Miasma-Supply-Chain-Angriff: Red-Hat-npm-Pakete mit Credential-Stealer kompromittiert
Wiz Research deckt einen massiven Supply-Chain-Angriff auf npm-Pakete der @redhat-cloud-services-Namespace auf. Die Malware Miasma stiehlt Cloud-Zugangsdaten, GitHub-Token und SSH-Schlüssel und kann Heimverzeichnisse löschen. Betroffene Organisationen müssen sofort alle Credentials rotieren.

Am 1. Juni 2026 hat Wiz Research einen umfangreichen Supply-Chain-Angriff auf npm-Pakete der @redhat-cloud-services-Namespace öffentlich gemacht. Über das kompromittierte GitHub-Konto eines Red-Hat-Mitarbeiters wurden mindestens 32 Paket-Releases mit bösartigen preinstall-Skripten versehen. Die als Miasma: The Spreading Blight bezeichnete Schadsoftware ist eine Weiterentwicklung der Mini-Shai-Hulud-Familie und stiehlt Cloud-Anmeldedaten, GitHub-Token, SSH-Schlüssel sowie Kubernetes-Konfigurationen. Die Schwachstelle wird mit einem CVSS-Wert von 9.3 (kritisch, CVSS v4.0) bewertet und gilt mit dem Exploit-Status Attacked als aktiv ausgenutzt.
Was ist passiert
Die betroffenen Pakete verzeichnen durchschnittlich rund 80.000 wöchentliche Downloads, womit die potenzielle Reichweite des Angriffs erheblich ist. Die injizierte Payload ist etwa 4,2 MB groß, stark obfuskiert und nutzt preinstall-Hooks, die vor jeder Ausführung von npm install automatisch starten. Auf diese Weise gelangt die Schadsoftware bereits während der Installation auf das System, ohne dass das eigentliche Paket aktiv eingebunden werden muss.
Eine neuere Variante sammelt zusätzlich GCP- und Azure-Cloud-Identitäten und erweitert damit den ursprünglichen Fokus auf AWS-Umgebungen. Besonders kritisch ist das Modul gh-token-monitor: Es überwacht die Gültigkeit gestohlener GitHub-Token und kann bei einer Token-Revokation Heimverzeichnisse löschen, was die Schadsoftware um eine destruktive Komponente ergänzt. Zur Persistenz richtet Miasma Systemd-Services unter Linux sowie LaunchAgents unter macOS ein und injiziert sich in Konfigurationen von KI-Tools wie Claude, Copilot und VS Code.
Hinweis zur Faktenlage: Quellen nennen für die kompromittierten Versionen teils 32 Paket-Releases, teils bis zu 96 Versionen. Diese Angaben ergänzen sich, da 32 Pakete in insgesamt rund 96 Versionen betroffen sind. Auch die Download-Zahlen (rund 80.000 bis 117.000 wöchentlich) und die Payload-Größe (4,2 MB obfuskiert, zusätzlich ein nachgeladener Credential-Stealer von etwa 620 KB) variieren je nach Messzeitpunkt und Mehrstufen-Ansatz.
Bin ich betroffen?
Betroffen sind npm-Pakete der @redhat-cloud-services-Namespace, darunter vulnerabilities-client, sources-client, rbac-client, topological-inventory-client und frontend-components bis etwa Version 7.7.2. Gefährdet sind alle Systeme, auf denen diese Pakete installiert oder per npm install verarbeitet wurden, sowie sämtliche dort verfügbaren Zugangsdaten: GitHub-Token, AWS-, GCP- und Azure-IAM-Keys, Kubernetes-Konfigurationen, Vault-Token und SSH-Schlüssel.
Zur Prüfung sollten Lockfiles auf entsprechende Abhängigkeiten kontrolliert werden:
grep -r "@redhat-cloud-services" package-lock.json yarn.lock pnpm-lock.yamlZusätzlich empfiehlt sich eine Suche auf GitHub nach verdächtigen Repositories mit der Beschreibung Miasma: The Spreading Blight sowie eine Prüfung infizierter Systeme auf Persistenz-Komponenten wie kitty-monitor.service (Linux) und com.user.kitty-monitor.plist (macOS).
Wie behebe ich das?
Organisationen mit betroffenen Abhängigkeiten sollten folgende Schritte umgehend umsetzen:
- npm-Lockfiles auf
@redhat-cloud-services-Abhängigkeiten prüfen. - Abhängigkeiten auf sichere Versionen pinnen und neu installieren, ohne Skripte auszuführen:
npm install --ignore-scripts- Alle Anmeldedaten als kompromittiert behandeln und rotieren: npm-Token, GitHub-Credentials, Cloud-IAM-Keys (AWS, GCP, Azure), Kubeconfig, Vault-Token, SSH-Schlüssel und
.env-Dateien. - GitHub nach verdächtigen Repositories mit der Beschreibung Miasma: The Spreading Blight durchsuchen.
- Branch-Protection-Rules und enge OIDC-Vertrauensgrenzen einführen sowie Provenance-Verifikation mit Verhaltenschecks kombinieren.
- Infizierte Systeme auf Persistenz-Komponenten (
kitty-monitor.service,com.user.kitty-monitor.plist) prüfen und bereinigen.
Was bedeutet das für Unternehmen?
Der Vorfall ist als kritisch einzustufen, da er eine vollständige Supply-Chain-Kompromittierung mit Zugriff auf Cloud-Infrastruktur, Anmeldedaten und Code-Repositories ermöglicht. Organisationen mit @redhat-cloud-services-Abhängigkeiten müssen sofort alle Credentials rotieren und ihre Systeme prüfen. Wegen der destruktiven Malware-Module droht zudem Datenverlust, weshalb Incident Response, Forensik und eine Neubewertung sämtlicher Cloud-Zugriffe erforderlich sind.
Die Wahrscheinlichkeit für laterale Bewegung und Persistenz in kritischen Systemen ist hoch. Der Angriff verdeutlicht erneut, dass Provenance-Prüfungen allein nicht ausreichen und um Verhaltensanalysen sowie strikte Vertrauensgrenzen ergänzt werden müssen.
Quellen
Recherche-Quellen: Wiz Research Blog, The Hacker News, Snyk, The Register, BleepingComputer, Aikido, Orca Security, JFrog Security Research, Mend.io.