche ich ein Volume für Datenpersistenz?
Nein. IT-Tools ist eine vollständig statische Web-App – alle Berechnungen laufen im Browser, kein Server verarbeitet deine Eingaben. Es gibt keine Datenbank und keine serverseitigen Zustände. Favoriten speichert der Browser selbst im LocalStorage, unabhängig vom Container. Du kannst das Volume auch weglassen, ohne dass sich irgendetwas an der Funktionalität ändert.
Welchen Port soll ich verwenden?
Das offizielle README empfiehlt 8080:80. Der Host-Port ist frei wählbar – wichtig ist nur, dass er auf dem NAS nicht bereits belegt ist und in der DSM-Firewall freigegeben wird. Wenn du IT-Tools hinter dem Reverse Proxy betreibst, kann der Host-Port beliebig sein, da nur der Reverse Proxy ihn intern ansprechen muss.
Wie aktuell ist das :latest-Image?
Das :latest-Tag entspricht Stand Juni 2026 dem Release v2024.10.22. Wer den absolut neuesten Stand mit neuen Tool-Ergänzungen benötigt, verwendet :nightly – nimmt dabei aber in Kauf, dass es sich um den aktuellen Entwicklungsstand handelt, der weniger getestet ist als ein stabiler Release.
Verlassen meine Eingaben das lokale Netz?
Nein. Die gesamte Logik von IT-Tools läuft als clientseitiges JavaScript im Browser. Es gibt keinen Backend-Server, der Anfragen verarbeitet oder Daten speichert. Solange der Container nur intern erreichbar ist, verlässt kein einziges Byte deiner Eingaben das lokale Netzwerk – ein wesentlicher Vorteil gegenüber externen Online-Tools.
Funktioniert IT-Tools auf Synology-NAS mit ARM-Prozessor?
Ja. Das Image wird für linux/amd64 (alle Intel/AMD-Synology-Modelle) und linux/arm64 (ARM-basierte Modelle wie DS223, DS423) bereitgestellt. Du verwendest denselben Image-Namen; Docker wählt automatisch die passende Architektur.
Kann ich IT-Tools im Dashboard meiner anderen Dienste anzeigen?
Ja. Wenn du bereits Homepage auf deinem Synology NAS betreibst, fügst du IT-Tools dort als Service-Eintrag hinzu. Homepage unterstützt benutzerdefinierte Dienste ohne offizielle API-Integration – Name, URL und optionales Icon genügen.
Fazit
IT-Tools ist eines der wenigen Self-Hosting-Projekte, bei denen „einfach" wirklich stimmt: ein Container, kein Volume, keine Umgebungsvariablen, sofort einsatzbereit. Für KMU-Administratoren, die täglich mit Subnetz-Berechnungen, Token-Generierung oder JWT-Analyse zu tun haben, ist der Aufwand von fünf Minuten Installation durch den Gewinn an Datenschutz und Offline-Verfügbarkeit mehr als gerechtfertigt.
Der einzig nennenswerte Trade-off: Das :latest-Image wurde zuletzt im Oktober 2024 aktualisiert. Wer auf neue Tools angewiesen ist, muss auf :nightly wechseln oder auf einen neuen stabilen Release warten. Für den Großteil der Werkzeuge ist das aber kein Problem – CIDR-Rechner und JWT-Decoder ändern sich nicht.
Weiterführende Anleitungen und Quellen
- Subnetting und CIDR verständlich erklärt – Theorie hinter dem Subnetz-Rechner in IT-Tools
- code-server auf dem Synology NAS installieren: VS Code im Browser – weiteres Entwickler-Tool für den Browser
- Homepage auf dem Synology NAS installieren: Dashboard für alle Self-Hosting-Dienste – IT-Tools gemeinsam mit anderen Diensten im Überblick
- Container Manager: Docker-Compose-Projekt anlegen, starten und aktualisieren – Grundanleitung für den Compose-Workflow
- DSM-Firewall: Ports für Docker-Container freigeben – ausführliche Anleitung zur Firewall-Konfiguration
Offizielle Quellen: GitHub CorentinTh/it-tools (README, Dockerfile, Releases) · Docker Hub corentinth/it-tools (Image-Tags, Architekturen)